• The Wall Street Journal

Googles Chef-Erklärer rätselt über Apple

    Von JESSICA E.

An Gegnern mangelt es Google nicht. Diese reichen von Apple bis zu Internet-Unternehmen, die dem Konzern vorwerfen, seine Suchergebnisse zu manipulieren. Umso wichtiger ist in diesen Tagen die Rolle von Eric Schmidt, der für den Suchmaschinenriesen als Friedensstifter und Chef-Erklärer unterwegs ist.

Vergangene Woche traf sich der ehemalige Vorstandschef und heutige Verwaltungsratschef von Google in Washington mit Abgeordneten. Hintergrund sind die Ermittlungen der Federal Trade Commission. Offenbar steht die Handelskomission vor einer Entscheidung darüber, ob sie ein Kartellverfahren gegen Google anstrengt oder nicht. Im September war Schmidt in Südkorea, wo er ein neues Tablet vorstellte und Vertreter des Android-Partners Samsung Electronics traf. Auf der Reise legte er einen Zwischenstop ein, um mit PSY zu tanzen, dem südkoreanischen Rapper, dessen "Gangnam Style" das meistgesehene Youtube-Video aller Zeiten ist.

Bloomberg News

Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt: "Google ist mein Zuhause."

Google drängt seit einiger Zeit stärker in das Geschäft mit Hardware für sein Android-Betriebssystem, weil sich das Wachstum im Bereich Online-Werbung verlangsamt. Im dritten Quartal liefen 75 Prozent aller ausgelieferten Smartphones auf Android, zeigen Daten von IDC. Mit dem Kauf des Hardware-Riesen Motorola Mobility, für den Google im Mai 12,5 Milliarden Dollar zahlte, hat das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View seinem einstigen Partner Apple den Kampf angesagt. Der Hersteller des iPhone hat zahllose Klagen gegen Hersteller von Android-Geräten eingereicht. Apple wirft ihnen vor, beim Design der Smartphones abgekupfert zu haben.

Im Interview mit dem Wall Street Journal sprach der 57-jährige Schmidt über das drohende Kartellverfahren, die Rivalität zwischen Google und Apple und einen möglichen Job für ihn in der Regierung.

Herr Schmidt, wie hoch schätzen Sie die Gefahr eines Kartellverfahrens ein?

Ich weiß es nicht. Wir befinden uns in andauernden Gesprächen sowohl mit den Europäern als auch mit der Federal Trade Commission. Es ist Zeit, dass sie zu einem Beschluss kommen, in die eine Richtung oder die andere. Es ist ja nicht so, als hätten sie nicht Millionen Dokumente vorliegen. Ich bleibe aber optimistisch.

Sehen Sie in Google, Apple, Amazon und Facebook immer noch die "Viererbande", die in der Konsumenten-Technologie das Maß aller Dinge sind?

Ja. Nie zuvor haben wir in unserem Sektor vier Netzwerk-Plattformen dieser Größe gesehen. Es gab IBM und es gab Microsoft . Aber jetzt sind da vier und der daraus resultierende Wettbewerb bedeutet einen riesigen Wandel für die Branche.

Wie hat sich das Verhältnis von Google und Apple in den vergangenen Jahren verändert?

Mal mag man sich, mal nicht. Natürlich hätten wir es lieber gesehen, wenn sie unsere Karten verwendet hätten. Und sie haben Youtube vom Startbildschirm [von iPhones und iPads] genommen. Ich bin nicht ganz sicher, warum sie das getan haben. Die Presse würde gerne die Geschichte eines Wettbewerbs wie zwischen Teenagern schreiben, nach der Devise „Ich habe eine Waffe, Du hast eine Waffe, wer schießt als erstes?" Der erwachsene Weg, ein Unternehmen zu führen, ist aber, es wie einen Staat zu leiten. Es gibt zwar Streitigkeiten, aber sie haben es trotzdem geschafft, massig Handel miteinander zu betreiben. Sie schicken einander keine Bomben. Ich denke, sowohl Tim [Cook, Chef von Apple] als auch Larry [Page, Chef von Google] verstehen dieses Staatenmodell. Wenn sie und ihre Teams sich treffen, haben sie eine lange Liste an Themen, über die sie reden.

