• The Wall Street Journal

Peking holt zum Schlag gegen Apple aus

    Von PAUL MOZUR

PEKING—Die Propagandaabteilung der Kommunistische Partei Chinas hat die Vorgehensweise von Apple im Umgang mit seinen Kunden scharf kritisiert. Das Vorgehen könnte ein weiterer Hinweis darauf sein, dass China die Marktmacht von ausländischen Smartphone-Herstellern stärker unter die Lupe nehmen will.

[image] dapd

China will die Macht ausländischer Firmen im Land stärker beschränken. Auch Apple droht Ungemach, wie ein kritischer Artikel in einer von der Regierung kontrollierten Zeitung zeigt. Der Vorwurf: Apple würde sich nicht ausreichend zu Anfragen von Journalisten äußern.

Im Sprachrohr der Partei, der Zeitung People's Daily, wird in einem prominent auf der ersten Seite platzierten Artikel behauptet, der Elektronikhersteller würde Interview-Anfragen von Journalisten ablehnen. Anlässlich eines kritischen Beitrags im chinesischen Staatsfernsehen habe das Unternehmen lediglich eine „leere und selbstlobende" Antwort gegeben. Zusätzlich zu dem Artikel wurde ein Cartoon veröffentlicht. Darin repräsentiert eine Figur das Unternehmen mit den Worten: „Statement von Apple: leer."

Eine Sprecherin von Apple wollte sich zu diesem Artikel nicht äußern. China ist nach den USA der zweitgrößte Markt für den iPhone-Hersteller.

Es ist nicht ganz einfach, das Verhalten der Regierung anhand von Nachrichten in den staatlich geführten Medien Chinas vorherzusehen. Analysten sehen in der Reihe von Angriffen jedoch Bemühungen der Regierung, das Wachstum von einheimischen Smartphone-Herstellern anzukurbeln und die Marktmacht ausländischer Firmen zu beschränken. Und zu denen gehört eben auch Apple.

Die Kritik bedeutet, „dass es in den zuständigen Kreisen eine gewisse Akzeptanz für das Vorgehen gegen diese Firma gibt. Das kann bedeuten, dass es später Ärger geben könnte", sagt Jeremy Goldkorn. Er leitet das Unternehmen Danwei.org, das Medien in China untersucht.

Die staatlich kontrollierten Nachrichtenorgane in China haben ihre Kritik an ausländischen Firmen im vergangenen Jahr verstärkt. Erst kürzlich waren Volkswagen und der hinter der Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) stehende Konzern Yum Brands in den Fokus geraten.

In dem Fernsehbeitrag wurde Apple dafür kritisiert, die Garantiezeiten zu beschränken und in China andere Service-Methoden als in anderen Ländern anzuwenden. Apple erklärte, man nehme die Anliegen seiner Kunden ernst.

Am Samstag veröffentlichte das Unternehmen eine Stellungnahme auf seiner chinesischen Website, in der die eigene Garantiepolitik erläutert wurde. Darin erklärte das Unternehmen, es würde neue Komponenten verwenden, jedoch bei den Gehäuserückseiten auf die Originale zurückgreifen. Weiter hieß es, Apple böte eine 90-tägige Garantie auf Reparaturen. Laut chinesischem Gesetz seien eigentlich nur 30 Tage vorgeschrieben. „Apples Garantieerklärungen in China sind mehr oder weniger die gleichen wie in den USA und überall auf der Welt", heißt es in dem Statement.

Im Artikel der People's Daily wurde ein Student zitiert, der sich über die „doppelten Standards" bei Apple beschwert. Danach würden defekte iPhones in China repariert, während die Kunden in anderen Ländern – darunter die USA und Australien – einfach neue Geräte erhielten.

—Mitarbeit: Yang Jie

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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