• The Wall Street Journal

Südeuropas Banken kaufen wieder Staatsanleihen

    Von GEOFFREY T. SMITH und HANS BENTZIEN
Agence France-Presse/Getty Images

Spanische und italienische Banken haben ihr Engagement in Staatsanleihen zu Jahresbeginn deutlich erhöht, nachdem sie in den beiden Vormonat als Nettoverkäufer dieser Papiere in Erscheinung getreten waren. Damit hat sich die als Stabilitätsrisiko eingestufte Verbindung hoch verschuldeter Staaten und teilweise schwach kapitalisierten Banken wieder erhöht. Außerdem verloren italienische Banken private Einlagen.

Wie aus aktuellen Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor geht, kauften italienische Banken Staatsanleihen für netto 18,5 Milliarden Euro, nachdem sie ihre Bestände im Dezember um 13,4 Milliarden verringert hatten. Spaniens Banken erhöhten ihre Bestände um 5,3 Milliarden. Im Dezember hatten sie sich von Papieren für 4,1 Milliarden getrennt. Portugiesische Institute traten nach einem kräftigen Verkaufsschub im Vormonat im Januar ebenfalls als Nettokäufer auf.

Die EZB-Daten geben keinen Aufschluss darüber, wer der Emittent der erworbenen Staatsanleihen ist. Aber Angaben der Bankenaufsicht EBA deuten darauf hin, dass Banken nahezu ausschließlich Anleihen ihrer eigenen Regierung kaufen.

Die Europäer wollen die Verbindung von Banken und Regierungen eigentlich reduzieren. Grund ist das Risiko, dass bereits hoch verschuldete Staaten schwach kapitalisierte Institute retten müssen. Dadurch verschlechtert sich die Kreditwürdigkeit des Staats weiter und die Kapitalausstattung der Banken, die unter anderen aus Anleihen dieses Staats besteht, nimmt ab.

Aus diesem Grund wollen die Europäer künftig die Rekapitalisierung von Banken aus dem Rettungsfonds ESM finanzieren. Damit könnte ein Hilfskredit an den überschuldeten Staat umgangen werden. Voraussetzung ist allerdings die Existenz einer gemeinsamen Bankenaufsicht. Fraglich ist allerdings, ob dieses Verfahren auch für Fälle gelten soll, die bereits unter der Aufsicht nationaler Behörden entstanden sind.

Deutschland verneint das. Außerdem fordert die Deutsche Bundesbank, die Verbindung von Banken und Staaten bereits an einem früheren Punkt zu unterbrechen. Ihrer Ansicht nach müssen die Anreize für Geldhäuser verringert werden, Staatsanleihen zu kaufen. Derzeit müssen Staatsanleihen unabhängig von ihrem tatsächlichen Risikogehalt nicht mit Eigenkapital hinterlegt werden. Die Bundesbank will das ändern und fordert deshalb Obergrenzen für die Exponierung von Banken gegenüber einzelnen Staaten.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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