Sprechen Apple und Google auch über einen Vergleich in Sachen Patente?

Apple und Google sind sich der juristischen Strategien des jeweils anderen sehr bewusst. Diese sind auch Teil der Gespräche, die man führt. Es ist schon extreme merkwürdig, dass sich Apple entschieden hat, Googles Partner zu verklagen, Google selbst aber nicht.

Wann werden wir das Endspiel in dieser Prozessschlacht um Patente sehen?

Es wird noch eine Weile dauern. Google geht es gut, Apple geht es gut. Aber ich kann ihnen sagen, wer der Verlierer ist. Stellen sie sich einen jungen Andy Rubin [Co-Gründer von Android] vor, der an einer neuen Version von Danger arbeitet [Danger ist das Smartphone-Unternehmen, das Rubin vor Android mitgegründet hat]. Wie soll er oder sie an die nötigen Patente kommen, um Version eins dieses Produkts an den Markt zu bringen? Das ist die wahre Konsequenz des Ganzen.

Denkt Google über einen eigenen Mobilfunkprovider nach?

Ich bin sicher, dass wir darüber reden werden, aber im Moment haben wir mit dem Internet genug zu tun. Die Sache in Kansas City [wo Google ein Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz errichtet] ist ungemein spannend, und darauf legen wir unseren Fokus. Es gibt tatsächlich einen Mangel an Bandbreite [in der Mobilfunkbranche], aber dieser ist künstlich erzeugt durch Fehler bei der Lizenzierung und in der Regulierung. Es gibt neue Technologien, die ein großes Maß an zusätzlicher Bandbreite ermöglicht, weit mehr, als man nutzen könnte.

Ungeachtet des Wachstums von Android beschweren sich App-Entwickler darüber, dass sie für verschiedene Android-Geräte verschiedene Versionen entwickeln müssen. Warum ist das so?

Weil einige Smartphones spät dran sind. Wenn jeder [die Version] 4.0 oder 4.1 nutzt, sind sie tatsächlich kompatibel.

Finanziell lohnt es sich für Entwickler derzeit mehr, Apple Apps zu entwerfen als Apps für Android…

Google Play [Googles App Store] und seine Monetarisierung sind erst im vergangenen Jahr richtig gestartet, vielleicht auch erst in den letzten sechs Monaten. Der Umsatz ist unbestreitbar und mit dem Umsatz ergeben sich Möglichkeiten.

Was antwortet Google Hardware-Partnern, die fürchten, dass Sie ihnen jetzt Konkurrenz machen?

Dass das einerseits stimmt, andererseits aber auch nicht. Als wir Motorola gekauft haben, bin ich persönlich zu Samsung geflogen, unser nach Umsatz wichtigster Partner bei Android. Ich habe ihnen erzählt, dass das [Android-] Ökosystem als Ganzes um jeden Preis hochgehalten werden muss… Wir können nicht die Produkte von Motorola auf Kosten von Samsung übermäßig bevorzugen. Wenn es unfair wirkt und daraufhin das Ökosystem zerfasert, wäre das ein schrecklicher Fehler.

Was halten Sie vom neuen Microsoft-Betriebssystem Windows 8 und von Windows Phone 8?

Ich habe es noch nicht benutzt, aber ich denke, dass sich Microsoft mit seinen neuen Modellen noch nicht als Trendsetter erwiesen hat.

Es gibt immer wieder Spekulationen, dass man Ihnen einen Posten in der Regierung anbieten könnte. Haben Sie Interesse?

Ich habe es letztes Mal gesagt und ich sage es wieder: Google ist mein Zuhause. Ich habe kein Interesse daran, für die US-Bundesregierung zu arbeiten.

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