• The Wall Street Journal

Europäer kämpfen mit Worten gegen den Währungskrieg

    Von SUDEEP REDDY, TAKASHI NAKAMICHI und BRIAN BLACKSTONE

Europäische und amerikanische Finanzpolitiker wollen ihre Partner im Bund der sieben führenden Wirtschaftsnationen (G-7) zu einer gemeinsamen Erklärung gegen Währungsmanipulationen bewegen. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, versuchten die Staaten noch vor Beginn des G-20-Gipfels Ende der Woche ein solches Papier aufzusetzen.

Ein Konsenspapier der G-7 könnte eine wichtige Leitlinie für die Beratungen der Finanzminister beim G-20-Gipfel Ende der Woche in der russischen Hauptstadt Moskau schaffen, sagten Vertreter der G-7. Beim Finanzministertreffen in Moskau dürfte die Sorge um die internationalen Devisenmärkte im Vordergrund stehen, nachdem Japans Regierung zunehmend gewillt erscheint, den Yen abzuwerten. Politiker weltweit fürchten einen globalen Währungskrieg, bei dem Staaten miteinander knallhart im Außenhandel konkurrieren und ihre Währungen immer weiter abschwächen, um ihre Exporte billiger und attraktiver zu machen.

[image] dapd

Weltweit tobt der Währungskrieg - und niemand kann wirklich absehen, wie er ausgehen wird.

Die G-7-Staaten USA, Kanada, Japan, Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien haben sich einst verpflichtet, nicht im Alleingang auf den Währungsmärkten einzugreifen. Stattdessen sollen sich die Wechselkurse auf dem freien Markt bilden. Eine Intervention wäre dem G-7-Credo zufolge nur dann erlaubt, wenn die Mitgliedstaaten gemeinsam versuchen wollten, eine übermäßig schwankende Währung zu zähmen.

Eine gemeinsame Erklärung, wie sie zurzeit diskutiert wird, soll diese Grundsätze noch einmal betonen. Die G-7-Regierungen wollen die Lage auf den Währungsmärkten in den nächsten Tagen auf jeden Fall auch einzeln kommentieren – auch wenn sie sich vielleicht nicht auf ein gemeinsames Konsenspapier einigen sollten.

Der Yen ist stark gefallen - das Ausland ärgert sich

Momentan dürfte sich vor allem Japan gegen eine solche Erklärung sträuben. Die Japaner könnten den Vorstoß zu einem Konsenspapier als Kritik an ihrer neuen geldpolitischen Leitlinie empfinden. So lassen der neue japanische Premierminister Shinzo Abe und andere japanische Regierungsvertreter immer deutlicher durchblicken, dass sie einen spezifischen Wechselkurs für den Yen anstreben und dazu auch die Gesetzeslage ändern würden. Zudem hat die japanische Zentralbank ihre Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren drastisch erhöht und sich ein neues Inflationsziel gesetzt. Der Yen ist bereits stark gefallen – zum Missfallen des Auslands.

Japans führender Währungsdiplomat, Takehiko Nakao, der Vize-Finanzminister, wollte sich zum Stand der G-7-Diskussionen nicht äußern. Andere japanische Regierungsvertreter erklärten, sie wüssten von den Gesprächen nichts und glaubten auch nicht, dass ein solcher Schritt notwendig sei. Ein hochrangiger japanischer Regierungsvertreter antwortete auf die Frage nach einem neuen Konsenspapier der G-7: „Ich glaube nicht, dass das passieren wird."

„Es wird derzeit schwierig sein, einen Konsens zu finden", sagt auch Morris Goldstein von Washingtoner Peterson Institute for International Economics und früher Volkswirt beim Internationalen Währungsfonds. Es gebe aktuell keine allgemein anerkannten Leitlinien darüber, was akzeptabel sei und was nicht.

