• The Wall Street Journal

Myanmar streitet Hack-Angriffe auf Journalisten ab

    Von SHIBANI MAHTANI

Nach China steht ein weiterer asiatischer Staat unter Verdacht, sich in private Konten von Journalisten gehackt zu haben: Myanmar. Der Technologiekonzern Google hat eine Reihe von Journalisten, die seinen Email-Dienst Gmail benutzen, gewarnt: Ihre Konten könnten das Ziel von Cyberattacken des Staates sein. Die Regierung in Myanmar hat alle Vorwürfe abgestritten.

Mehr als ein Dutzend Reporter in Myanmar und weitere in Thailand und Indonesien haben die Google-Warnungen von Google erhalten. Sie alle schreiben über Myanmar – und stießen beim Einloggen in ihre Gmail-Konten plötzlich auf ein Popup-Fenster. Darin stand, dass Behörden oder von der Regierung bezahlte Gruppen die Konten zweckentfremden könnten. Sie sollten deshalb ihre Sicherheitseinstellungen verschärfen oder ihre Passwörter wechseln.

dapd

Der Präsidentenpalast in Myanmar - zum Zeitpunkt des Fotos ist der deutsche Außenminister Guido Westerwelle zu Besuch.

Nach den Hackerwarnungen steht nun die Frage im Raum, ob die neue Regierung Myanmars möglicherweise doch nicht so reformorientiert ist wie gedacht und ebenso wie die frühere Militärregierung Journalisten ausspäht.

Ein Sprecher des burmesischen Präsidenten Thein Sein nannte die Anschuldigen „unbegründet". Die Regierung „zweifle an der Echtheit" der Warnungen. Es gebe keine Strategie der Regierung, „Medien-Websites anzugreifen".

Journalisten in Myanmar aber fühlen sich an die jahrzehntelange Militärherrschaft im ehemaligen Burma erinnert. Damals wurden Journalisten durch Zensur, Überwachung und Haftstraften mundtot gemacht. Der neue Präsident hat für eine freiere Medienlandschaft gesorgt. Aber manche Journalisten fragen sich, wie lange der neue Frieden andauert.

Zaw Ye Naung, Chefredakteur des Onlinemediums Eleven Media, weiß nicht, aus welcher Richtung der Angriff kommt: „Wir wissen nicht warum sie uns überwachen, inwieweit sie uns überwachen, und wer diese staatlich unterstützten Gruppen sind." Sechs Journalisten aus seiner Redaktion hatten Warnungen erhalten. Es seien schlechte Nachrichten in einem Land, das sich gerade reformiert, sagt der Chefredakteur.

Myanmar hat ein schwaches Funknetz und nur begrenzten Zugang zum Internet. Viele Reporter verlassen sich auf Gmail, auch um Quellen und Kollegen zu kontaktieren oder Beiträge einzureichen. Denn die Medienhäuser haben weniger aufwändige Firmen-Email-Systeme als etwa die in Deutschland und den USA.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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