• The Wall Street Journal

Ryanair darf Rivalen nicht übernehmen

    Von VANESSA MOCK

Der irische Billigflieger Ryanair darf seinen Lokalrivalen Aer Lingus nicht übernehmen. Das haben die Kartellwächter der EU entschieden. Sie befürchten eine Einschränkung des Wettbewerbs und damit Nachteile für die Kunden.

Die Europäische Kommission hatte gegenüber den Iren schon vor einigen Wochen durchblicken lassen, dass es auch beim inzwischen dritten Versuch nichts mit der 694 Millionen Euro schweren Übernahme werden wird. Ein Zusammenschluss der beiden Airlines hätte ein Monopol auf dutzenden Routen von und nach Irland zur Folge, wo die beiden Gesellschaften in direkter Konkurrenz zueinander stehen, teilte die EU-Kommission nun mit.

"Die Entscheidung der Kommission schützt mehr als 11 Millionen irische und europäische Fluggäste, die jedes Jahr von und nach Dublin, Cork, Knock und Shannon reisen", sagte Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Eine Übernahme werde höchstwahrscheinlich zu höheren Preisen führen. Auch die angebotenen Zugeständnisse seien nicht geeignet gewesen, um Wettbewerbsbedenken für 46 Flugrouten aus der Welt zu schaffen. Die Kartellwächter hatten schon 2007 einen Übernahmeversuch aus demselben Grund blockiert.

dapd

Das Terminal von Ryanair am Flughafen Bremen - die Iren dürfen ihren Lokalrivalen Aer Lingus nicht schlucken.

Während Aer Lingus die erneute Ablehnung der EU begrüßte, reagierten die Verantwortlichen von Ryanair ungehalten. Die Entscheidung sei "politisch" und man werde sie anfechten, teilte die Billigfluglinie mit. Ryanair habe ein nie dagewesenes Bündel an Zugeständnissen angeboten, welche alle Bedenken der EU-Kommission hätte ausräumen müssen. Allerdings seien die Bemühungen, die Rückendeckung der EU zu bekommen, von der irischen Regierung hintertrieben worden, die mit 25 Prozent an Aer Lingus beteiligt ist. Die Ryanair Holdings plc hält derzeit 29,8 Prozent an dem Konkurrenten.

Der Fall muss nun innerhalb der nächsten zwei Monate an den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg weitergegeben werden. Dieser dürfte aber erst in den kommenden neun Monaten zu einer Entscheidung kommen, möglicherweise dauert es auch noch länger.

Zuletzt hatte Ryanair der EU-Kommission angeboten, dass die Regionalfluggesellschaft Flybe 43 Aer-Lingus-Routen übernimmt. Das Ziel war es, die Kommission davon zu überzeugen, dass Flybe ein glaubwürdiger Konkurrent für Ryanair ist, trotz einer Reihe von Gewinnwarnung in den letzten beiden Jahren und der Ankündigung von Stellenstreichungen in Großbritannien. Ryanair hat außerdem vorgeschlagen, alle Strecken von Aer Lingus zwischen London Gatwick und Irland an British Airways zu übertragen.

Die großen Bedenken der Kommission blieben jedoch. Die größte Befürchtung war, dass die Übernahme ein Monopol auf 28 Routen zur Folge gehabt und den Wettbewerb auf 11 weiteren Strecken eingeschränkt hätte.

Beobachter hatten das Verbot der Übernahme bereits erwartet. "Die Entscheidung ist keine große Überraschung", sagte Antonio Bavasso, Partner bei der Londoner Rechtsanwaltskanzlei Allen & Overy LLP. Die EU-Kommission habe legitime Fragen gestellt.

So habe es unter anderem Zweifel daran gegeben, ob Flybe wirklich Ryanair Konkurrenz machen könnte. Der Regionalflieger betreibt nämlich hauptsächlich kleinere Maschinen und hat ein völlig anderes Geschäftsmodell als Ryanair.

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