Auch die US-Notenbank Federal Reserve hat die Welt mit ihren ausufernden Anleihenkaufprogrammen wegen der Folgen für den US-Dollar aufgeschreckt. Aber Japan hebt sich mit seiner Bereitschaft, aktiv ins Währungsgeschehen einzugreifen, von den übrigen G-7-Staaten noch stärker ab. Im Jahr 2011 intervenierte Tokio gleich zwei Mal auf dem Devisenmarkt, in dem die Verantwortlichen Dollars kauften und Yen verkauften. Und vor um den Jahreswechsel 2012/13 herum verschärfte die Regierung ihre Rethorik für einen schwachen Yen noch einmal deutlich. Das, fürchten die Regierungen im Ausland, wird zwangsläufig zu Lasten anderer Währungen gehen.

Kampf um Investoren und Renditen

Viele entwickelte Volkswirtschaften versuchen die Konjunkturflaute, in einigen Fällen sogar Rezession, durch zum Teil aggressive Lockerungen ihrer Geldpolitik zu überwinden. Das habe ihre Währungen geschwächt, die Produktionskosten gedrückt und so die Wettbewerbsposition verbessert. Dazu haben die niedrigen Zinsen in den Industriestaaten die Investoren, die nach besseren Renditen suchten, in schneller wachsende Schwellenländer getrieben. Das habe dort Druck auf die Wechselkurse ausgelöst

Einige Länder, an der Spitze die Schweiz und China, bemühen sich sogar offen um eine Obergrenze für die Aufwertung ihrer Währungen. China, lange Zeit in der G-20 unter Druck, den Wert des Yuan zu erhöhen, hat dies zu einem gewissen Grad gegenüber dem Dollar zugelassen. Allerdings sieht die US-Regierung noch immer viel Spielraum für eine weitere Aufwertung der chinesischen Währung.

Momentan scheinen US-Regierungsvertreter im Stillen ihre japanischen Partner davon überzeugen zu wollen, auf offizielle Erklärungen zu Wechselkurszielen zu verzichten.

Angesichts der schwierigen Konjunkturlage weltweit haben hochrangige Regierungsvertreter von Lateinamerika bis Asien gewarnt, auch sie könnten als Gegenschlag ihre Währungen abwerten. Sogar Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte der Eurozone vorgeschlagen, aktiv zu werden, um den Wert des Euro zu drücken.

Ohne internationale Währungsregeln, Strafen oder Sanktionen werden mehr und mehr Länder darüber nachdenken, über höhere Exporte als Folge einer schwächeren Währung ihr Wachstum anzuschieben, sagt Goldstein.

Sollte die G-7 sich doch auf eine gemeinsame Linie verständigen, dürfte sich dies auf Absichtserklärungen beschränken. Aussagen wie es sei notwendig einen Abwertungswettlauf zu verhindern und sich darüber zu konsultieren, mag das Papier dann enthalten, so Goldstein, aber keine wirksamen Verpflichtungen.

Zwei Lager innerhalb der G-20-Gruppe

Auch die brasilianische Regierung geht davon aus, dass die Bewegungen an den Devisenmärkten beim G-20-Treffen diskutiert werden, zumindest informell. Denn offiziell steht das Thema nicht auf der Agenda. An Diskussionen angesichts der anhaltenden Kontroversen wegen der ultralockeren Geldpolitik in vielen entwickelten Staaten führe kein Weg vorbei, sagt ein hochrangiger Mitarbeiter in Brasilia. Die Tendenz zu schwächeren Währungen der Industriestaaten dürfte sich auch auf Brasilien auswirken.

Zusätzlich werde seine Regierung die großen Wirtschaftsnationen dazu drängen, ihre Ausgaben zu erhöhen, um so die Weltkonjunktur wieder in Schwung zu bringen. Er erwarte zwar keine eindeutigen Aussagen dazu im Abschlusskommunique, doch es sollte die Einschätzung enthalten sein, dass fehlendes Wachstum derzeit ein Problem sei, das angegangen werden müsse.

Die G-20 sei de facto in zwei Lager geteilt. Die Anhänger von Ausgabenprogrammen und die Befürworter eines Sparkurses. Brasilien gehöre der ersten Gruppe an, da es ein Fehler wäre, in Rezessionszeiten die Ausgaben zu senken.

Gerade Europa und einige anderen Regionen hätten derzeit die Spielräume für eine stärkere Stimulierung ihrer eigenen Wirtschaft.

—Mitarbeit: Gerald Jeffris, Tatsuo Ito und Ian Talley

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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