• The Wall Street Journal

Apple testet Computer fürs Handgelenk

    Von JESSICA E. LESSIN

Der Technologieriese Apple arbeitet offenbar an einem neuartigen Telefon fürs Handgelenk – ein armbanduhrartiges Gerät, das einige Funktionen des Smartphones übernehmen soll. Das berichten Personen, die von den Ideen im Konzern wissen.

Apple habe bereits mit seinem riesigen Auftragsfertiger Hon Hai Precision Industry gesprochen, sagt eine der Quellen. Zusammen überlegen die Unternehmen, wie eine neue, große Produktlinie aussehen könnte, die dann zusätzlich zu Smartphones und Tablets auf den Markt kommen würde.

Associated Press

Technologieriese Apple versucht, Smartphone und Armbanduhr zu vereinen.

Verschiedene Konzerne, darunter Nike, Pebble und Jawbone haben bereits eine Reihe von Geräten fürs Handgelenk entwickelt. Die messen vor allem Körperfunktionen, wollen beim Abnehmen helfen oder zeigen die Geschwindigkeit beim Fahrradfahren an. Google experimentiert mit computerartigen Brillen. Aber um anspruchsvollere Armband-Computer zu bauen, müssen Ingenieure noch große technische Hürden meistern. Technologiekonzerne sind trotzdem zunehmend gewillt, Geld in diesen Forschungsbereich zu stecken.

Foxconn – der Name, unter dem Hon Hai auch bekannt ist - arbeitet nach Auskunft eines Insiders bereits seit einiger Zeit an verschiedenen Technologien für solche Armbanduhr-Geräte. Das Unternehmen hat sich speziell daran gesetzt, die Bildschirmanzeigen energieeffizienter zu machen, und forscht mit Chip-Herstellern an noch schlankeren Bauteilen. Von dem Ergebnis würden am Ende verschiedene Foxconn-Kunden profitieren, sagt die Person.

Apple hat schon Sensor-Spezialisten angestellt

Es ist noch unklar, was ein Apple-Computer fürs Handgelenk alles können würde. Aber Analysten und Investoren, die sich mit der Forschung in dem Bereich auskennen, schätzen, dass ein solches Zukunftsgerät eine Vielzahl verschiedener Funktionen besitzen werde und eng auf das iPhone abgestimmt sein dürfte.

Apple schaue sich dieses Feld schon seit geraumer Zeit genauer an, sagt einer, der von Apples Forschungsanstrengungen weiß. Der Konzern habe in den letzten Jahren gezielt Mitarbeiter an Bord geholt, die sich mit Sensoren und damit zusammenhängenden Technologien auskennen.

Unternehmensvertreter meldeten sich auf die Anfrage nach einer Stellungnahme nicht zurück. Ein Foxconn-Sprecher war nicht zu erreichen. Vor Kurzem hatte schon die US-Zeitung New York Times berichtet, dass Apple an armbanduhrartigen Geräten herumtüftelt.

Die Idee ist grundsätzlich nicht neu und taucht seit Jahren immer wieder in Comics und Spionage-Geschichten auf. IT-Konzern Microsoft stellte im Jahr 2003 auf einer Messe für Unterhaltungselektronik in Las Vegas eine neuartige Technologie für Computer-Uhren vor, die zwar später von Uhrenherstellern aufgegriffen wurde, aber bisher wenig erfolgreich war.

Reuters

Andere Konzerne haben bereits verschiedene High-Tech-Uhren - wie diese hier von Sony - entwickelt, aber mit bislang eher geringem Erfolg.

Nun ist das Thema bei Technologiekonzerne wieder en vogue. Sie versuchen, in neue Wachstumsbereiche vorzudringen, weil der Markt für Smartphones in Ländern wie den USA bereits an die Sättigungsgrenze stößt. Traditionelle Rechner- und Kommunikationstechnologien verlieren an Bedeutung. Sensoren, die verschiedene Informationen gleichzeitig verarbeiten, dagegen werden immer häufiger genutzt. Entsprechend versuchen Unternehmen, Computertechnologien breiter einzusetzen und in neuartigen Geräten einzubetten.

Diese Geräte dürften künftig automatisch Informationen sammeln und übertragen – der Nutzer bräuchte dann selbst nichts mehr zu tun. Solche Alleskönner-Armbanduhren sollen in manchen Situationen praktischer sein als Computer oder Telefone. Einige Analysten glauben bereits, dass Handgelenkgeräte irgendwann die Smartphones komplett ersetzen werden. Was bisher entwickelt wurde, sei allerdings wenig massentauglich, warnen andere.

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