• The Wall Street Journal

Gold springt an 1.400er-Marke

    Von THOMAS ROSSMANN, TATYANA SHUMSKY und MATT DAY

Die längste Schwächephase des Goldpreises seit der Finanzkrise 2008 ist beendet. Der Preis für das Edelmetall legte am Montag an der New Yorker Rohstoffbörse Nymex innerhalb von zwei Minuten um rund 30 Dollar zu und stieg zeitweise bis knapp an die Marke von 1.400 Dollar. Auch der Preis für Silber legte eine plötzliche Trendwende hin, nachdem einige Anleger ihre Wetten auf weiter fallende Preise aufgelöst hatten.

Zum Handelsschluss in New York lagen die Future-Kontrakte auf beide Edelmetalle im Plus und beendeten damit nach einem turbulenten Handelstag ihre Negativserie. Für Gold war es der erste Anstieg nach sieben Verlusttagen in Folge, der längsten Verlustserie seit der Finanzkrise.

Der Future-Kontrakt auf Gold zur Lieferung im Juni verteuerte sich an der Rohstoff-Börse Comex der New York Mercantile Exchange um 19,40 Dollar (1,4 Prozent) auf 1.384,10 Dollar, nachdem er im Tagestief auf 1.336 Dollar gefallen war.

Heftige Ausschläge am Silbermarkt

Deutlich spektakulärer als am Goldmarkt verlief die Entwicklung am Silbermarkt. In der Spitze fiel der Silberpreis um 9 Prozent, ehe die Gegenbewegung einsetzte. Zum Handelsschluss lag der Kontrakt zur Lieferung von Silber im Juli bei 22,58 Dollar je Feinunze um ein Prozent im Plus.

Zu Beginn des Handels an der Comex, der noch in die asiatischen Handelszeiten fiel, war Silber zunächst abgerutscht. Viele Händler hatten dies mit einer kräftigen Aufwärtsbewegung des japanischen Yen begründet. Die japanische Währung sprang nach oben, nachdem Wirtschaftsminister Akira Amari Sorgen geäußert hatte, dass Japans Wirtschaft Schaden nehmen könnte, falls sich der Yen weiter abschwächen sollte.

Einige Anleger sahen in den Turbulenzen allerdings Chancen und begannen zu kaufen. So konnte Silber verlorenes Terrain wieder gut machen.

"Schnäppchenkäufer haben dafür gesorgt dass wir auf das Vortagesniveau zurückkehrten", sagte Dave Meger, Leiter des Handels mit Metallen bei Vision Financial Markets. Die plötzliche Umkehr zwang Händler, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, zur Auflösung ihrer Positionen. Das verstärkte den Preissprung bei Silber. In der Spitze kostete das Edelmetall 23,240 Dollar je Feinunze und damit 4 Prozent mehr als am Freitag.

Der Preisanstieg fiel in die Zeit, in der der Handel in Europa endete. Einige Anleger hätten ihre Verkaufspositionen aufgelöst, um nicht das Risiko einzugehen, diese über Nacht offen zu halten, berichteten Händler.

Deuten Turbulenzen auf eine Trendwende hin?

Der wilde Ritt des Silberpreises sei ein Zeichen dafür, dass sich der Markt seinem Boden nähere, sagt Adam Klopfenstein, Marktstratege beim Futures-Händler Archer Financial Services. "Ich glaube nicht, dass es schon wieder Zeit zum kaufen ist, aber schon, dass wir nahe am Tief sind", sagte Klopfenstein. Für ihn ist die Marke von 20 Dollar die Untergrenze für Silber.

Der Goldpreis ließ sich am Montag vom Silber anstecken - so wie sich die beiden Metalle auch in der Vergangenheit meist parallel bewegt haben. Viele Anleger hatten Gold und Silber gekauft, weil sie fürchteten, dass die Anleihekäufe der US-Notenbank und die Liquiditätsspritzen anderer Zentralbanken die Inflation nach oben treiben würden.

In den USA erwägt die Fed nun jedoch einen Ausstieg aus ihren massiven Stützungsmaßnahmen, während die Inflation maßvoll bleibt. Viele Anleger haben deshalb die sicheren Häfen wieder verlassen.

Sein letztes Allzeithoch erreichte der Goldpreis bei 1.921,17 Dollar im September 2011. Die aktuelle Talfahrt begann im Oktober 2012, als der Goldpreis bei 1.790 Dollar lag. Im Mai ging es für das gelbe Metall schon um gut 7 Prozent nach unten, im April waren es knapp 8 Prozent. Beim Silberpreis verläuft die Entwicklung parallel.

"Die Rally an den Aktienmärkten in den USA und Japan, der weiterhin starke Dollar und die weltweit niedrigen Inflationserwartungen sind die Faktoren, die Edelmetalle nach unten drücken", sagte Stratege Peter Hug von Kitco Metals.

Kontakt zum Autor: thomas.rossmann@dowjones.com

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