• The Wall Street Journal

EADS-Chef will sich von Merkel nicht reinreden lassen

    Von DANIEL MICHAELS und DAVID PEARSON

BERLIN--Die Reibereien zwischen der Bundesregierung und dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS reißen nicht ab. EADS-Chef Tom Enders will sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht in seine Unternehmenspolitik reinreden lassen. Die 600 Millionen Euro von der deutschen Regierung für den neuen Airbus A350 sind dem Manager zwar nicht unwillkommen. Die daran geknüpften Bedingungen seien aber nicht akzeptabel, so Enders.

"Wenn wir alle Wünsche der Regierung erfüllen würden, könnten wir die 600 Millionen morgen haben", sagte Enders. EADS könne aber auch ohne das Geld leben. Welche Bedingungen die Regierung an die Finanzhilfen knüpft, wollte Enders nicht sagen. Informierte Personen gehen aber davon aus, dass es sich um Arbeitsplatzgarantien in Deutschland handelt und um eine mögliche zweite Fertigungslinie für den neuen Langstreckenflieger A350 in Hamburg.

dapd

EADS-Chef Tom Enders will nicht nach Angela Merkels Pfeife tanzen.

Das Wirtschaftsministerium wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher CDU/CSU-Fraktion, verteidigte es als "berechtigtes nationales Interesse", dass EADS deutsche Produktionsstandorte erhalte oder ausbaue. "Einem über Jahrzehnte mit Steuergeldern hochgepäppeltem Unternehmen Standortgarantien abzuverlangen, ist kein unüberlegtes Wünsch-Dir-Was, sondern Ausdruck einer aktiven Industriepolitik", sagte Pfeiffer. "EADS und der Vorstandsvorsitzende Enders wären gut beraten, die berechtigten Forderungen der Bundesregierung ernst zu nehmen."

Die EADS NV, die dank des boomenden Airbus-Absatzes auf einem Barmittelvorrat von 12 Milliarden Euro sitzt, führe derzeit Gespräche mit Regierungsvertretern, sagte Enders. "Wir haben es nicht eilig", fügte er hinzu. "Ich sage nicht, dass 600 Millionen Euro unwichtig wären, aber die Bedingungen müssen stimmen."

Enders räumte ein, dass es bei der Entwicklung des A350, der ab der zweiten Jahreshälfte 2014 ausgeliefert werden soll, keinen Spielraum mehr für Fehler gebe. Die größte Herausforderung sei es, die horrenden Entwicklungskosten im Zaum zu halten.

"Wir haben viel aus unseren Fehlern und den Fehlern unserer Wettbewerber gelernt", sagte Enders. "Aber wir wissen auch, ein Entwicklungsprogramm dieser Größe mit neuen Technologien, neuen Materialien und neuen Partnern ist in sich riskant, insbesondere in der Phase, die vor uns liegt."

Laut EADS ist das A350-Programm noch in der Spur. Der Zeitplan ist allerdings eng getaktet. Weitere Störungen könnten neue Verzögerungen nach sich ziehen. Der A350 ist die Antwort von Airbus auf den 787 Dreamliner von Boeing, der derzeit wegen Batterieproblemen weltweit am Boden bleiben muss.

Airbus hat bislang 592 Bestellungen für den A350 in den Büchern. Mit Testflügen soll in diesem Sommer begonnen werden, bevor nächstes Jahr die Auslieferung startet. Eine zweite Fertigungslinie würde es Airbus erlauben, mehr dieser Flugzeuge zu bauen und so den Absatz zu steigern.

EADS-Finanzchef Harald Wilhelm sagte auf der Bilanzpressekonferenz, es gebe tatsächlich Diskussionen über eine zweite Fertigungslinie, allerdings noch keine Entscheidung, wo diese angesiedelt werden würde.

Streit um Arbeitsplätze

Sowohl zwischen EADS und der Bundesregierung als auch zwischen den Ländern, die Anteile an dem Konzern halten, gibt es seit Jahren Differenzen. Hauptsächlich geht es dabei um die Arbeitsplätze, die immer unsicherer werden. Airbus hat in den vergangenen Jahren sein Lieferantennetz ausgebaut und auf globaler Ebene ausgeweitet. Dies ging oft zu Lasten der traditionellen Lieferanten in den Heimatländern. Diese müssen jetzt um die Airbus-Aufträge kämpfen, die vorher selbstverständlich waren.

Der Konflikt mit der Politik trat letztes Jahr besonders stark zutage, als Enders EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems verschmelzen wollte. Merkel blockierte den Deal im Oktober. Unter anderem befürchtete sie, Deutschland könnte Arbeitsplätze in der Industrie an Frankreich und Großbritannien zu verlieren.

Der A350 ist nicht das einzige problembehaftete Modell von Airbus. Auch die zu langsame Produktion des A380-Großraumflugzeugs beeinträchtigt das Umsatzwachstum im laufenden Jahr. Der Zeitpunkt, an dem das Flaggschiff profitabel wird, verschiebt sich immer weiter nach hinten. Airbus fährt die Produktion des A380 dieses Jahr von 30 auf 25 Jets herunter, um Flügelprobleme auszumerzen.

Enders räumte im Rahmen der Bilanzpressekonferenz ein, dass noch eine gewisse Strecke zurückzulegen ist, bis der Konzern das mittelfristige Ziel einer operativen Marge von 10 Prozent bis 2015 erreicht. 2012 legte die Marge immerhin um einen halben Prozentpunkt auf 3,9 Prozent zu.

Der Nettogewinn des Konzerns kletterte dank des starken Airbus-Geschäfts auf 1,2 Milliarden Euro nach 1 Milliarde im Vorjahr. Den operativen Gewinn ohne Sonderbelastungen steigerte EADS von 1,8 auf 3,0 Milliarden Euro - und damit noch etwas stärker als in Aussicht gestellt.

Auf die Gewinne drückten in den zwölf Monaten 2012 allerdings auch Aufwendungen von 820 Millionen Euro. Dazu zählen 251 Millionen Euro für die Reparatur der A380-Haarrisse und 124 Millionen Euro für Verzögerungen bei der Entwicklung des A350.

Der Umsatz soll 2013 nur noch moderat wachsen und das operative Ergebnis vor Einmaleffekten auf 3,5 Milliarden Euro steigen. Unter dem Strich, aber ebenfalls vor Einmaleffekten, dürfte der Gewinn je Aktie auf 2,50 Euro steigen.

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