• The Wall Street Journal

Warum die Aktie der Commerzbank plötzlich steigt

    Von MICHAEL DENZIN

Die Commerzbank hält Anleger weiter mit kräftigen Kursbewegungen in Atem. Am Dienstag ging sie zwar mit einem deutlichen Minus aus dem Handel, auch die Bezugsrechte gaben 9,21 Prozent auf 3,46 Euro nach. Doch die Gesamtrechnung stimmt für die Anleger.

Am Pfingstmontag hatte die Aktie noch mit einem Kurssprung von fast 9 Prozent für Furore gesorgt, die Bezugsrechte sprangen sogar um fast 21 Prozent nach oben.

Trotz des Rückgangs am Dienstag können sich die Anleger freuen: Noch am Tag vor der Kapitalerhöhung kostete die Coba-Aktie nur 9,31 Euro. Die Summe aus Bezugsrecht und Aktie liegt dagegen aktuell wieder bei 11,64 Euro, am Montag war sie in der Spitze bis auf 12,31 Euro gestiegen.

[image] Reuters

Die Aktie der Commerzbank erlebt eine Berg- und Talfahrt, aber seit der Ankündigung der jüngsten Kapitalerhöhung geht es tendenziell deutlich nach oben.

Entgegen der Befürchtungen, die nach Veröffentlichung des Bezugspreises für neue Commerzbank-Aktien von lediglich 4,50 Euro die Runde machten, wird die Liste der erfolgreichen Kapitalerhöhung von Dax-Konzernen damit wohl um einen Namen länger. Anlegern bleiben gravierende Verluste erspart, die Commerzbank dürfte die angepeilten Milliarden einnehmen.

Und das, obwohl die Bank ihren Kapitalschritt unter ganz anderen Vorzeichen startete als vor wenigen Wochen die Deutsche Bank . Diese konnte ihre Aufstockung geschickt in die Veröffentlichung ihrer Quartalszahlen einschieben. Analysten überraschte sie hier mit einem deutlich höheren Gewinn.

Die Commerzbank ist dagegen weit davon entfernt, überhaupt Gewinne zu erzielen. Fundamental war der Erfolg der Kapitalerhöhung im Vorfeld daher kaum absehbar.

Shorteindeckungen treiben den Kurs

Dass sich der Kurs so schnell erholt, ist denn eher technisch bedingt. Entscheidender Kurstreiber sind die Rückkäufe durch Leerverkäufer. Aufgrund des vor Monaten noch unsicheren Umfeldes gehörten Bank-Aktien zu den favorisierten Zielen, um auf fallende Kurse zu setzen. Bei der Commerzbank lockte die Aussicht auf eine kräftige Gewinnverwässerung durch die lange im Vorfeld bekannte Kapitalerhöhung zusätzliche Spekulanten an.

Beim Leerverkauf leihen sich Investoren wie Hedgefonds Aktien von einem Investmentfonds oder anderen Anlegern und verkaufen diese anschließend am Markt. Geht ihre Rechnung auf und der Kurs der Aktie fällt wie erwartet, können sie die Papiere später billiger zurückkaufen – im Fachjargon spricht man dann von Short-Eindeckungen – und an den Verleiher zurückgeben.

Bei der Commerzbank kamen die Leerverkäufer in den vergangenen Monaten auf ihre Kosten. Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs der Bank nahezu halbiert.

Doch irgendwann geht auch die schönste Party zu Ende. Mit dem Beginn der Kapitalerhöhung wich die Fantasie für weitere Kursverluste. Die Positionen müssen jetzt geschlossen und die geliehenen Aktien wieder zurückgegeben werden.

Eigentlich günstiges Umfeld für Leerverkäufer

Eigentlich ist das Umfeld dafür günstig. Dank der Kapitalerhöhungen verdoppelt sich die Zahl der Commerzbank-Aktie beinahe. Leerverkäufern bietet das Angebot neuer Aktien die Möglichkeit, große Positionen auf einen Schlag einzusammeln. Am freien Aktienmarkt müssen sie diese mitunter kleckerweise zusammensuchen.

Problematisch wird es für die Short-Eindecker allerdings, wenn sie in einen steigenden Gesamtmarkt kaufen müssen. In solchen Phasen sind die Bezugsrechte für junge Aktien aus einer Kapitalerhöhung ein attraktives Investment, um günstig an Kurssteigerungen teilzuhaben. Bei der Commerzbank etwa kostete das Bezugsrecht nicht einmal den halben Preis der notierten Aktie.

Die Folge: Auf ihrer Jagd nach Aktien zur Begleichung ihrer Schulden sehen sich die Leerverkäufer plötzlich Konkurrenten gegenüber, die die Aktie ebenfalls haben wollen, weil sie auf steigende Kurse setzen. Im Extremfall führt dies zu einem regelrechten Rattenrennen: beide Gruppen schlagen sich um die Papiere – und treiben den Preis kräftig nach oben. Ähnliches dürfte sich bei der Commerzbank am Pfingstmontag abgespielt haben.

Vergessen wird zumeist, dass die Short-Eindecker in der schwächeren Position sind. Sie sind vertraglich verpflichtet, geliehene Aktien zurückzugeben. Dieser Pflicht müssen sie nachkommen – egal zu welchem Preis. Ein Trader, der dagegen auf reine Kursgewinne setzt, kann sich überlegen, ob er noch höhere Preise akzeptieren will oder nicht.

Bis zum Ende der Kapitalerhöhung am kommenden Dienstag dürfte es daher noch einige interessante Kursbewegungen bei der Commerzbank geben. Die Tendenz zeigt nach oben, das Motto lautet: „Den Letzten beißen die Hunde."

Kontakt zum Autor: michael.denzin@dowjones.com

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