• The Wall Street Journal

Telekom kappt Dividende auf 50 Cent

    Von ARCHIBALD PREUSCHAT

Dividende runter, Investitionen hoch: so will Rene Obermann die Deutsche Telekom wieder zu Wachstum führen. 2014 soll es wieder aufwärts gehen. Bis es soweit ist, muss der DAX-Konzern aber erst einmal tief ins Portemonnaie greifen, nicht zuletzt auch um einen Apple-Deal zu finanzieren, der im kommenden Jahr das schwächelnde US-Geschäft wieder auf die Spur bringen soll. Deshalb wird der freie Cashflow 2013 eine Milliarde Euro niedriger ausfallen als noch im laufenden Jahr.

Deutschland und die USA, wo sich T-Mobile mit dem kleineren Mitbewerber MetroPCS verschmelzen will, sind die Hauptinvestitionsziele des ehemaligen Staatsunternehmens.

In Deutschland soll das Glasfasernetz ausgebaut werden und bestehende Leitungen mittels Vectoring leistungsfähiger werden, um den Kabelnetzbetreibern, die der Telekom noch Kunden abjagen, die Stirn bieten zu können. Auch der Ausbau der neuen, schnellen LTE-Mobilfunknetze kostet. Im Heimatmarkt werden die Investitionen in den kommenden Jahren zwischen einer halben und einer Milliarde Euro höher liegen als bislang. In den USA werden der Deal mit Apple und der Netzausbau Geld verschlingen. Im kommenden Jahr sollen die Investitionen dort um zwei Milliarden Dollar steigen.

dapd

Rene Obermann, Vorstandsvorsitzender der Telekom - er hat die Dividende der Aktie um knapp ein Drittel zusammengestrichen.

Was genau die Deutsche Telekom mit Apple macht, darüber haben sich Obermann und sein US-Statthalter John Legere nur in Rätseln ausgelassen. "Anders und einzigartig werden die Produkte sein," meinte Legere auf dem Investorentag in der Bonner Firmenzentrale. Einzelheiten werden erst kurz vor Verkaufsstart bekannt gegeben, und der wird noch ein paar Monate auf sich warten lassen, ließ der T-Mobile-USA-Boss die Investoren wissen. Bei Telekom-Chef Obermann machte sich gleichwohl Erleichterung breit und das zurecht, liefen T-Mobile USA doch Quartal für Quartal die wertvollen Vertragskunden zu Hunderttausenden weg, weil es das iPhone eben nicht gab. "Wir haben endlich ein Abkommen mit Apple geschlossen," sagte er.

Konzernweit wird die Telekom 2013 knapp 10 Milliarden Euro investieren, nach 8,3 Milliarden Euro in diesem Jahr. Da ist die bisherige Ausschüttungspolitik nicht mehr haltbar. Wird's für dieses Jahr noch 0,70 Euro Dividende pro Aktie geben, können die Aktionäre für die beiden kommenden Jahre nur noch mit 0,50 Euro rechnen.

Auch die europäischen Wettbewerber stutzen angesichts sinkender Cashflows und höherer Investitionstätigkeit die Dividenden.

Telekom Austria hat's vorgemacht

Vor der Deutschen Telekom hat auch schon die Telekom Austria reagiert und ihre Dividende wegen des Wettbewerbsdrucks massiv zusammengestrichen. Ihre Aktionäre erhalten für das laufende Jahr nur noch 5 Cent je Aktie - für 2011 hatten sie noch 38 Cent Dividende bekommen. Die France Telecom hat ihre Ausschüttung um rund zwei Fünftel gekürzt, die spanische Telefonica hatte sie zuletzt sogar ganz ausgesetzt.

Europäische Telekomunternehmen müssen sich nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's auch im kommenden Jahr auf ein schwieriges Umfeld einstellen. Die schwache Wirtschaftslage und der aggressive Preiskampf werden sich fortsetzen und die Branchenumsätze in Europa dürften 2013 um bis zu zwei Prozent sinken, schrieb Moody's Investors Service Ende November in einer Studie.

Auch die Telekom geht davon aus, dass es erst 2014 wieder aufwärts geht: Dann soll das operative Ergebnis höher ausfallen als 2013, ein Jahr in dem es im Jahresvergleich weiter bergab gehen soll mit der Kennziffer. Umsätze in Deutschland sollen sich dann stabilisieren, in Europa will der Telekomkonzern zu organischem Wachstum zurückkehren, ebenso im US-Geschäft.

Der freie Cashflow wird den Erwartungen der Telekom zufolge 2015 wieder das 6-Milliarden Euro-Niveau von 2012 erreichen.

Kontakt zum Autor: archibald.preuschat@dowjones.com

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