• The Wall Street Journal

Google triumphiert mit Werbeklicks

    Von AMIR EFRATI und JOHN LETZING

Beim Internetkonzern Google wächst das Online-Werbegeschäft wieder schneller. Diese Trendwende signalisiert, dass Google die große Herausforderung auf dem Anzeigenmarkt – die Kundenvorliebe fürs Handy, auf dem sich schwieriger werben lässt – langsam aber sicher meistert.

Associated Press

Die Google-Zentrale im kalifornischen Mountain View. Die Durststrecke im Geschäft mit Online-Anzeigen könnte langsam vorüber sein.

Seit einiger Zeit schon gibt es Zweifel, weil Googles Werbeeinnahmen auf der Suchmaschinenseite und dem Youtube-Videokanal nachgelassen haben. Immer mehr Suchanfragen laufen über mobile Geräte. Und Werbeagenturen verlagern sich auf mobile Anzeigen, die nach Auskunft von Marketingfachleuten oft nicht einmal halb soviel kosten wie Online-Anzeigen auf dem klassischen Tischcomputer.

Aber neueste Zahlen zeigen, dass Googles Durststrecke langsam vorüber sein könnte, denn auch mobile Anzeigen steigen im Preis. Im vierten Quartal nahm der Umsatz– ohne die Beiträge der Handy-Sparte Motorola-Mobility – gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf 12,91 Milliarden US-Dollar zu. Damit ist das langsame Wachstum der früheren Quartale vorerst gestoppt.

Werbungen wurden 24 Prozent häufiger geklickt

Bemerkenswert auch: Der durchschnittliche Preis, den Anzeigenkunden für jeden Klick an Google zahlten, sank um 6 Prozent – nicht um 8 oder gar 12 Prozent, wie es Analysten erwartet hatten. Und Google machte den Rückgang wett, weil Werbungen auf seinen Seiten insgesamt um fast ein Viertel häufiger geklickt wurden.

Google-Chef Larry Page wollte keine Prognosen abgeben, wann wohl der Preis für Handyanzeigen dem der regulären Internetanzeigen entsprechen wird. Er glaube aber nicht, dass die Preiskluft ein „langfristiges Problem" darstelle, sagte er.

Das Quartalsergebnis – darunter auch ein Nettogewinnsprung um 6,7 Prozent – ließ Googles Aktienkurs nachbörslich um mehr als 5 Prozent auf 738,20 Dollar in die Höhe schnellen.

Ein Teil der guten Entwicklung in Googles Online-Anzeigensparte ist wohl auch auf die höheren Preise für Werbung auf Tabletcomputern zurückzuführen. Nach Angaben der digitalen Werbeagentur Resolution Media lagen die Preise für Suchmaschinen-Anzeigen auf Tablets im vierten Quartal leicht über denen von klassischen PCs, weil sich auf den Tablets erwiesenermaßen erfolgreicher werben lässt.

Analysten bleiben allerdings beunruhigt über Googles Abschneiden in margenärmeren Geschäftsfeldern, etwa der Handysparte Motorola Mobility. Nach dem Kauf des Unternehmens im vergangenen Jahr hat Google sich daran gemacht, Motorola zu verschlanken und auf Ertrag zu trimmen.

Nach wie vor Verluste bei Motorola

Am Dienstag meldete Google, dass Motorola im vierten Quartal einen operativen Verlust von 353 Millionen Dollar erwirtschaftet hat. Darin ist die Produktion so genannter Set-Top-Boxen nicht enthalten – Google hatte die ertragreiche Sparte Ende letzten Jahres für 2,35 Milliarden Dollar an den Konzern Arris Group verkauft. Im dritten Quartal lag der operative Verlust von Motorola noch bei 527 Millionen Dollar, inklusive der damals noch zugehörigen Set-Top-Box-Sparte.

Page erklärte im Analystengespräch am Dienstag, dass es ein „echtes Potenzial gibt", Motorola-Geräte zu verbessern, etwa bei der Lebensdauer von Batterien. Page ging indirekt auch auf Konkurrent Facebook ein, der in der vergangenen Woche eine neue Funktion namens Graph Search angekündigt hat – ein eigenes Suchprogramm für seine Nutzer. Page sagte, Google habe „riesige Investitionen" getätigt, um „verschiedene Arten von Daten zusammenzustellen" und betonte, wie sehr sich Googles Suchmaschine in den letzten Jahren schon verändert hat.

Erica Barth, Vizepräsidentin der Agentur Resolution Media, die Kunden beim Kauf von Anzeigenplätzen auf Google und auf Facebook hilft, äußerte sich verhalten zu Facebooks Konkurrenzkraft. Ihrer Ansicht nach könnte Facebooks Suchfunktion Nutzern helfen, Einkaufstipps von Freunden zu bekommen. Es bleibe aber abzuwarten, „ob die Art von Ergebnissen, die Facebook liefert, genauso allgegenwärtig werden wie die von Google".

Unter dem Strich erhöhte Google den Gewinn im vierten Quartal auf 2,89 Milliarden Dollar, was einem Plus von 6,7 Prozent entspricht. Der Umsatz belief sich insgesamt auf 14.42 Milliarden Dollar oder 36 Prozent mehr als im Vorjahr.

Googles Kassenvermögen aus Bargeld und verkaufsfähigen Wertpapieren lag Ende 2012 bei 48,1 Milliarden Dollar. Ende September lag es noch bei 45,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen hat auch weitere Mitarbeiter eingestellt. Seine Gesamtbelegschaft zählt nun 53.861 Köpfe, wobei es bei Motorola Stellen abbaut.

—Mitarbeit: Ben Fox Rubin

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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