• The Wall Street Journal

Schlechterer Kaffee wird immer beliebter

    Von LESLIE JOSEPHS
Agence France-Presse/Getty Images

Das erste Starbucks in Ho-Chi-Minh-Stadt: Laut Prognosen wird die Robusta-Ernte in Vietnam sinken.

Die einfache Kaffeesorte Robusta, die meistens zu Nescafé und anderen Instant-Kaffees verarbeitet wird, gewinnt an Geltung. Am Rohstoffmarkt ist der Preis für Robusta-Kaffee im vergangenen Jahr aufgrund der steigenden Nachfrage um 13 Prozent gestiegen.

Vor allem preissensible Käufer, etwa in Russland und Brasilien, setzen verstärkt auf Robusta-Kaffee. Die Nachfrage nach Arabica-Bohnen, die vor allem in den USA und Europa konsumiert werden, ist aufgrund der schwachen Konjunktur in diesen Regionen kaum gestiegen; den Preis hat das um 37 Prozent gedrückt.

Viele Investoren halten ein Auge auf die schrumpfende Preisdifferenz zwischen Robusta- und Arabica-Bohnen. Am Donnerstag schlossen Arabica-Futures bei einem Sieben-Wochentief von 1,4030 Dollar pro Pfund. Robusta-Futures erreichten gleichzeitig beinahe ein Vier-Monatshoch von 95,2 Cent pro Pfund. Diese Lücke von 45 Cent ist die kleinste seit April 2009. In den vergangenen zwei Jahren lagen die beiden Sorten durchschnittlich 1,0972 Dollar pro Pfund auseinander.

Investoren, die zuvor lieber in den stärker gehandelten Markt für Arabica-Bohnen investierten, bekommen jetzt eine Alternative. Robusta-Bohnen sind weiterhin billiger, wodurch Nahrungsmittelkonzerne ihnen vorerst treu bleiben werden.

„Die aktuelle Weltkonjunktur verlangt billigere Kaffeesorten auf den Supermarktregalen", sagt Gustavo Moretti, ein Händler bei Ecom Agroindustrial im brasilianischen Santos, die zu den größten Kaffeekonzernen der Welt gehört.

Doch viele Kaffeefans gehen den Robusta-Bohnen weiterhin aus dem Weg. Starbucks bietet in seinen Cafés ausschließlich Arabica-Kaffee an, selbst in Vietnam, dem größten Robusta-Produzenten der Welt. Selbst Fast-Food-Ketten wie Kentucky Fried Chicken locken Kunden in Südafrika mit „100 Prozent Arabica-Kaffee".

Doch das deutlichste Anzeichen für den neuen Trend sind die Berge an Kaffeebohnen in den Lagerhäusern. Börsenzertifizierte Vorräte an Arabica-Bohnen sind im vergangenen Jahr um 72 Prozent auf 2,6 Millionen Säcke zu je 60 Kilogramm gewachsen – ein Zeichen für die schrumpfende Nachfrage. Die Vorräte an Robusta-Bohnen sind im selben Zeitraum um 55 Prozent geschrumpft.

Im Rogers International Commodity Index wurden Arabica-Futures im Januar mit Robusta-Futures ersetzt. Etwa sechs Milliarden Dollar an Anlagegeldern sind in Produkte investiert, die diesen Rohstoffindex abbilden, sagt Tom Price, CEO des Brokerhauses Price Futures Group.

„Der Konsum bewegt sich in diese Richtung, und wir wollen der Zeit etwas voraus sein", sagt Jim Rogers, ein Rohstoffinvestor, der den Index zusammengestellt hat.

Emil van Essen, ein Rohstoffhandelsberater in Chicago, der 400 Millionen Dollar verwaltet, sagt, er rechne damit, dass sich die Lücke zwischen Robusta und Arabica weiter schließe. In den nächsten zwei Monaten will van Essen Robusta-Bohnen zu seinem 17 Rohstoffe großen Portfolio hinzufügen.

Einige Händler glauben, dass die Lücke auf bis zu 40 Cent pro Pfund schrumpfen könnte. Dann wäre der Anreiz für die Kaffeeröster größer, mehr Arabica-Bohnen in ihren Mischungen zu verwenden, glauben Händler und Analysten.

Die International Coffee Organization schätzt, dass die Nachfrage nach Robusta-Kaffee bis 2015 jährlich um sechs Prozent wachsen wird. Die Nachfrage nach Arabica-Bohnen soll voraussichtlich jährlich um ein Prozent wachsen.

Prognosen über das Angebot an Robusta-Bohnen spielen auch eine Rolle bei dem Preisanstieg. Analysten bei der Macquarie Bank schätzen, dass die aktuelle Robusta-Ernte in Vietnam sieben Prozent kleiner wird als vergangenes Jahr, da es während der Blütezeit der Pflanzen kaum geregnet hat.

Bauern in Brasilien ernteten vergangenes so viele Arabica-Bohnen wie noch nie, und Analysten schätzen, dass die Ernte dieses Jahr noch größer wird. Brasilien ist der wichtigste Produzent dieser Bohnen.

Angebotsprognosen liegen jedoch oft daneben. Nur wenige Händler hätten zum Beispiel damit gerechnet, dass Vietnam vergangenes Jahr eine Rekordmenge an Robusta-Bohnen exportieren würde, da massive Überschwemmungen den Betrieb an wichtigen Transportzentren zu stören drohten.

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The lowly robusta bean, a variety that often winds up in Nestle's Nescafé and other instant coffees, is moving up in the world. Leslie Josephs joins Markets Hub. Photo: Getty Images.

Der steigende Preis des Robusta-Kaffees könnte auch dazu führen, dass wieder mehr Arabica-Kaffee gekauft wird. „Ein Teil der Nachfrage wird sich wieder in die andere Richtung bewegen", sagt Shawn Hackett, Vorsitzender des Brokerhauses Hackett Financial Advisors in Florida.

Einige Analysten glauben, dass Wetterumstände und Krankheiten die Arabica-Ernte gefährdet. Diese Faktoren könnten das Angebot schmälern und die Preislücke wieder vergrößern.

Derzeit werden Robusta-Bohnen selbst in Brasilien beliebter. Das Land ist der zweitwichtigste Produzent dieser Sorte. 2012 fielen die Robusta-Exporte aus Brasilien um 57 Prozent, was ein Anzeichen für eine stärkere heimische Nachfrage sei, sagt Guilherme Braga, Direktor eines Branchenverbands brasilianischer Kaffeeexporteure.

Die weltweite Lust auf Robusta-Kaffee sei Teil eines breiteren Trends, der den Kaffeepreis in den nächsten zehn bis 15 Jahren beeinflussen könnte, sagt Art Liming, Futures-Spezialist bei der Citigroup.

—Mitarbeit: Neena Rai

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