• The Wall Street Journal

iTunes 11: Apple macht vieles besser

    Von WALTER S. MOSSBERG

The new iTunes 11 is the most radical change to Apple's media management software since 2003. As Walt Mossberg tells us, the new interface is excellent as long as you are ok with reacquainting yourself to it and don't miss several cancelled features.

iTunes von Apple ist das weltweit populärste Programm für die Organisation, das Abspielen und den Kauf von Musik, Fernsehserien und Filmen. Das US-Unternehmen schätzt, dass Hunderte Millionen Nutzer das Programm auf ihren Laptops, PCs und Mac-Computern nutzen. Jetzt hat Apple der App das umfangreichste Update seit 2003 verpasst. Damals hatte man das Programm, das ursprünglich als Musikbox für Macs auf den Markt kam, auch für Windows-Computer vorgestellt und den eingebauten iTunes-Store präsentiert.

Aussehen, Nutzergefühl, Geschwindigkeit und die Funktionen wurden für iTunes 11 erheblich überarbeitet und verbessert. Das war auch dringend nötig. Schließlich stand das Programm in den vergangenen Jahren in dem Ruf, überladen, fehlerbehaftet und schwerfällig zu sein, weil immer neue Features hinzugefügt wurden.

Nicht alle Nutzer werden mit iTunes 11 glücklich sein. Einige Dinge, die über die Jahre normal geworden waren, haben sich verändert. Bestimmte Funktionen sind komplett verschwunden - um Platz zu schaffen und um alles einfacher zu machen. Menschen, die das Programm vor allem zur Organisation ihrer Musik und nicht für den Einkauf bei Apple nutzen, werden nun häufiger angeregt, doch einmal den iTunes-Store zu besuchen. Und natürlich gibt es auch einige Mängel, die Apple jedoch schnell beheben will – heißt es zumindest.

Apple

Eine neue Funktion von iTunes 11 ist die erweiterte Ansicht. Wenn man ein bestimmtes Album auswählt, öffnet sich darunter nun ein Reiter in der Hintergrundfarbe des Albumcovers. Dort werden neben dem Cover auch alle Titel angezeigt, die sich auf der CD befinden.

Zusammenfassend muss ich sagen: Mir gefällt iTunes 11 sehr gut. Das Programm ist nun heller und farbiger gestaltet, die Suche funktioniert schneller und es wurden clevere und interessante neue Funktionen integriert. Das Zusammenspiel zwischen der Musik, die auf der Festplatte lagert, und Apples Online-Speicher iCloud wurde ausgebaut. Das Streamen aus der Wolke geht nun leichter von der Hand. Auch der Store – der digitale Einkaufsladen – wurde überarbeitet. Er ist jetzt sauberer, aufgeräumter und leichter zu nutzen.

Ich habe iTunes 11 auf vier Computern getestet: auf zwei Laptops mit Windows 7 und Windows 8 sowie zwei Macs, einem älteren iMac und einen neuen MacBook Air. Auf allen Geräten lief die Software problemlos. Sie stürzte nie ab und auch Musik und Videos wurden ohne Murren abgespielt – sowohl auf der Festplatte als auch die in der Cloud.

Ich habe mehrere Videos und Musiktitel gekauft, die innerhalb kürzester Zeit auf allen vier Computern ebenso verfügbar waren wie auf einem iPhone und einem iPad. Die Synchronisation mit iPhone und iPad funktionierte ebenfalls ohne Probleme. Sogar ein alter iPod wurde erkannt.

Es gibt mehrere kleinere Änderungen am Programm, doch ein paar stechen besonders heraus.

Seitenleiste nur noch als Option

Die größte Veränderung dürfte sein, dass bei iTunes 11 in der Standardeinstellung keine lange Seitenleiste mehr vorhanden ist. Mit dieser kann der Nutzer zwischen unterschiedlichen Medientypen wie Musik, Podcasts, Filmen und Fernsehserien hin und her wechseln. Neuerdings wählt er diese über ein Drop-Down-Menü aus. Wenn man sich für eine Option entscheidet, werden am oberen Ende des iTunes-Fensters mehrere Auswahlmöglichkeiten angezeigt. Im Musik-Modus werden zum Beispiel Titel, Alben, Interpreten, Genres, Videos, Wiedergabelisten und Radio angeboten. Wenn man sich für eine dieser Möglichkeiten entscheidet, wechselt augenblicklich die Hauptansicht in das entsprechende Format. Über die Option Darstellung in den Einstellungen lässt sich die Seitenleiste aber wieder herstellen.

Wer den iTunes-Store öffnen möchte, der gelangt über einen kleinen Button oben rechts dort hin. Zurück geht es genauso. Wer jedoch lieber wieder die alte Seitenleiste zurückhaben möchte, kann auch dies tun und damit die neuen Klickflächen wieder entfernen. Diese Option findet man unter den Einstellungen.

