• The Wall Street Journal

Die Schattenseiten des Brüsseler Bonus-Limits

    Von SIMON NIXON

Wenn man wissen will, was die Finanzwelt von den EU-Plänen zur Einschränkung der Boni hält, muss man nur einen Blick auf den Aktienmarkt werfen. Die Papiere der europäischen Großbanken bewegten sich am Donnerstag kaum – und das trotz der beunruhigenden Nachricht, dass die Boni ab 2014 die Höhe des Gehaltes nicht mehr überschreiten dürfen. Nur mit Zustimmung der Aktionäre darf der Bonus das Doppelte betragen.

Auf der einen Seite ist die Unbekümmertheit der Aktienmärkte verständlich. Über die Bonus-Bremse wird seit dem vergangenen Sommer diskutiert. Daher ist der Beschluss vom Donnerstag keine Überraschung. Noch steht auch nicht fest, wie genau sie in der Praxis funktionieren wird. In der Brüsseler Übereinkunft steht folgendes: Wenn das Verhältnis auf 2:1 erhöht wird, muss ein Viertel in langfristigen Instrumenten ausgezahlt werden, die eine Laufzeit von mehr als fünf Jahren haben, rabattiert zu einem angemessenen Satz. Das könnte möglicherweise zu einem nominellen Verhältnis von 2,5:1 führen. Aber sowohl in der Ausarbeitung als auch auf der Ministerebene gibt es noch reichlich Möglichkeiten für den einen oder anderen Kuhhandel.

dapd

Das Gebaeude des Europäischen Parlaments, links vorne.

Trotzdem wurde in diese Regeln zu viel politisches Kapital gesteckt, als dass sie sich so einfach verwässern ließen. Die Befürworter sagen, dass die heutige Bonuskultur ein Überbleibsel des alten Partner-Modells ist, als die Mitarbeiter ihr eigenes Kapital riskierten. Heute wird in den börsengehandelten Banken das Kapital von begrenzt haftbaren Aktionären bereitgestellt. Finanzielle Anreize für die Beschäftigten führen daher nach Ansicht der Boni-Gegner zu übertriebener Risikobereitschaft. Sie glauben auch, dass die Branche auch während der Krise zu hohe Boni ausgeteilt hat, auf Kosten ihrer Kapitalquoten. Den Banken wird so ein Herdenverhalten unterstellt. In der Theorie macht eine Bonusgrenze also die Banken im Konjunkturzyklus profitabler und sicherer.

Aber was in der Theorie funktioniert, muss in der Praxis nicht zwangsläufig klappen. Eine offensichtliche Folge ist, dass die Banken die Grundgehälter einiger Banker deutlich erhöhen werden. Das steigert auch andere Personalkosten, etwa die Pensionsrücklagen. Die Bonusgrenze verkleinert auch die Geldsumme, die bei einer finanziellen Schieflage der Bank wieder eingezogen werden kann. Damit wird den Aufsichtsbehörden eines ihrer wichtigsten Druckmittel genommen.

Die europäischen Banken erhalten dazu einen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz aus Asien und den USA; gerade in den Bereichen wie dem Handel, in dem die Boni üblicherweise ein Vielfaches des Gehalts betragen. Besonders hart würde es die EU-Banken treffen, wenn auch ihre Geschäftsbereiche in anderen Teilen der Welt diesen Regeln unterliegen würden. Arbeitsplätze und Kapital könnten in die Schattenwirtschaft außerhalb jedweder Regulierung abdriften. Am Ende könnte eine weniger profitable Finanzbranche stehen, die Einschläge weniger gut verkraften, weniger Steuern zahlen und die Wirtschaft nicht mehr finanzieren kann. Bankaktionäre und Mitarbeiter müssen sich auf einige unschöne Überraschungen einstellen.

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