• The Wall Street Journal

Amazon und IBM buhlen um die CIA

    Von SPENCER E. ANTE

Die Auseinandersetzung zwischen IBM und Amazon über einen 600 Millionen US-Dollar schweren Vertrag zum Aufbau eines Cloud-Computing-Systems für den US-Auslandsgeheimdienst CIA zeigt die steigende Bedeutung der Geheimdienste für Tech-Branche.

Der Wettbewerb um den Vertrag fällt in eine Zeit außergewöhnlicher Enthüllungen über geheime Regierungsüberwachunsgsprogramme und zeigt, dass selbst in der Welt der Geheimdienste Unternehmen wie Amazon, die Internet-basierte Cloud-Systeme verkaufen, die Position etablierter IT-Anbieter herausfordern.

Unternehmen wie IBM haben über Jahrzehnte US-Militär und US-Geheimdienste mit Computern, Software und dem Knowhow zum Bedienen der Geräte versorgt. Nun drängen neue Anbieter wie Amazon auf den Markt. Während sich IT-Ausgaben von Unternehmen weiter schleppend entwickeln, sind die neuen Einnahmequellen attraktiv. Außerdem können sich die Unternehmen mit und der Erlaubnis schmücken, auch Dienste anzubieten, die den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen müssen.

Agence France-Presse/Getty Images

Eingang der der CIA-Zentrale in Langley, Virginia.

„Die Chance für die US-Regierung ist enorm", sagte Adam Selipsky, Vice President für Amazon Web Services – die Cloud-Computing-Sparte des Unternehmens. „Wir glauben, dass das in Zukunft ein sehr wichtiges Geschäft für die Amazon Web Services wird."

Das US-Verteidigungsministerium, das viele der Geheimdienstanlagen – darunter die der NSA – verwaltet, gab laut der Marktforschungsfirma IDC Government Insights im Geschäftsjahr bis September 2012 rund 35 Milliarden US-Dollar für IT aus. Der Höhepunkt der Ausgaben wurde 2010 mit 38 Milliarden Dollar erreicht, schätzt IDC.

Traditionelle IT-Anbieter dominieren das Geheimdienstgeschäft

Der größte Teil dieser IT-Ausgaben ging an große, ältere Technologie-Unternehmen und Vertragsdienstleister wie Raytheon, Hewlett-Packard, Boeing und Computer Sciences . Diese Unternehmen stellen in erster Linie Computersysteme her und verwalten sie.

Doch der Aufstieg des Cloud Computings, bei dem Nutzer sich hundertausende mit dem Internet verbundener Server teilen, die je nach Bedarf zugeteilt werden, hat Anbietern den Markt eröffnet, die weniger stark in dem Geschäft verankert sind.

Die CIA überraschte IBM Anfang des Jahres, als sie sich beim Aufbau eines Cloud-Dienstes, der sie mit Geheimdiensten rund um die Welt verbinden soll, für Amazon entschied. Der Vertrag über vier Jahre wird auf bis zu 600 Millionen Dollar geschätzt. Er ist ein Sieg für Amazon, der weitere Türen für Sicherheits-relevante Regierungsbehörden ebenso öffnen könnte wie für kommerzielle Kunden wie Wall-Street-Banken – große, profitable Branchen, die seit langem von IBM dominiert werden.

IBM protestierte gegen die Vergabe und der US-Rechnungshof empfahl vergangene Woche eine Neuausschreibung der CIA. Der Geheimdienst hat 60 Tage Zeit dazu Stellung zu nehmen, ob er der Empfehlung folgt. „In dieser Zeit wird die CIA die Details des Rechnungshof untersuchen", sagte ein CIA-Sprecher.

Ein Sprecher von IBM sagte, dass das Unternehmen eine Neuausschreibung des Vertrags erwarte. Eine Sprecherin von Amazon Web Services sagte, das Unternehmen hoffe auf eine schnelle Lösung des Sachverhalts.

