• The Wall Street Journal

Ratingagentur S&P sieht "massive Schwächen" bei Basel III

    Von MADELEINE NISSEN

Das Regelwerk Basel III für Banken hat nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's „massive Schwächen". Kurz vor der geplanten schrittweisen Einführung des Regelwerkes sagte Managing Director Stefan Best: "Einer der größten Schwachpunkte ist sicherlich, den Banken zu erlauben, ihren eigenen Kapitalbedarf zu berechnen."

Best nannte dies im Gespräch mit dem Wall Street Journal Deutschland „einen klaren Interessenkonflikt." Vielmehr müssten die Regulierer selbst in die Lage versetzt werden, den Bedarf der Banken zu berechnen.

Auch das werde nicht einfach zu machen sein. „Es ist sehr schwierig für die Regulatoren, die hochkomplexen Modelle der Banken zu durchschauen und zu prüfen", erklärte Best. „Insgesamt müsste der Ansatz zur Berechnung des Kapitalbedarfs einfacher gestaltet werden", kritisierte der Ratingexperte.

Best hinterfragt, ob tatsächlich, wie von den Banken behauptet, Diversifizierungseffekte oder historische Daten bei der Ermittlung des Kapitalbedarfs eingerechnet werden müssten. Entscheidender sind aus seiner Sicht Faktoren wie wirtschaftliche Stärke des Heimatlandes. So müssten Kredite in Deutschland mit weniger Eigenkapital gesichert werden als in Krisenländern, erklärte Best.

Für die jüngst geäußerte Kritik aus den USA an Basel III äußerte er Verständnis. Dies sei nicht gleichzusetzen mit der Ablehnung schärferer Kapitalvorschriften an sich, erklärte Best. Vielmehr hätten die US-Regulatoren andere wirksame Wege im Kopf, die Banken krisenfest zu machen - wie etwa das Finanzmarktgesetz „Dodd-Frank Act" oder die Volcker-Regel, die den Eigenhandel der Banken vom Kundengeschäft trennen will.  

Jüngste Forderungen aus den USA, Basel III nicht einzuführen, hatten in Europa einen Proteststurm ausgelöst und zu wechselseitigen Drohungen geführt. Während die Bundesbank die Regeln für US-Institute in Europa verschärfen will, wollen die Aufseher in den USA nun ihrerseits genauer prüfen, ob Institute wie die Deutsche Bank bestehende Regeln durch eine geschickte Umsetzung möglicherweise unterlaufen.

Die europäischen Banken sind zudem in Sorge, Wettbewerbsnachteile zu erleiden, sollten die USA Basel III genauso nachlässig umsetzen wie die beiden Vorgängerregelwerke.

Auch hier hält Best dagegen. „Wettbewerbsvorteile sehe ich nur, wenn die US-Banken schlechter kapitalisiert Geschäfte machen würden", erklärte er. „Das sehe ich aber nicht. Die jüngsten Studien haben gezeigt, dass sie besser als die europäischen Banken kapitalisiert sind." In der Tat zeigt ein Report der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde tendenziell niedrigere Kapitalquoten der europäischen Institute im Vergleich zu den Banken in den USA und Asien.

Eine Verzögerung der Vorschriften hätte aus Sicht von Best keine Folgen für die Institute: „Der Markt erwartet jetzt schon die Erfüllung der Kapitalanforderungen."

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

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