• The Wall Street Journal

Kampf der Geschlechter im Flugzeug

    Von SCOTT MCCARTNEY
Getty Images

Männer wollen so schnell wie möglich den Flughafen verlassen, Frauen sind da geduldiger. Zu sehen: Schlangestehen fürs Boarding im Flughafen La Guardia in New York.

Frauen sitzen im Flugzeug lieber am Fenster, Männer lieber am Gang. Frauen geben Koffer lieber auf, Männer verstauen ihre Taschen lieber im Gepäckfach über den Sitzen. Frauen machen sich auf dem Sitz eher schmal, um den Kontakt mit Fremden zu vermeiden. Männer breiten sich aus und okkupieren die Armlehne. Die Liste lässt sich unendlich fortsetzen – und die unterschiedlichen Reisegewohnheiten von Frauen und Männern sind eine Herausforderung für Airlines und Hotels, die es allen Kunden recht machen wollen. Vor allem, da der Anteil der Frauen unter den Geschäftsreisenden steigt.

Derzeit gibt es zwar immer noch mehr Männer als Frauen unter Vielfliegern; so schätzen US Airways und Delta Air Lines, dass ihre Kunden zu 54 bis 56 Prozent männlich sind. Bei der Fluglinie Virgin America sind 52 Prozent der Passagiere männlich.

Doch das könnte sich bald ändern. 55 Prozent der Kunden im Vielfliegerprogramm von American Airlines sind zwar männlich, doch Frauen bilden die Mehrheit der Passagiere unter 30.

Seit der Anteil der Frauen unter den Geschäftsreisenden steigt, werden die unterschiedlichen Ansprüche der Geschlechter immer deutlicher. Das zeigen Daten von Fluggesellschaften sowie Befragungen des Bordpersonals und von Vielfliegern.

Laut Airlines mit Bordunterhaltung - zum Beispiel Virgin America - sehen Frauen lieber Filme, während sich Männer eher Nachrichten und Sportberichte anhören. Frauen benutzen auch öfter die Decken im Flugzeug als Männer, berichten Fluggesellschaften.

Auch Hotels stellen um

Weibliche Fluggäste bevorzugen laut einer Studie von Delta Airlines über die Essgewohnheiten an Bord eher Chefsalat und Tapas – leichte Kost. Jetzt zieht die Airline eine Änderung der in der Luft angebotenen Speisen in Erwägung. Seit Frauen öfter die Flughafenclubs der Airlines besuchen, legt Delta zusätzlich zu anderen Zeitungen Wohn- und Gartenmagazine aus.

Die Hotelkette Hyatt hat „Zimmerlabore" entwickelt, wo die Gewohnheiten der Hotelkunden erforscht werden sollen. Dabei kristallisierten sich interessante Unterschiede zwischen den Geschlechtern heraus: So lesen Frauen lieber im Bett, während Männer lieber im Sitzen lesen. Also hat Hyatt neben den Betten mehr Steckdosen für E-Reader und Tablet-Computer installiert.

Die Hotelkette hat neue Kosmetikprodukte eingeführt, die Frauen bei einem weltweiten Test bevorzugten. „Wenn ich einige Kosmetikprodukte zu Hause lassen kann, kann ich sparsamer packen und womöglich meinen Koffer im Flieger behalten, anstatt ihn aufzugeben", sagt Sara Kearney, Senior Vice President für Marken bei Hyatt.

Laut Daten der Fluglinie US Airways sitzen zwei von drei Männern lieber am Gang als am Fenster, während Frauen lieber am Fenster sitzen. Doch die Sitzverteilung kann gelegentlich zu Konflikten zwischen den Geschlechtern führen.

