• The Wall Street Journal

Deutsche Telekom investiert erfolglos gegen Umsatzrückgang

    Von ARCHIBALD PREUSCHAT

Die Deutsche Telekom hat im vierten Quartal auch mit erhöhtem finanziellen Aufwand den Umsatzrückgang nicht stoppen können. Besonders schwach war das deutsche Mobilfunkgeschäft, aber in ganz Europa war krisenbedingt kein Blumentopf zu holen. Ein leichter Silberstreif am Horizont zeigt sich indes in den USA, der allerdings teuer erkauft wurde.

Um 1,4 Prozent sank der Viertquartalsumsatz des Bonner Dax-Konzerns auf insgesamt 14,7 Milliarden Euro. Was deutlich stärker ins Kontor schlägt, ist der fast 13-prozentige Rückgang des bereinigten Ebitda. Bei dieser vom Markt stark beachteten Zahl hat die Telekom die Analystenerwartungen dann auch verfehlt.

[image] dapd

Die Deutsche Telekom hat im vierten Quartal weitere Umsatzrückgänge hinnehmen müssen. Insbesondere das Mobilfunkgeschäft in Deutschland entwickelte sich schwach. Ein Silberstreif am Horizont ist aber in den USA zu erkennen.

Im wichtigen Schlussquartal hatte das ehemalige Staatsunternehmen seine Marketing-Kosten deutlich erhöht. Die Telekom hat viel Geld in die Hand genommen, um in Deutschland, aber auch in den USA, neue Kunden zu gewinnen und bestehende zu halten. Entsprechend sank die Marge um stramme 3,6 Prozentpunkte auf 27,3 Prozent.

Die Investitionen fruchten aber nur bedingt: Zwar konnte die Telekom die Zahl ihrer Mobilfunkkunden in Deutschland per Ende Dezember um 3,3 Prozent auf 36,57 Millionen steigern - doch die gaben weniger aus. Um 2,8 Prozent sank der Umsatz mit mobilen Diensten im vierten Quartal, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Damit liefert die Telekom im Wettbewerbsvergleich auch die deutlich schwächste Performance ab. Während die Kennzahl, die Erträge aus dem Verkauf von Geräten ausklammert, bei Vodafone und E-Plus mehr oder weniger unverändert war, konnte Börsenneuling Telefónica Deutschland mit seiner Marke O2 um 3,6 Prozent zulegen. Der Telekom war mit Drillisch ein Großkunde abgesprungen, bestehende Privat-Kunden wurden in preiswertere Tarife migriert.

Am Rande der Bilanzpressekonferenz gab Finanzvorstand und künftiger Konzernchef Timotheus Höttges aber auch zu, dass das „KPN-Virus" teilweise die Telekom erfasst hat: Kunden nutzen zunehmen internetbasierte Dienste wie Skype oder WhatsApp, anstatt zu telefonieren oder SMS zu schreiben - ein Phänomen, das sich erstmals vor mehr als einem Jahr in der Bilanz der niederländischen Royal KPN deutlich niederschlug. „Wir sehen eine gewisse Kannibalisierung," sagte Höttges.

Telekom verliert in den USA ihren guten Kunden

In den USA ist das erste Kundenwachstum seit drei Jahren unterdessen teuer erkauft. T-Mobile verkaufte vor allem im margenschwachen Großhandelsgeschäft mehr, etwa über die Supermarktkette Wal-Mart, und konnte auch im Prepaid-Geschäft zulegen. Die Flucht der wertvolleren Vertragskunden hält auf der anderen Seite des Atlantiks jedoch an. Die deutlichste Sprache spricht der Rückgang der operativen Marge auf Dollar-Basis um 6 Prozentpunkte auf 25 Prozent. Noch muss die Telekom in den USA auf das iPhone von Apple warten, und ohne das ist es schwer, Vertragskunden zu halten oder gar dazu zu gewinnen.

Auch in Europa war angesichts der wirtschaftlichen Schwäche in vielen Ländern und eines teilweise starken Wettbewerbs nicht wirklich ein Blumentopf zu holen. Der Umsatz ging um 4,7 Prozent zurück, das bereinigte Ebitda um 6,9 Prozent. Bernstein-Analystin Robin Bienenstock moniert denn auch das schwache Mobilfunkgeschäft in Deutschland, das der Telekom möglicherweise auch im laufenden Jahr Kopfschmerzen bereiten wird.

Immerhin, nach Steuern konnte die Telekom im Schlussquartal mit 793 Millionen Euro wieder einen Gewinn verbuchen. Nach der 7,4 Milliarden Euro schweren Abschreibung auf das US-Geschäft im dritten Quartal ließ sich das Jahresergebnis auch nicht mehr retten: Der letzte Jahresabschluss, den der scheidende Vorstandsvorsitzende Rene Obermann vorlegt, ist tiefrot: Der Konzernfehlbetrag summiert sich auf 5,3 Milliarden Euro. Es ist der erste Gesamtjahresverlust der Telekom seit zehn Jahren.

Die Aktionäre können sich trotzdem auf die versprochene Dividende von 70 Cent je Aktie freuen. Auch an den Zielen für das laufende Jahr, die im Dezember auf dem Kapitalmarkttag ausgegeben wurden, hält die Telekom fest.

Auch an einem teilweisen Börsengang von Everything Everywhere, dem mit France Telecom betriebenen Mobilfunk-Gemeinschaftunternehmen in Großbritannien, hält die Telekom nach den Worten ihres Finanzvorstandes fest. Er werde frühestens im vierten Quartal erfolgen, sagte Höttges, und unterstrich, dass die Telekom gemeinsam mit den Franzosen die Mehrheit an dem britischen Mobilfunker halten möchte.

Offen ist noch die Zukunft des Internet-Anzeigenportals Scout in der Telekom-Gruppe. In Gesprächen mit Axel Springer sei man derzeit nicht, sagte Höttges. Verlagschef Mathias Döpfner hatte in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland Interesse an Scout bekundet.

Kontakt zum Autor: archibald.preuschat@dowjones.com

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