• The Wall Street Journal

Schmalspur-Umbau bei Skandalbank Barclays

    Von MAX COLCHESTER und DAVID ENRICH

Der neue Barclays -Chef Antony Jenkins steht für eine andere Ära bei der britischen Großbank. Nach dem Libor-Skandal hat er den damaligen Chef Robert Diamond abgelöst, um neue Sitten bei dem Geldhaus einzuführen – denn das hat nicht nur bei Regulierungsbehörden und Politikern einen schlechten Ruf, sondern auch bei der britischen Öffentlichkeit.

Nach sechs Monaten an der Spitze von Barclays wird CEO Jenkins am Dienstag die neue Strategie der Bank vorstellen. Doch von einem radikalen Umbau kann nicht die Rede sein: Der Kurs wird im Wesentlichen der gleiche bleiben, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen.

„Wir haben es verstanden", soll Jenkins laut dem vorab veröffentlichten Redetext im roten Backsteingebäude der königlichen britischen Gartengesellschaft in London sagen. „Unsere alten Verhaltensweisen waren nicht die richtige Art, sich zu benehmen. Und sie haben nicht die richtigen Ergebnisse gebracht – nicht für die Banken und nicht für die Gesellschaft".

dapd

Die Zentrale der Barclays-Bank im Londoner Bankenviertel Canary Warf - das Ansehen des Hauses ist nach dem Libor-Skandal schwer beschädigt.

So darf die Rede als der neueste Versuch der Bank gelten, sich als ein sympathischeres, netteres Institut zu präsentieren – das zufällig auch Geld verdient. Doch Jenkins, ein sanft sprechender 51-Jähriger, der Karriere im Privatkundengeschäft gemacht hat, dürfte keine großen Änderungen ankündigen. Er hatte die Bank in 75 Einheiten aufgespalten, mit dem Ziel, unprofitable und imageschädigende Einheiten auf mittlere Sicht loszuwerden.

Die Investmentbank von Barclays etwa, die in den ersten neun Monaten des Jahres 2012 mehr als die Hälfte der umgerechnet sieben Milliarden Euro an Vorsteuergewinnen verdient hat, wird in ihrer Struktur gleich bleiben – auch wenn laut eingeweihten Personen rund 2.000 Banker, oder ein Zehntel der Belegschaft, gehen müssen.

Andere Kürzungen sind ebenso vom Wunsch getrieben, das angekratzte Image der Bank zu verbessern. So dürften manche Bereiche auf der roten Liste enden, die nicht als „gesellschaftlich sinnvoll" gelten. Etwa der profitable Handel mit Agrarrohstoffen wie Kaffee – denn die Kritik wird lauter, dass die Spekulation in diesem Bereich zu Preisanstiegen von Nahrungsmitteln beiträgt.

Auch das Geschäft mit der Steuerplanung will die Bank zurückfahren. In diesem Bereich berät die Bank Kunden, wie sie ihre Steuerlast minimieren. In Zukunft will das Institut etwa den Klienten nicht mehr bei Transaktionen helfen, die keinen anderen Zweck haben, als Steuern zu sparen. Das sei „inkompatibel mit unseren Zielen", wird Jenkins am Dienstag laut Manuskript sagen. Aber die Bank steigt nicht ganz aus diesem Bereich aus. Eingeweihte Personen sagen sogar, dass in der Abteilung kürzlich Angestellte eingestellt wurden.

In anderen Bereichen dürfte Jenkins vor allem kürzen, weil die Bank dort der Konkurrenz hinterherhinkt. Das ist etwa beim Kauf und Verkauf von Beteiligungen in Asien und Kontinentaleuropa der Fall, sagen Analysten und Personen aus anderen Banken. Ex-Chef Diamond hat in diesen Bereichen eine ambitionierte Expansion angeführt, aber Barclays bleibt in der zweiten Reihe.

Jenkins hat sich im vergangenen halben Jahr seit dem Dienstantritt statt mit strukturellen Änderungen eher mit dem Image der Bank beschäftigt – mit einem Kulturwandel will er erreichen, dass das Haus von innen wie von außen anders betrachtet wird. So hat er Ende vergangenen Jahres 125 Führungskräfte der Bank in London zu einer Diskussion der Kultur der Bank geladen. An anderen Unternehmen in Schwierigkeiten sollten die Manager lernen – und am Beispiel des Römischen Reiches, das als Warnung für Überheblichkeit präsentiert wurde. In einer anderen Präsentation lernten die Chefs, wie sich öffentliche Zoos von Unterhaltungsbetrieben zu Orten wandelten, an denen Menschen etwas lernen konnten.

Jetzt geben rund 1.000 trainierte Mitarbeiter ihr Wissen an den Rest der Bank weiter, sagte Jenkins kürzlich zum britischen Parlament. Neue Köpfe sollen den Erneuerungsprozess beschleunigen. So etwa der neue Vorsitzende der Bank, David Walker. Der ehemalige Mitarbeiter der britischen Notenbank ist ein Experte in dem, was die Angelsachsen Corporate Governance nennen – ethische Unternehmensführung. Hector Sants, früherer Chef des Finanzregulierers in Großbritannien, leitet den Compliance-Bereich. Andere Führungskräfte sollen in diesem Jahr dazukommen. Denn viele von Diamonds Gefolgsleuten haben die Bank schon verlassen, oder werden das bald tun – zuletzt der Finanzchef und der oberste Rechtsberater.

Der sonst eher moderate Jenkins hat in der vergangenen Woche die Öffentlichkeit mit einer drastischen Ansage dazu überrascht: „Kaputtmachen" will er das Erbe von Bob Diamond. Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache.

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