Cloud Computing senkt Kosten

Cloud Computing erlaubt Unternehmen die Kosten zu senken, indem sie Rechenkraft über das Internet mieten statt selbst Rechenzentren aufzubauen und zu betreiben. Für die US-Regierung spielt Cloud Computing daher eine zentrale Rolle bei den Bemühungen, Kosten für die IT einzusparen und sich auf neue Technologien zu konzentrieren, die Netzwerke aus normalen PCs nutzen statt Supercomputer, um riesige Datenmengen zu berechnen. Einige Beamte glauben außerdem, dass Cloud Computing das Teilen sensibler Informationen mit anderen Behörden vereinfacht.

Cloud Computing und spezielle Software zur Datenverarbeitung versetzte die NSA in die Lage, Kommunikationsdaten zu sammeln und nach Hinweisen für mögliche terroristische Anschläge zu durchsuchen, sagten mit der Sache vertraute Personen. Die jüngsten Enthüllungen über das NSA-Überwachungsprogramm und andere Geheimdienstprogramme haben eine Debatte über die Rolle von Technologieunternehmen bei der Spionage im Interesse der nationalen Sicherheit ausgelöst.

Amazon ist Marktführer für Cloud-Computing-Dienste. 2006 hat das Unternehmen die Amazon Web Services gestartet. Inzwischen hat Amazon laut Selipsky Hunderttausende von Kunden in mehr als 190 Ländern.

Das Unternehmen veröffentlicht selbst keine aufgeschlüsselten Zahlen, doch Morgan Stanley schätzte kürzlich, dass Amazon mit den Cloud-Diensten vergangenes Jahr 2 Milliarden Dollar umgesetzt hat und den Umsatz binnen 10 Jahren auf 24 Milliarden ausbauen könne.

Die Sparte bietet Rechenkraft nach Bedarf und andere Dienste einer Reihe von Start-ups wie dem Musikstreaming-Dienst Spotify und dem sozialen Online-Sammelalbum Pinterest an. Auch die in den USA beliebte Online-Videothek Netflix, die laut einer Studie des Netzwerksausrüsters Sandvine zu Spitzenzeiten für ein Drittel des Datenverkehrs im Festnetz der USA verantwortlich ist, setzt auf die Amazon Web Services.

Amazon Web Services versorgt US-Ministerien

Im Mai verkündete Amazon Web Services, dass der US-Dienst des Unternehmen eine Sicherheitsautorisierung des Ministerium für Gesundheitspflege und Soziale Dienste der Vereinigten Staaten erhalten habe und dem Ministerium künftig einige Cloud-Dienste anbieten werde. Dieses Gütesiegel könnte weitere US-Behörden zur Nutzung der Amazon-Dienste bewegen. Schon jetzt hat Amazon laut Selipsky mehr als 300 US-Regierungskunden, darunter auch das Finanzministerium.

IBM ist der IT-Dienstleister für die Geheimdienste des Landes. Teilweise bietet IBM Software umsonst an, um im Gegenzug Zugriff auf neue Technologien zum Testen zu erhalten und das geistige Eigentum daraus behalten zu dürfen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Im Laufe der vergangenen zwei Jahre testeten NSA und CIA Teile der IBMs Watson-Computer – ein System für künstliche Intelligenz, das durch seinen Gewinn beim US-Fernsehquiz „Jeopardy" gegen die besten menschlichen Spieler bekannt wurde, fügte der Insider hinzu. Zuerst berichtete die New York Times über den Test von Watson durch die Geheimdienste.

Die symbolträchtige Beziehung zwischen Militär und Technologie-Branche geht mindestens zurück bis zum Zweiten Weltkrieg. Anfang der 1950er baute IBM einen der ersten Computer für die Luftraum-Verteidigung zusammen mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Ted Schlein, Partner bei der Wagniskapitalfirma Kleiner Perkins Caufield & Byers sitzt im Aufsichtsrat von In-Q-Tel, dem nichtkommerziellen Wagniskapital-Arm, den die CIA 1999 gründete. Ihm zufolge arbeiten Geheimdienste und Verteidigungsministerium so eng mit Technologieunternehmen zusammen wie noch nie zuvor.

„Sie sehen, dass heute eine Menge Mauern fallen", sagte er. „Sie arbeiten mit privaten Technologiepartnern zusammen, um einige ihrer Probleme zu lösen."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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