• The Wall Street Journal

Neue Höhenflüge für irische Anleihen

    Von NEELABH CHATURVEDI und TOMMY STUBBINGTON

Irische Staatsanleihen laufen gegenwärtig kräftig nach oben. Im Gegenzug haben sich die Renditen seit dem Sommer halbiert. Das Land muss nun für neue Schulden weniger bezahlen als Italien - und dies gerade mal zwei Jahre, nachdem Irland als zweites Land der Eurozone unter den Rettungsschirm geschlüpft ist.

Agence France-Presse/Getty Images

Irland hat mit der EZB eine Restrukturierung der Schulden vereinbart, die das Land wegen der angeschlagenen Anglo Irish Bank aufnehmen musste.

Nachdem in der vergangenen Woche ein Abkommen zur Erleichterung der irischen Schuldenlast getroffen wurde, rechnen etliche Anleger damit, dass die Rally weitergeht. Irland hat mit der EZB eine Restrukturierung der Schulden vereinbart, die das Land wegen der angeschlagenen Anglo Irish Bank aufnehmen musste.

Die Käufer irischer Anleihen werden gleich von mehreren Faktoren angelockt. Zum einen von der wachsenden Wirtschaft des Landes, dann der Bemühung Irlands, die Auflagen des Rettungsprogramms zu erfüllen, und nicht zuletzt von den Maßnahmen der EZB zur Stabilisierung der Eurozone.

Doch es gibt noch einen weiteren Lockvogel: Die Hoffnung nämlich, dass Irland die gewaltigen Schulden umstrukturieren kann, die zur Rettung des Bankensektors nach der Immobilienblase gemacht wurden. Diese Hoffnung erhielt neue Nahrung durch die Vereinbarung der irischen Regierung mit der EZB am Donnerstag.

Irland kann sich von internationaler Hilfe unabhängig machen

Demnach sollen die kurzfristigen Schuldtitel im Umfang von 25 Milliarden Euro durch langfristige Papiere ersetzt werden. Die Schulden hatte Irland zur Hilfe für zwei angeschlagene Banken aufgenommen, die Anglo Irish und die Irish Nationwide. Die beiden Banken waren im Zuge der Hilfsmaßnahmen fusioniert und in eine Bad Bank überführt worden.

Die erste der neuen Schuldverschreibungen dürfte kaum vor 2038 auslaufen, so dass sich die Regierung nicht um eine baldige Begleichung sorgen muss. Nicholas Gartside, Leiter des Bereichs internationale Anleihen bei J.P. Morgan Asset Management, sagt, sein Haus sei bei irischen Anleihen positiv gestimmt.

Nach der irischen Milliardenhilfe für die Banken waren Investoren abgeschreckt worden, das Land war faktisch von den Anleihemärkten ausgeschlossen. Nun hat die Regierung mitgeteilt, dass die Restrukturierung die notwendige neue Schuldenaufnahme in den nächsten zehn Jahren um 20 Milliarden Euro vermindert und das Defizit auf kurze Sicht um eine Milliarde Euro gesenkt wird. Die Vereinbarung dürfte es dem Land ermöglichen, sich von internationaler Hilfe unabhängig zu machen und wieder auf dem gewöhnlichen Weg Anleihen zu begeben, wie Analysten sagen.

Die Investoren reagierten denn auch enthusiastisch auf die Mitteilung vom Donnerstag, die irischen Renditen liefen deutlich nach unten. So belief sich am Freitag die Rendite irischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis März 2015 - also zwölf Jahre - auf 4,55 Prozent. Zum Vergleich: zehnjährige italienische Papiere rentierten mit 4,56 Prozent.

Irland hat bereits mit einigem Erfolg vereinzelte Anleiheauktionen hinter sich gebracht und war dabei auf eine ordentliche Nachfrage gestoßen. Die jetzige Umstrukturierung dürfte nun dafür sorgen, dass das Land offiziell wieder an den internationalen Anleihemarkt mit regelmäßigen Auktionen zurückkehren kann.

Im vergangenen Monat hat Irland eine im Oktober 2017 auslaufende Anleihe um 2,5 Milliarden Euro aufgestockt. Die Zinsen hierfür beliefen sich auf lediglich 3,31 Prozent, während zur Auflegung der Anleihe im letzten Juli noch 5,9 Prozent geboten werden mussten. Am Freitag rentierte das Papier dann nur mit 2,75 Prozent.

Allerdings geht vielen Teilnehmern die Rally bei den irischen Bonds zu rasch und zu weit. Die Vereinbarung vom Donnerstag könnte die letzte gute Nachricht für die Investoren für lange Zeit sein, sagt Sohail Malik, Portfoliomanager bei ECM.

Italien hat zwar gewaltige Schulden - aber einen großen Reichtum

Er verweist darauf, dass die meisten irischen Staatsanleihen nun niedriger rentierten als die italienischen. Malik sieht dies als ein vorübergehendes Phänomen mit Blick auf die enormen irischen Schulden, den weiter angeschlagenen Immobilienmarkt und die Gefahr für den irischen Export durch den steigenden Euro.

Italien hat zwar ebenfalls gewaltige Schulden, weise aber einen substanziellen heimischen Reichtum auf. "Das kann man von Irland nicht behaupten", so Malik.

Das Verhältnis von Schulden zum BIP wird für Irland 2013 mit 122 Prozent prognostiziert. Für Italien nennt die Europäische Kommission hier zwar eine Zahl von 127,6 Prozent, doch das Land profitiert von großen Sparguthaben der Haushalte und einem robusteren Finanzsektor.

Die Ratingagenturen dürften Irland nach der Restrukturierung dennoch in einem freundlicheren Licht sehen. Aktuell erhalten die irischen Papiere ein Investmentgrade von Standard & Poor's sowie Fitch, wobei letztere einen negativen Ausblick hat. Moody's bewertet die irischen Schulden niedriger und demzufolge als "Ramsch", sieht aber die Vereinbarung vom Donnerstag ebenfalls positiv.

Fitch hatte am Freitag gesagt, dass die Vereinbarung den irischen Mittelbedarf zwar senke, aber nicht ausreichend, um das Rating auf kurze Sicht zu ändern. "Das Abkommen könnte auch mit Blick auf das Kreditrating positiv sein und mehr Anleger anlocken", meint hingegen Gartside von J.P. Morgan.

Zudem könnte es weitere Hilfe von außen geben, in Form des EZB-Kaufprogramms. Die EZB hat sich in ihrem OMT-Programm verpflichtet, Anleihen angeschlagener Länder zu kaufen, sofern diese in der Lage sind, regelmäßig an den Kapitalmarkt zu gehen.

Alessandro Giansanti, Zinsstratege bei der ING, erachtet es beim aktuellen Stand als "höchstwahrscheinlich", dass Irland vollen Zugang zu den Märkten erhält und auch Kandidat für Hilfe aus dem OMT-Programm sei. Dies vermindere stark das Risiko einer künftigen Restrukturierung der irischen Staatsschulden und dürfte die Spreads weiter nach unten bringen, vermutet Giansanti.

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