• The Wall Street Journal

New Yorker Gangsterjägerin soll Börsenaufsicht SEC leiten

    Von JESSICA HOLZER und SCOTT PATTERSON

WASHINGTON – Mit Mary Jo White könnte zum ersten Mal eine ehemalige Staatsanwältin die oberste Börsenaufseherin der USA werden. Die 65-Jährige hat sich landesweit einen Namen als Anklägerin von Terroristen und Gangstern in New York gemacht. Jetzt will Barack Obama sie noch am Donnerstag für die Leitung der Securities and Exchange Commission nominieren, wie das Weiße Haus erklärte.

Auch wenn ihre Bekanntheit aus ihrer Arbeit in Manhattan herrührt, ist White seit etwa knapp zehn Jahren für die Kanzlei Debevoise & Plimpton tätig. Dabei hat sie laut Unternehmenskreisen auch große Finanzinstitute vertreten, die von der SEC beaufsichtigt werden. Unter anderem vertrat sie Kenneth Lewis, den ehemaligen Chef der Bank of America, als dieser wegen Aktienbetrug angeklagt war.

REUTERS

Barack Obama will Mary Jo White auf dem Chefsessel der US-Börsenaufsicht SEC sehen.

Nach den Vorschriften der SEC darf sich White zwei Jahre lang nicht mit Angelegenheiten befassen, die ihren ehemaligen Arbeitgeber oder Klienten aus ihren letzten beiden Jahren dort betreffen. Sie darf sich auch nicht mit ehemaligen Kunden oder Klienten unter vier Augen treffen.

Beobachter sagen, dass derzeit ziemlich wenig über Whites Positionen zur Börsenaufsicht bekannt ist. Als Chefin würde sie unter anderem die konkrete Umsetzung der Dodd-Frank-Regeln und des 2012 beschlossenen „JOBS Act", der Hedgefonds und kleinen Unternehmen den Zugriff auf Kapital erleichtern soll, gestalten. „Sie könnte sich als ausgezeichnete Wahl erweisen, aber aktuell ist sie ein unbeschriebenes Blatt für uns", sagt Barbara Roper, leitende Anlegerschützerin beim US-Verbraucherverband CFA.

Das FBI soll bereits damit begonnen haben, Whites Hintergrund zu überprüfen. Nach der Nominierung muss sie noch vom Kongress bestätigt werden. Dann könnte sie Übergangschefin Elisse Walter nachfolgen, die im Dezember für die zurückgetretene Mary Schapiro einsprang.

Aus ihrer Erfahrung als Staatsanwältin würde White eine enorme Erfahrung bei der Verfolgung von Verbrechen mitbringen. Im Kongress könnten aber ihre Detailkenntnisse der Finanzvorschriften auf die Probe gestellt werden, glauben Experten. Die SEC steht vor allem in der Kritik, weil sie beim Computerhandel den Anschluss an die technologische Entwicklung verpasst hat. Auf diesem Feld verfügt White über wenig Erfahrung.

Trotzdem dürfte sich der Kongress nicht gegen White sperren, heißt es in Washington. Ihre harte Haltung gegen Verbrecher dürfte bei den Republikanern auf Gegenliebe stoßen. „Wir hatten schon viele Chefaufseher, die sich vom Kongress haben einschüchtern lassen", sagt der ehemalige SEC-Chef Arthur Levitt. White „schüchtert man nicht so einfach ein", sagt er.

Einer der bekanntesten Fälle von White war die monatelange Ermittlung, wie sich der Finanzbetrüger Marc Rich und andere Lobbyisten eine Amnestie vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton sichern konnten. Dabei legte sie sich nicht nur mit dem Präsidenten, sondern auch mit dem damaligen Generalstaatsanwalt Eric Holder an. Heute ist Holder Justizminister. Whites Ermittlungen endeten ohne Anklage.

Als leitende Staatsanwältin im südlichen Bezirk von New York sorgte sie unter anderem für die Verurteilung mehrerer islamistischer Terroristen sowie des Mafiabosses John Gotti. Von 1993 bis 2002 unterstanden ihr mehr als 200 Staatsanwälte, die in vielen der hochkarätigsten Terrorismus-, Mafia- und Finanzprozessen der USA die Anklage vertraten.

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