• The Wall Street Journal

Phoenix Solar kürzt radikal

    Von BRITTA BECKS

In der deutschen Solarbranche kriselt es weiter. Das schwächelnde Photovoltaik-Systemhaus Phoenix Solar hat die Reißleine gezogen und sich weit reichende Umstrukturierungen verordnet. Verlustbringende Bereiche sollen abgetrennt werden, um sich künftig auf wachstumsstarke Regionen in Asien und den USA zu konzentrieren. Zudem nimmt Firmenchef und Gründungsvorstand Andreas Hänel Ende des Monats seinen Hut. Finanzvorstand Bernd Köhler soll Hänels Aufgaben zusätzlich übernehmen.

Die Kapazitäten in Spanien und Italien, wo die Ertragsziele nicht erreicht wurden und die Volkswirtschaften unter der Schuldenkrise ächzen, will das frühere TecDAX-Unternehmen auf ein Minimum reduzieren. Das aus Deutschland heraus betriebene Geschäft im Handels- und Projektbereich soll in seiner bisherigen Form eingestellt werden. Fortgeführt wird dagegen der kleinere, aber profitable Bereich Betriebsführungs- und Wartungsdienstleistungen für Solarkraftwerke am Standort Ulm. Insgesamt sollen den Plänen zufolge etwa 100 Stellen der derzeit insgesamt 260 Jobs zum Opfer fallen.

All das hinterlässt tiefe Spuren in der Bilanz. Wegen der Aufwendungen für den Umbau von 8 Millionen Euro wird sich der operative Verlust 2012 auf rund 32 Millionen Euro belaufen, wie Phoenix Solar schätzt. Bislang hatte das Unternehmen für das abgelaufene Jahr lediglich ein EBIT-Minus von 19 bis 25 Millionen Euro veranschlagt.

Die Umsatzprognose für dieses Jahr ist angesichts der Einschnitte im operativen Geschäft ebenfalls nicht zu halten. So geht das Unternehmen aus Sulzemoos bei München für 2013 nun von einem deutlich reduzierten Umsatzvolumen von 160 bis 190 Millionen Euro aus nach bislang prognostizierten 280 bis 310 Millionen.

Bei der 1999 gegründeten Phoenix Solar AG geht es schon seit einiger Zeit bergab. Bereits im dritten Quartal 2012 musste das Unternehmen, das Photovoltaik-Kraftwerke plant und baut und zudem als Großhändler für Solarstrom-Komplettanlagen und Solarmodule tätig ist, einen massiven Umsatzeinbruch von 64 Prozent hinnehmen. Dem Photovoltaik-Systemhaus macht die schwache Nachfrage nach Solaranlagen und der heftige Preiskampf zu schaffen und hatte darauf bereits mit dem Abbau von 60 Prozent der Arbeitsplätze reagiert.

Neben dem existenzbedrohenden Preisverfall für Solarmodule sehen sich Unternehmen aus der Photovoltaik-Branche in Deutschland auch den Auswirkungen der massiven Förderkürzungen für Solarstrom gegenüber. Phoenix-Solar-Finanzchef Köhler monierte denn auch die regulatorischen Eingriffe zuungunsten der Photovoltaik.

Kontakt zum Autor: britta.becks@dowjones.com

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