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Schanghais höchster Wolkenkratzer feiert Richtfest

Die chinesische Wirtschaft dürfte ihre Schwächephase überwunden haben, wenn der 121 Stockwerke hohe Schanghai Tower – bald das höchste Gebäude Chinas – 2015 offiziell eröffnet wird. Das glaubt zumindest der Bauunternehmer.

Der 632 Meter hohe Wolkenkratzer im Herzen des Finanzdistrikts Lujiazui wird insgesamt eine Fläche von 576.000 Quadratmetern bieten, davon 220.000 Quadratmeter Bürofläche. Außerdem wird es in dem Gebäude Geschäfte, ein Luxushotel auf den obersten Etagen, ein Museum und neun Gärten geben.

„Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren mag sich die chinesische Wirtschaft abkühlen, doch verglichen mit anderen Volkswirtschaften wächst sie immer noch schnell", sagt Gu Jianping, Vorsitzender des Bauunternehmers Shanghai Towers Construction & Development Co. „Wir wollen das Gebäude 2015 in Betrieb nehmen und ich glaube, dass die Wirtschaft sich bis dahin erholt haben wird."

„2008 begannen wir mit dem Fundament, mitten im Abschwung. Das heißt, wir arbeiten gegen den Trend", sagt Gu kurz vor dem Richtfest am Samstag. Der Bau des Shanghai Tower ist zu 51 Prozent von Shanghai Chengtou finanziert, einer Investmentgruppe, hinter der die Kommunalverwaltung steht.

Die Baukosten des Projekts dürften insgesamt 10,3 Milliarden Yuan (1,27 Mrd. Euro) erreichen. Sie sind durch die Gelder der Anteilseigner und durch Bankkredite finanziert. Gu sagt, die Anteilseigner wollten keine Anteile an andere Investoren verkaufen, da sie dadurch einen Teil der Kontrolle über das Projekt verlieren würden. „Uns geht es finanziell gut, deshalb sagen wir dazu: nein danke", sagt Gu.

Manche Branchenanalysten fragen sich angesichts der sich abkühlenden Wirtschaft, ob es genug Nachfrage geben wird, wenn das Gebäude eröffnet wird. Die Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent, nach 7,7 Prozent im ersten Quartal. Ökonomen streichen allesamt ihre Prognosen zusammen – manche erwarten sogar, dass das Gesamtwachstum im Jahr nicht mehr das Regierungsziel von 7,5 Prozent erreichen kann.

Gleichzeitig schießen auch in anderen Teilen neue Wolkenkratzer aus dem Boden. Der Staatskonzern Greenland Holdings Group baut in Wuhan in Zentralchina ein 606 Meter hohes Gebäude, die Ping An Insurance Co. baut in der südlichen Stadt Shenzhen einen 660 Meter hohen Wolkenkratzer. In Changsha plant die Broad Group ein Projekt namens Sky City, das bis zu 838 Meter hoch werden könnte. Damit wäre es höher als das Burj Khalifa in Dubai, derzeit das höchste Gebäude der Welt.

Aufgrund des staatlich gesteuerten Kreditbooms im Jahr 2009 stürzten sich Bauunternehmen auf immer ehrgeizigere Projekte. Eine Konsequenz davon ist, dass vor allem in kleineren Städten viele Gebäude ganz oder teilweise leer stehen.

„China steckt in einer Phase, da Wolkenkratzer nicht nur wegen ihrer Hotel- und Büroflächen, sondern auch als Symbol für Wohlstand und Prestige gebaut werden", sagt Peter Duncan, Vorsitzender der Architektur- und Stadtplanungsfirma Hassell in Schanghai.

Pläne für prestigeträchtige Wolkenkratzer wie das Burj Khalifa in Dubai entstanden zu Boom-Zeiten, wurden jedoch inmitten der globalen Wirtschaftskrise fertiggestellt. Shanghai Tower Construction hofft, dass dieses Projekt einen anderen Weg einschlägt als viele andere Megatürme auf der Welt.

Gu sagt, das Gebäude sei auch umweltfreundlich gebaut: Es gebe ein System, das ein Viertel der Abwässer recycelt, und an den Decken würden bald energiesparende Lampen hängen. Die zweischichtige Fassade soll die Klimaanlagen entlasten. "Wenn die Sonne besonders sticht, werden automatisierte Jalousien ausgefahren, um das Gebäude kühl zu halten", sagt er.

Vor allem internationale Finanzkonzerne sollen sich in dem Gebäude einmieten. Es wird auch Handelsräume geben, um die Bedürfnisse von Banken zu decken, sagt Gu.

„Ich habe die Zentrale der Bank of America in New York besucht. Dort gibt es einen besonderen Raum für die Händler. Dadurch können sie neben dem traditionellen Bankgeschäft in Ruhe ihre Futures, Aktien und Fonds handeln", sagt er. Solche Flächen soll es daher auch im Shanghai Tower geben.

media.image["@src-id"]["@@text"] Mitarbeit: Yang Jie

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de