• The Wall Street Journal

Fed befreit Goldpreis aus dem Jammertal

    Von FRANCESCA FREEMAN und HANS BIELEFELD

Die Fed nimmt es, die Fed gibt es – nirgendwo lässt sich das so gut beobachten wie am Goldmarkt. Aktuell lässt die US-Notenbank die Herzen von Goldbesitzern mal wieder etwas höher schlagen. Das Protokoll der jüngsten Notenbanksitzung und Kommentare von Fed-Chef Ben Bernanke haben Hoffnungen geweckt, dass die Währungshüter ihre Anleihekäufe doch nicht so schnell zurückfahren werden.

Den Goldpreis treibt das am Donnerstag kräftig nach oben. In der Spitze klettert er um 3 Prozent und überspringt fast die Schwelle von 1.300 Dollar je Feinunze. Damit kostet das Edelmetall so viel wie zuletzt vor zweieinhalb Wochen. Ein Großteil des Kursanstiegs hat seinen Ursprung allerdings am Devisenmarkt, wo der US-Dollar nach den Fed-Aussagen kräftig Boden einbüßte.

Für gute Stimmung unter den Goldanlegern sorgen vor allem Bernankes Aussagen auf einer Konferenz in den USA. "Man kann nur schlussfolgern, dass die hochgradig entgegenkommende Geldpolitik auf absehbare Zukunft das ist, was in der US-Wirtschaft gebraucht wird", sagte er und verwies zudem auf die hohe Arbeitslosenrate, die niedrige Teuerung und die "ziemlich restriktive" US-Fiskalpolitik. Bernanke rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Fed die kurzfristigen Zinsen in den USA auch dann noch nicht erhöhen wird, wenn die Arbeitslosenrate 6,5 Prozent erreichen sollte - was mehr als ein ganzer Prozentpunkt unter dem aktuellen Niveau wäre.

Das Protokoll des jüngsten Treffens der Notenbanker im Juni zeigt zudem, dass die Währungshüter stark gespalten sind, wann genau der beste Zeitpunkt für einen Ausstieg aus dem monatlich 85 Milliarden Dollar schweren Anleihekauf-Programm wäre. Etwa die Hälfte der Mitglieder im geldpolitischen Rat der Federal Reserve ging schon zu Beginn der Gespräche davon aus, dass die Notenbank ihre Käufe bis Ende des Jahres einstellen werde. Im Laufe der zweitägigen Diskussionen stellte sich laut Protokoll zudem heraus, dass einige der Entscheider das Kaufprogramm lieber bis ins Jahr 2014 hinein fortsetzen wollen.

Die Anleihekäufe der Fed waren einer der Hauptgründe für die Goldrally bis Herbst 2011, die den Preis für die Feinunze auf mehr als 1.900 Dollar trieb. Anleger wollten sich mit dem Edelmetall vor allem gegen eine steigende Inflation und einen Kursverfall beim Dollar absichern. Zudem erhöht die insgesamt höhere Liqudidität die Investmentnachfrage nach Gold.

Physische Käufer reagieren sehr sensibel

Kommentare zur zukünftigen Strategie der Fed bei den Anleihekäufen sorgen deshalb regelmäßig für Ausschläge am Goldmarkt. Deuten sich anhaltende Käufe von Wertpapieren durch die US-Zentralbank an, seien das positive Nachrichten für den Goldmarkt, da dann das Interesse am Gold steige, sagt Analyst Hunter Hillcoat von Investec Securities. Ob das Edelmetall jedoch seine jüngsten Gewinne halten könne, sei ungewiss, fügt er hinzu.

In den vergangenen Monaten hat der Goldpreis stark geschwankt. Nachdem der Preis für die Feinunze von Anfang bis Mitte Mai rund 250 Dollar auf 1.354 Dollar eingebüßt hatte, erholte er sich anschließend zwar wieder etwas bis auf 1.450 Dollar, brach aber bis Ende Juni wieder deutlich ein und rutschte sogar unter die Schwelle von 1.200 Dollar.

Die 20 größten Goldreserven der Welt

Angesichts dieser deutlichen Kursbewegungen dürften sich Anleger bei Wetten auf anziehende Kurse nun eher zurückhalten, prognostiziert Hillcoat. Zudem könnten anziehende Preise die Nachfrage belasten. Anleger, die es auf physische Goldkäufe abgesehen haben, seien besonders preissensibel. Sie stiegen bei niedrigen Preisen ein und bei höheren Preisen wieder aus.

Einige Analysten erwarten dagegen kurzfristig einen weiter anziehenden Goldpreis. "Insgesamt sieht es so aus, als ob Rohstoffpreise in den nächsten Wochen steigen werden", sagt Analyst Edward Meir von INTL FCStone. Nachdem der Markt zuvor noch davon ausgegangen sei, dass die Fed ihre Anleihekäufe bereits im September zurückfahre, werde das nun zunehmend unwahrscheinlicher.

Kontakt zum Autor: francesca.freeman@dowjones.com und hans.bielefeld@dowjones.com

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