• The Wall Street Journal

Privatflug auf den Mars

    Von ANDY PASZTOR

2001 wurde der Multimillionär Dennis Tito zum ersten Weltraumtouristen, als er zur internationalen Raumstation ISS flog. Jetzt will der Investment-Tycoon noch weiter ins Weltall vordringen: Spätestens für das Jahr 2018 will er eine private bemannte Mission organisieren, die den Mars umfliegt.

Ein Team verheirateter Astronauten will Tito bis zu 100 Meilen an den Mars heranbringen, dann soll das Raumschiff wieder zurück zur Erde kehren. Ausgewählt wurde das Paar noch nicht. Bisher hat er auch weder eine Rakete, noch ein Raumfahrzeug oder eine genaue Budgetplanung für die gefährliche Mission, berichten Unterstützer des Unterfangens. Branchenvertreter schätzen die Kosten für die Mission auf eine Milliarde Dollar oder mehr.

Tito nennt die Expedition "Mission für Amerika". Man wolle eventuell auf bereits geprüfte und existierende Transportsysteme zurückgreifen, die von Unternehmen und Regierung entwickelt worden seien. Genauere Details wollte er nicht nennen. Eine Innovation sieht vor, eine aufblasbare Sektion an die Raumkapsel anzubringen, die vor dem Wiedereintrit t in die Atmosphäre abgestoßen werden soll. Zudem will das Team um Tito von einer besonderen Planetenkonstellation Gebrauch machen, die durch ihre Gravitationskräfte die Reise des Raumfahrzeugs zum Mars beschleunigen sollen.

Der Multimillionär rechnete ursprünglich, dass die Marsmission etwa 500 Millionen Dollar kosten würde. Sie solle gemeinsam mit der kalifornischen Firma Space Exploration Technologies Corp. entwickelt werden, berichten mit den Plänen vertraute Personen.

Associated Press

Multimillionär Dennis Tito (Mitte) nach seiner Rückkehr aus dem All 2001.

Tito hat zusammen mit zehn Raumfahrtexperten von Unternehmen und der NASA ein technisches Papier verfasst, das die Mission genauer beschreibt. Er will für die Mission bis zu 100 Millionen Dollar seines Privatvermögens ausgeben, berichten Branchenvertreter. Bisher ist noch unbekannt, wer den Rest des Projekts finanzieren soll.

Da die US-Regierung bis mindestens Anfang des nächsten Jahrzehnts keine Astronauten mehr ins Weltall schicken will, sehen Tito und seine Unterstützer die 17 Monate lange Expedition als Chance, die Vorherrschaft der USA im Weltall zu verdeutlichen.

Bei dem 501 Tage dauernden Flug würden zum ersten Mal neue Technologien eingesetzt werden, die Menschen vor der Strahlung in den Tiefen des Alls schützen sollen. Außerdem soll die Expedition beweisen, dass Menschen über lange Zeit hinweg auf engem Raum leben und Sport treiben können. Die NASA plant erst für etwa 2035 eine Mission zu einem Asteroiden und danach zum Mars.

13 Monate ist bisher die längste Zeit, die ein Mensch je im All verbracht hat. Branchenvertreter berichten, dass in den vergangenen Wochen die Pläne abgesagt werden mussten, für die Mission eine Schwerlastrakete und eine Raumkapsel von SpaceX zu nutzen. Eine Sprecherin von SpaceX sagt, das Unternehmen habe keinerlei Verbindung zu Titos Stiftung „Inspiration Mars Foundation".

Der alternative Plan der Gruppe könnte bis zu einer Milliarde Dollar kosten. Die Stiftung ist derzeit mit Boeing, Lockheed Martin und der NASA im Gespräch, um die nötige Ausrüstung zusammenzustellen.

NASA und US-Regierung geraten in die Kritik

Während Tito die erste bemannte Marsmission plant, stehen die NASA und das Weiße Haus immer stärker in der Kritik, da ihr Raumfahrtprogramm laut Politikern und Wissenschaftlern kein klar definiertes Ziel habe. Bisher hat die NASA noch keinen Asteroiden ausgesucht, zu dem sie Astronauten schicken will; die Pläne für eine bemannte Mission zum Mars sind noch undeutlicher.

Das Budget der NASA schrumpft ständig. Außerdem sind sich Vertreter der Agentur uneinig, wie viel finanzielle Unterstützung sie kommerziellen Raumfahrtprojekten leisten will.

Titos Idee hat bei der NASA Unterstützung gefunden. Das kalifornische Ames Research Center, das zur NASA gehört, hat zudem eine formale Kooperationsvereinbarung mit Titos Marsmission unterzeichnet. Wissenschaftler des Ames Research Center sind bekannt für ihre Expertise mit Hitzeschutzschilden. Diese gehören mit zu den wichtigsten Schutzmechanismen für den kritischen Moment, wenn ein Raumfahrzeug auf dem Rückweg wieder in die Erdatmosphäre eindringt.

Einige Raumfahrtexperten sagen, dass eine bemannte Marsmission zusätzlich zu den existierenden Raketen noch einen anderen Antrieb brauche, der dem Fahrzeug im Weltall die nötige Schubkraft verleiht, um den Mars zu erreichen. Das Gravitationsfeld um den Mars hätte den Effekt einer Schleuder und würde das Raumschiff dann wieder zurück zur Erde befördern.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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