• The Wall Street Journal

Apple lässt Analysten im Nebel stochern

    Von JESSICA E. LESSIN

Wenn Apple am Mittwoch die Zahlen für das Weihnachtsquartal vorlegt, dürfte es wieder Rekorde bei den iPhone-Verkäufen und beim Umsatz geben. Aber es ist nicht das aktuelle Geschäft, was die Kurse des Unternehmens an der Wall Street schwächeln lässt. Für die Anleger wird es immer schwieriger, die Zukunft des Tech-Riesen aus Cupertino einzuschätzen.

Reuters

Für Analysten wird es immer schwieriger, ein klares Bild von der Lage bei Apple zu bekommen.

Apples Einstieg in neue Märkte und die komplexer werdende Lieferkette machen es schwer, die Wachstumsaussichten zu verstehen und vorauszusagen, erklären langjährige Investoren und Analysten. Bei den letzten beiden Geschäftsberichten hatte Apple die Erwartungen der Analysten verfehlt.

Diese Ungewissheit lässt Zweifel aufkommen, ob die Erfolgsgeschichte von Apple noch länger Bestand haben wird. In der vergangenen Woche erreichte die Aktie ein Elf-Monats-Tief und erholte sich danach nur leicht. Am Freitag schloss sie bei einem Kurs von 500 US-Dollar. Das sind 29 Prozent weniger als im September.

„Aktuell ist Apple so breit aufgestellt, dass keine Einzelperson außerhalb des Unternehmens das ganze Bild sehen kann", sagt Matthew Hoffman, Analyst bei Cowen & Co. Er macht die Unsicherheit für die Schwankungen beim Aktienkurs verantwortlich. Diese würden noch verstärkt, weil Apple sich selbst bedeckt hält. Ein Apple-Sprecher wollte vor der Vorlage der Zahlen keinen Kommentar abgeben.

Markt für Smartphones reift zusehends

Apple-Chef Tim Cook könnte viele besorgte Anleger beschwichtigen, indem er am Mittwoch auf der Telefonkonferenz mehr zu künftigen Apple-Produkten sagt. Aber Cook und andere aus seinem Führungsteam schweigen lieber, weil die Spekulationen bisher immer noch verlässlich für einen Hype um anstehende Produktveröffentlichungen gesorgt haben.

Den Anlegern bleibt also nichts anderes übrig, als auf die Datenmasse zu blicken. Zu den wichtigsten Zahlen gehören die Bestellungen für Bauteile. Aber weil das Unternehmen auf immer mehr Zulieferer in immer mehr Ländern setzt, wird auch hier das Puzzle schwieriger.

Zudem sieht sich Apple stärkerem Wettbewerb ausgesetzt, etwa durch den Rivalen Samsung Electronics . Dazu reift der von Apple beherrschte Markt für höherpreisige Smartphones immer mehr. Stuart Jeffrey, Analyst bei Nomura Securities, berichtet, dass die Sorgen um das Wachstum von Apple zunehmen. In Märkten, wo die Telekomanbieter Mobilgeräte subventionieren, haben bereits 50 bis 60 Prozent aller Handynutzer ein Smartphone. Dadurch bleiben immer weniger Erstkäufer übrig.

Apple ist aber nicht das einzige Tech-Unternehmen, das etwas zu beweisen hat. Die Konkurrenten Google und Microsoft legen in dieser Woche ebenfalls Zahlen vor. Auch sie haben mit ihren letzten Berichten die Anleger enttäuscht.

Für Apple rechnen Analysten im Schnitt mit einer Umsatzsteigerung von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gewinn soll angesichts geringerer Margen um zwei Prozent auf 12,78 Milliarden sinken, so die Zahlen von Thomson Reuters. Das vierte Quartal 2012 war das erste, in dem das iPhone 5 komplett verkauft wurde.

An der Wall Street wird man auch bei Apples Ausblick genauer hinschauen – und wieder hauptsächlich im Nebel stochern. „Die Leute werden sich mit der Prognose schwertun", sagt Stuart Jeffrey. Apple sei für seine konservativen Ausblicke berüchtigt. Aber solch ein Pessimismus kann angesichts langsameren Wachstums schnell zur Realität werden.

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