• The Wall Street Journal

Autohersteller beunruhigt über Handelsabkommen mit Japan

    Von MARIETTA CAUCHI

Amerikanische und europäische Autohersteller zeigen sich beunruhigt über mögliche Freihandelsabkommen mit Japan. Entsprechende Verhandlungen haben Japan und die Europäische Union am Montag aufgenommen, die USA erwägt derzeit Gespräche im Zuge eines asiatisch-pazifischen Abkommens. Die Autobauer mahnen ihre Regierungen zur Vorsicht - sie fürchten, dass die Rivalen aus Südostasien davon unverhältnismäßig profitieren würden.

Die geplanten Abkommen könnten zu einem Zustrom japanischer Exporte in ihre bereits weitgehend gesättigten Heimatmärkte führen, während Japans eigene Handelsbarrieren möglicherweise unangetastet blieben, warnten sie. Das würde die Vorteile jedweder Verträge zugunsten japanischer Autobauer verzerren.

Associated Press

Amerikanische und europäische Autohersteller zeigen sich beunruhigt über mögliche Freihandelsabkommen mit Japan. Nachdem am Montag entsprechende Verhandlungen aufgenommen wurden, mahnten sie ihre Regierungen zur Vorsicht.

Japan strengt die Gespräche an, um gegenüber Südkorea aufzuholen. Der wirtschaftliche Konkurrent hat bereits entsprechende Abkommen mit der EU und den USA und stellt Japan in Branchen wie beispielsweise der Elektronik immer mehr in den Schatten.

Eine Aussicht auf Öffnung der europäischen und amerikanischen Märkte für japanische Importe wäre für das Land derzeit auch deshalb von Vorteil, weil sich der Yen gegenüber dem Euro und Dollar in den letzten Wochen abgeschwächt hat. So würden japanische Exporteure zusätzlich profitieren.

Einige europäische Autohersteller fürchten, dass ein Abkommen mit Japan ähnlich verläuft wie das der EU mit Südkorea. Das hatte sich im Nachhinein als einseitig herausgestellt. So kamen die südkoreanischen Autobauer Hyundai und Kia selbst in den vergangenen Krisenjahren in Europa auf zweistellige Wachstumsraten - wenn auch viele ihrer Fahrzeuge in der EU gebaut werden - während die Gesamtnachfrage nach Neuwagen europaweit so niedrig war wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Die EU-Neuzulassungen von Hyundai und Kia legten im vergangenen Jahr um 9,4 Prozent bzw. 14 Prozent zu. Zeitgleich schrumpfte der EU-Markt um 8,2 Prozent. Renault verzeichnete einen Rückgang um 23 Prozent, Fiat um 15 Prozent und die General-Motors-Marken Opel und Vauxhall verkauften zusammen 16 Prozent weniger - sie trugen die Hauptlast des Nachfrageeinbruchs. Gemeinsam kamen die beiden südkoreanischen Marken in der EU auf einen Marktanteil von 7,2 Prozent nach 5,5 Prozent im Vorjahr.

In Südkorea gingen die Zölle auf ausländische Autos infolge der Freihandelsabkommen zurück, sie sanken um die Hälfte. Das führte auch hier zu einem Anstieg der Verkaufszahlen für importierte Fahrzeuge, aber in geringerem Umfang. Im vergangenen Jahr machten importierte Autos rund 10 Prozent der gesamten Verkäufe aus. Vor zehn Jahren waren es noch weniger als 2 Prozent.

Der japanische Markt wird von heimischen Herstellern dominiert - eine Situation, für die ausländische Unternehmen die japanischen Handelsbarrieren verantwortlich machen. Gleichzeitig besteht mehr als ein Drittel des Marktes aus Kleinstwagen, die mit kleinen Motoren mit einem Volumen von 660 Kubikzentimetern oder weniger betrieben werden - eine Fahrzeugkategorie, die von amerikanischen und europäischen Herstellern eher nicht produziert wird.

"Wir sind sehr für Freihandelsabkommen, die ausgewogen sind und echte Möglichkeiten zum Export bieten", sagt Ivan Hodac, Generalsekretär beim Verband der europäischen Automobilhersteller ACEA. "Allerdings haben wir immer noch einige Vorbehalte bei einem Freihandelsabkommen mit Japan. Wir stellen infrage, dass es ein ausreichend großes Potenzial für europäische Exporteure gibt, um den besseren Zugang zur EU auszugleichen, den japanische Hersteller infolge einer Verringerung der Zölle gewinnen werden."

Fahrzeugimporte nach Japan sollen begrenzt werden

Der Herstellerverband ACEA, dem neben kriselnden europäischen Herstellern wie Renault und Peugeot auch die europäischen Töchter von General Motors und Ford angehören, sei vor allem besorgt, weil Fahrzeugimporte nach Japan begrenzt werden sollen, trotz der hohen Sicherheits- und Umweltstandards für die Branche in Europa.

"Unsere Branche fordert, dass ein in der EU zugelassenes Fahrzeug in Japan verkauft werden kann, ohne das weitere Zertifizierungen oder teure Änderungen fällig werden", sagte Hodac. "Das ist heute nicht der Fall."

Allerdings wird das derzeit verhandelte Freihandelsabkommen zwischen Europa und Japan voraussichtlich eine Schutzklausel enthalten, die die Wiedereinführung der Zölle erlaubt, falls Europa eine Flut von importierten japanischen Autos oder anderer "sensibler Waren" verzeichnet. Diese Klausel soll angesichts der Erfahrungen des Freihandelsabkommens mit Südkorea eingefügt werden.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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