• The Wall Street Journal

Barclays will durch Umbau die Kosten senken

    Von CHRISTIANE BENDERS-RÜGER
[image] dapd

Barclays dünnt das Investmentbanking aus - aber es bleibt ein wichtiger Bestandteil des Konzerns.

Die britische Großbank Barclays reagiert mit einem Konzernumbau auf ihren ramponierten Ruf und auf einen Milliardenverlust im vergangenen Jahr. Mit dem Rückzug aus unpopulären Geschäftsbereichen, einem Umbau in der Investmentbank und einer Neuausrichtung im asiatischen und europäischen Aktienmarktgeschäft versucht die Bank einen behutsamen Neustart. Das viel gescholtene Investmentbanking bleibt aber wichtiger Bestandteil des Konzerns.

Auch Arbeitsplätze fallen dem Konzept zum Opfer. Mittelfristig sollen die jährlichen Aufwendungen um 1,7 Milliarden Pfund schrumpfen. Die Kostenquote soll auf 55 Prozent der Bankerträge von derzeit noch 70 Prozent sinken. Auch die Bonuszahlungen fallen künftig weniger üppig aus.

Investmentsparte bleibt Goldesel der Bank

Der neue Barclays-Chef Antony Jenkins hatte die Bank in den vergangenen Monaten einer tiefen Prüfung unterzogen und sich jeden Geschäftsbereich genau angesehen. Nun liegen die Ergebnisse vor: Im laufenden Jahr sollen 3.700 der aktuell 140.000 Stellen abgebaut werden, davon 1.800 in der viel gescholtenen Investmentbank. Die Aussichten für Investmentbanken sind derzeit nicht mehr so rosig wie in der Vergangenheit. Das schwache Marktumfeld und die neuen Vorschriften für die Bankenbranche lassen die Erlöse sinken. Wegen der Schuldenkrise halten die Investoren zudem ihr Geld zusammen. Deshalb stutzen etliche Banken nun dieses riskante und schwankungsanfällige Geschäftsfeld zurecht.

Im Vergleich zu den 23.000 Vollzeitstellen in der Investmentbank von Barclays fällt der Stellenabbau aber recht moderat aus. Und das nicht ohne Grund: Die Investmentbank ist zwar zuletzt mit Skandalen - etwa der Manipulation des Libor-Referenzzinssatzes - unangenehm aufgefallen, sie ist aber nach wie vor der Goldesel der Bank. Im vergangenen Jahr stieg das Ergebnis der Investmentbank vor Steuern um 37 Prozent auf 4,063 Milliarden britische Pfund.

Barclays begründete den Anstieg mit guten Geschäften im Bereich festverzinsliche Wertpapiere, Währungen und Rohstoffe (FICC) und bei den Zeichnungsaktivitäten (Underwriting) in Amerika. Die jetzige Ertragsperle hatte der frühere Barclays-Chef Bob Diamond aufgebaut, der zuvor auch die Investmentbanking-Sparte leitete.

Stellen werden vor allem auf dem europäischen Festland und Asien abgebaut

Barclays-Chef Antony Jenkins sagte während einer Telefonkonferenz, in der Investmentbank seien bereits 1.600 Arbeitsplätze abgebaut worden. Die Verkleinerung der Sparte trifft besonders Asien und das europäische Festland. Das starke Geschäft in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien soll dagegen eher unbeschadet bleiben. Barclays kündigte hier eine "Neupositionierung" an, ohne dies jedoch näher zu erläutern.

Es wird aber deutlich, dass der Barclays-Chef nach wie vor eine starke Investmentbank im Konzern haben will. Einige Aktionärsschützer hatten wiederholt gefordert, Barclays solle sich ein Beispiel an der Schweizer UBS nehmen. Als erste europäische Bank trennt sich die UBS vom Investmentbanking - und kehrt zurück zu ihren Ursprüngen. Im Zuge dessen streicht die Bank über 10.000 Arbeitsplätze. Die UBS zieht damit die Lehre aus dem eigenen Versagen. Dem Anspruch, eine führende Mitspielerin im Handel mit Zinsprodukten zu sein, ist die Bank nie gerecht geworden. Auch die Wettbewerber Deutsche Bank und Credit Suisse haben im Investmentbanking bereits signifikante Einschnitte vollzogen.

Barclays war zwar anders als viele Wettbewerber ohne Staatshilfe durch die Finanzkrise gekommen, wurde in der britischen Öffentlichkeit aber immer wieder wegen der Abhängigkeit vom riskanten Investmentbanking-Geschäft kritisiert. Neben der Investmentbank verfügt Barclays noch über das Kreditkarten- und das Privatkundengeschäft. Im Geschäftsbereich UK Retail and Business Banking erzielte Barclays vergangenes Jahr aber nur ein Ergebnis vor Steuern von 292 Millionen Pfund. Das ist ein verschwindend geringer Beitrag im Vergleich zu den 7,05 Milliarden Pfund, die Barclays 2012 auf bereinigter Basis im Konzern verdiente.

Rote Zahlen

Unter dem Strich rutschte die Bank im vergangenen Jahr aber wegen zahlreicher Sonderposten in die roten Zahlen. Allein die Neubewertung eigener Verbindlichkeiten belastete mit 4,6 Milliarden Pfund. Dies war der Grund dafür, dass der Verlust nach Steuern und Anteilen Dritter mehr als 1 Milliarde Pfund erreichte.

Barclays kündigte an, sich nun unter anderem auf die Kundenaktivitäten in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und auf die Wachstumsmärkte zu konzentrieren. Das europäische Privatkundengeschäft soll umgebaut werden und sich stärker auf wohlhabende Kunden spezialisieren. Die in einen Skandal verwickelte Geschäftseinheit Structured Capital Markets gibt Barclays auf. Das asiatische und europäische Aktienmarktgeschäft wird wie die gesamte Investmentbank neu ausgerichtet. Jenkins hatte das Amt des CEO im August vergangenen Jahres von Bob Diamond übernommen, den die Affäre um Manipulationen auf dem Interbankenmarkt den Job gekostet hatte. Neben den Skandalen um den Referenzzinssatz stand Barclays auch wegen umstrittener Geschäfte mit Steuersparmodellen in der Kritik.

Der Barclays-Chef weiß, dass einige Zeit ins Land gehen wird, bis die Menschen ihre Meinung über Barclays ändern. Jenkins hat deshalb einen Katalog an ethischen Prinzipien festgelegt und klar gemacht, dass die Boni der Banker künftig nicht nur von den Gewinnen sondern auch von der Einhaltung dieser Prinzipien abhängen werden. Für das vergangene Jahr werden die Bonuszahlungen um 17 Prozent zusammengestrichen.

Der Konzernumbau stieß an der Börse überwiegend auf Zustimmung der Investoren. Barclays-Aktien legten am Vormittag um 2,6 Prozent zu.

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