Curt Borchardt und Jenny Church, zwei Rentner aus dem kalifornischen San Luis Obispo, sitzen beide am liebsten am Fenster. Doch Church sitzt meistens auf dem Mittelsitz, da ihr Mann größer ist und sich in der Mitte eingeengt fühlt. Er streckt seine Beine sogar ihn ihren Fußraum hinüber. Also hat Church irgendwann angefangen, zwei Fensterplätze in aufeinanderfolgenden Reihen zu buchen. „Ich sitze nicht gerne in der Mitte", sagt Church.

Männer beschweren sich oft, dass Frauen zu viel einpacken und daher ihre Koffer aufgeben müssten. Dadurch riskieren sie Verzögerungen, zudem kann das Gepäck verloren gehen. Viele Frauen beschweren sich hingegen bei der Flugsicherheitsbehörde über die Begrenzungen für Flüssigkeiten, die sie mit an Bord nehmen dürfen. Oft müssen sie wegen ihrer flüssigen Kosmetikartikel ihre Koffer aufgeben.

Eine häufige Beschwerde von häufig fliegenden Frauen ist, dass Männer oft davon ausgehen, dass die Frauen weder Vielfliegerstatus noch ein Erste-Klasse-Ticket haben. Diese Passagiere dürfen als erstes an Bord. Bei einer Umfrage gaben mehrere Frauen an, bei vergangenen Reisen hätten sich Männer vor sie gedrängt oder sie zur Seite geschoben. „Ich werde öfters aus dem Weg gedrängt. Die Leute glauben einfach nicht, dass ich dahin gehöre", sagt Christy Lipschultz, Projektmanagerin bei einer Finanzdienstleistungsfirma in Chicago. Dieses Jahr hat sie bei American Airlines und United Airlines schon 200.000 Flugmeilen gesammelt.

Video auf WSJ.com

On airplanes, women like to shrink and curl up in their seats to avoid contact with strangers, while men spread, hogging the armrests. Men carry on less, women are calmer when flight plans go awry. Scott McCartney on Lunch Break looks at gender differences on the plane.

Im Flieger gehen die Konflikte weiter. Bei Interviews an Flughäfen sagten Frauen, dass Männer oft die Armlehnen in Anspruch nehmen, selbst wenn sie am Rand sitzen. Außerdem sagten sie, dass Männer sich zu sehr im Fußraum ausbreiten. Ein Trick: Die eingeengte Frau sollte einfach etwas fallenlassen, sodass der Mann Platz machen muss, wenn sie es aufhebt.

Anne-Marie Maguire, eine Beraterin aus Cambridge (Massachusetts), bucht für ihren langbeinigen Mann und sich am liebsten zwei Sitze auf beiden Seiten des Gangs. „Soll er doch den Fußraum von jemand anderem beanspruchen", sagt sie.

Doch Frauen haben beim Reisen auch Vorteile, glauben einige Männer. Egbert Simons, der oft als Weinberater durch die Welt reist, sagt, seine Freundin könne problemlos von der Touristen- und die erste Klasse gehen, um dort die Toiletten zu nutzen. „Wenn ich das versuche, führen sie mich in Handschellen ab."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Berliner Gründer

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 23. Juli

    Sommerlaune in Schanghai, Pappmänner in Peru, Durchhalteparolen bei der Tour de France und ein Seiltänzer über den Dächern von Bangkok - schauen Sie sich unsere Fotos des Tages an!

  • [image]

    Einmal zum Mond und zurück

    Am 20. Juli 1969 gewannen die USA das Wettrennen zum Mond gegen die Sowjetunion. Die US-Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin setzten als erste Menschen einen Fuß auf den Mond. Ein Rückblick in Bildern.

  • [image]

    Die Chinesen lieben das Nickerchen im Möbelhaus

    Chinesen mögen es, an merkwürdigen Plätzen ein Schläfchen zu machen. Neu ist dieses Phänomen nicht. Ein Fotograf hat sich nun aber erstmals auf die Lauer gelegt und das seltsame Verhalten bei Ikea in Peking dokumentiert.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.

Erwähnte Unternehmen