Erweiterte Ansicht

Mein persönlicher Favorit beim neuen iTunes ist die Funktion „Erweiterte Ansicht". Wenn man ein bestimmtes Album auswählt, öffnet sich darunter jetzt ein Reiter in der Hintergrundfarbe des Albumcovers. Dort werden neben dem Cover auch alle Titel angezeigt, die sich auf der CD befinden.

Diese erweiterte Ansicht funktioniert auch bei Serien und Filmen. Hier werden weitere Informationen angezeigt und bei Serien eine Liste zugehöriger Episoden.

Über einen kleinen Pfeil neben jedem Titel lassen sich bestimmte Funktionen ausführen. Ein Lied kann zu einer bestimmten Wiedergabeliste hinzugefügt werden, man kann den Titel im iTunes Store aufrufen oder die Seite des Künstlers in der Bibliothek anzeigen.

Nächste Titel

Ein weiteres nettes Feature ist „Nächste Titel". Es ersetzt die Funktion DJ und ist eigentlich eine Liste mit Titeln. Das Lied, das als nächstes gespielt wird, steht dabei ganz oben. Man kann auch sehen, welche Stücke man zuletzt gehört hat. Wer möchte, kann jeden Titel in der Liste aber auch sofort spielen.

Streaming

Viele Jahre lang war iTunes vor allem auf das Herunterladen von Medien ausgerichtet. Das Streamen aus der Cloud hat erst in den vergangenen Monaten Einzug gehalten. Bei iTunes 11 ist Apple nun jedoch noch einen Schritt weitergegangen. Der iCloud-Dienst des Unternehmens, der Musik und Videos speichert, die man im iTunes Store gekauft hat, wurde besser integriert. Wer iTunes Match nutzt, kann außerdem alle Lieder – ganz egal, ob bei Apple gekauft oder nicht – in der Wolke ablegen.

Wie bereits bei iTunes 10 zeigt ein kleines Wolkensymbol neben den Titeln an, ob ein Film, eine TV-Serie oder ein Lied auf der Festplatte gespeichert ist oder in der Wolke liegt. Und wie zuvor kann man über einen Klick auf die Wolke einen Titel herunterladen. Neu ist jedoch, dass man Lieder, Filme und Serien jetzt auch streamen kann, ohne sie vorher herunterladen zu müssen. Das war zuvor nur für zahlende Kunden mit iTunes-Match-Abo möglich – und auch nur für Lieder.

Der MiniPlayer

Natürlich hatte iTunes schon länger eine MiniPlayer-Option, bei der das Hauptfenster verschwindet und nur ein kleiner Player übrig bleibt, der sich besser in die anderen Fenster einfügt, die man sowieso geöffnet hat. Neu hinzugekommen zu den grundlegenden Bedienfunktionen ist die Möglichkeit, nach Titeln zu suchen. Außerdem lässt sich die Option „Nächste Titel" nun auch im Miniformat einsetzen.

Nicht so gelungen

Fans von iTunes werden vermutlich ein paar Mängel feststellen. Das lange beworbene Cover Flow, ein Karussell aus Albumcovern, ist verschwunden. Apple erklärte, zu wenige Nutzer hätten es eingesetzt. Auch die Funktion, doppelte Einträge zu finden, ist nicht mehr da. Sie soll aber schon mit einem kleinen Update nachgereicht werden.

Bei meinen Tests fehlten in der Übersicht auch einige Albumcover. Apple teilte mit, es handele sich dabei um einen kleinen Bug, den man jedoch bereits erfolgreich analysiert habe und der schon bald behoben sein soll. Ebenfalls gelöst werden soll schon bald ein Problem, dass Besitzer eines Apple TV drahtlos keine Filme und Serien aus iCloud auf ihre Fernsehgeräte streamen können.

Außerdem ist es nicht möglich, Informationen zu Musikern und Darstellern innerhalb der iTunes-Bibliothek anzuzeigen. Dafür muss man erst den Store besuchen. Ich würde mir wünschen, dass das auch einfacher möglich wäre. Apple erklärte jedoch, man habe keine entsprechenden Pläne.

Fazit

Apple hat iTunes besser und schneller gemacht. Auch langjährige Nutzer dürften von den neuen Funktionen profitieren – solange sie bereit sind, ein wenig Zeit zu investieren, um sich daran zu gewöhnen.

Anmerkung vom 10. Dezember 2012: In einer früheren Version des Artikels haben wir geschrieben, die Seitenleiste zum Auswählen der verschiedenen Medientypen sei verschwunden. Sie lässt sich aber über die Optionen wieder aktivieren.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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