• The Wall Street Journal

Generationswechsel bei Samsung

    Von MIN-JEONG LEE
Associated Press

Jay. Y Lee, Sohn von Samsung-Chairman Lee Kun-hee, übernimmt die Position des Vize-Chairman und wird möglicherweise bald einen der weltgrößten Elektronikhersteller führen.

Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung läutet einen behutsamen Generationswechsel an seiner Spitze ein. Jay Y. Lee übernimmt die Position des Vize-Chairman und wird möglicherweise bald einen der weltgrößten Elektronikhersteller führen. Sein Vater Lee Kun-hee ist bereits 70 Jahre alt und möchte innerhalb der Familie mehr Verantwortung abgeben. Noch leitet er das Unternehmen.

Der 44-jährige Jay Lee amtierte vorher als Präsident bei Samsung und war für das operative Geschäft zuständig. Samsung wird noch immer von der Gründerfamilie Lee kontrolliert und ist das nach Marktkapitalisierung größte Unternehmen Südkoreas. Die Position des COO soll nicht neu besetzt werden, und die Kompetenzen von Lee bleiben im Großen und Ganzen die gleichen. Allerdings erhält er ein größeres Mitspracherecht bei entscheidenden strategischen Fragen.

Lee ist das internationale Gesicht von Samsung. Der Manager brachte häufig Abkommen mit anderen Unternehmen - wie etwa Apple - unter Dach und Fach. Er orchestrierte Partnerschaften mit globalen Marktführern, indem er strategische Allianzen schloss. Mit Schlüsselkunden wie Sony, Apple und Hewlett-Packard schmiedete er Deals.

Die Beförderung wird das Profil von Lee weiter schärfen und den Bekanntheitsgrad erhöhen. Die Familie Lee steht als Südkoreas reichste andauernd im Rampenlicht. Lee schaffte es bisher vielfach, sich dem öffentlichen Rummel zu entziehen. Und das, obwohl er in der globalen Technologiebranche sehr bekannt ist und sogar die Beerdigung von Apple-Gründer Steve Jobs besuchte. Seine öffentliche Zurückhaltung geschah auch mit Rücksicht auf seinen Vater.

Lee rückt zu einer Zeit auf, in der Südkoreas familienkontrollierte Konglomerate immer mehr in die Kritik durch die Politik geraten. Der Vorwurf: Die sogenannten Chaebols dominierten die Wirtschaft zu sehr. Mit diesem Thema wird sich Lee verstärkt zu beschäftigen haben.

Innerhalb der vergangenen drei Jahre avancierte Samsung von einem Zulieferer von Computerchips und Bildschirmen an westliche Konkurrenten wie Apple und HP zu einem sehr ernstzunehmenden "Global Player", der beim boomenden Geschäft mit Smartphones und Tablet-PCs ganz vorne mitmischt. Samsung ist bei Chips, Flüssigkristallanzeigen (LCD), Smartphones und Fernsehgeräte der weltgrößte Hersteller. Im dritten Quartal erzielte der Konzern einen Nettogewinn von rund 6 Milliarden US-Dollar. Der Aktienkurs notiert nahe seinem Allzeithoch bei gut 1,34 Dollar und damit einer Marktkapitalisierung von 198 Milliarden Dollar.

Samsungs verblüffender Erfolg mit Smartphones rief die Konkurrenz auf den Plan. Apple - gleichzeitig einer der größten Kunden der Südkoreaner - überzog Samsung mit Patentklagen rund um den Globus. Vor einem US-Gericht erlitt Samsung im August eine schwere Niederlage. Die Jury sprach Apple mehr als 1 Milliarde Dollar Schadenersatz zu. Samsung wehrt sich gegen die Entscheidung und fertigte Gegenklagen an.

"Wichtige Beiträge zum Wachstum"

"Die Beförderung von Jay Y. Lee erkennt seine überragenden Leistungen an. Dazu zählen wichtige Beiträge zum beispiellosen Wachstum der Smartphone- und TV-Sparten von Samsung. Er half auch beim rapiden Wertzuwachs der Samsung-Marke - trotz eines schwierigen Marktumfelds", erklärte der Elektronikkonzern.

Lee hat internationale Erfahrung gesammelt. Er erhielt einen MBA der japanischen Keio-Universität und besuchte die Harvard Business School. In seiner Heimat absolvierte er die renommierte Seoul National University. Bereits 1991 begann er bei Samsung und zeichnete sich ab Dezember 2009 mit 41 Jahren für das operative Geschäft verantwortlich. Er arbeitete unter einem der erfolgreichsten Manager des Konzerns, dem legendären Geesung Choi.

"Samsung ist sehr erfolgreich als 'schneller Nachzügler' in der Branche. Als eines der Top-Unternehmen braucht es jetzt einen neuen Wachstumsmotor", sagte Analyst Lee Seung-woo von IBK Securities. Lee werde die Aufgabe haben, die Marktposition zu konsolidieren und in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Im Jahr 2008 wurde der ältere Lee wegen Untreue verurteilt, da er Aktien in einigen Samsung-Unternehmen einbehalten hatte und teilweise Steuerzahlungen umging. Er überlebte eine Lungenkrebserkrankung und war in Gerichtsprozesse mit seinem älteren Bruder und seiner Schwester verstrickt, die beide ein größeres Stück vom Kuchen des Familienvermögens wollten. Den Posten des Chairman gab er ursprünglich bereits im April 2008 ab und hörte mit der täglichen Arbeit auf. Im Jahr 2010 kehrte er jedoch als Chairman wieder zurück. Mit seinen 70 Jahren ist er immer noch der größte Anteilseigner der meisten Samsung-Firmen. Da in der südkoreanischen Tradition Familienpatriarchen niemals wirklich in Rente gehen, dürfte er noch lange enormen Einfluss ausüben.

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