• The Wall Street Journal

Einhorn will aus Apple Bares quetschen

    Von TELIS DEMOS

David Einhorn beschreitet mit seinem Vorgehen gegen Apple einen neuen Weg, mit dem Aktionäre an die riesigen Geldreserven des iPhone-Herstellers gelangen sollen. In der vergangenen Woche hat der Milliardär Einhorn, Gründer und Chef des Hedgefonds Greenlight Capital, vorgeschlagen, dass Apple "unbefristete Vorzugsaktien" mit einer hohen Dividendenrendite ausgeben soll.

Es wäre eine Lösung für ein altes Problem: Firmen, die zu viel Bares besitzen. US-Unternehmen halten seit 2008 ungewöhnlich hohe Summen in ihren Schatzkammern. Das ist zum Teil den Sorgen um mögliche Kreditklemmen in Zeiten der Finanzkrise geschuldet, zum Teil dem Problem, in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld profitable Investitionsmöglichkeiten zu finden.

AFP/Getty Images

Viele Unternehmen wie Apple - die wenig oder gar keine Schulden haben - versuchen das Steuerproblem zu umgehen, indem sie Anleihen ausgeben und mit den Erlösen Dividenden ausschütten oder Aktien zurückkaufen.

Aber einige Anleger sind mit Blick in die Zukunft deutlich zuversichtlicher, so dass der Druck der Aktionäre zunimmt, das Geld wieder arbeiten zu lassen. "Der Markt reagiert positiv auf Unternehmen mit viel Bargeld, die dieses effizient unter den Aktionären aufteilen, statt riesige Geldreserven aufzutürmen", sagt Craig Orchant, Partner bei EA Markets LLC.

Viele Unternehmen geben ansehnliche Dividenden aus oder kaufen Aktien zurück, was den Wert der verbliebenen Aktien stützt. Doch diese Schritte haben Finanzexperten zufolge auch Nachteile. Einer ist, dass die Ankündigung einer Dividende das Unternehmen langfristig belasten kann, weil es sich nun unter Druck sieht, diese Ausschüttungen immer wieder vorzunehmen. Denn normalerweise werden Aktien abgestraft, wenn plötzlich Dividenden gekürzt oder gar ganz gestrichen werden. Finanzvorstände, vor allem von schnell wachsenden Unternehmen, sind deshalb sehr vorsichtig mit der Einführung einer Dividende.

Zudem kann es für Unternehmen mit einer riesigen Marktkapitalisierung wie Apple sehr teuer sein, eine Dividende zu zahlen, die eine deutlich bessere Rendite liefert als im Schnitt der breite S&P-500-Index – der aktuell laut FactSet bei 2,1 Prozent liegt.

Apple will schon 45 Milliarden Dollar ausschütten

Im vergangenen März kündigte Apple an, in den folgenden drei Jahren über Dividenden und Aktienrückkäufe 45 Milliarden U-Dollar an die Aktionäre auszuschütten. Damit weisen die Aktien laut FactSet aktuell eine Dividendenrendite von 2,2 Prozent auf. Jeder weitere Prozentpunkt Rendite würde Apple bei einem Marktwert von derzeit 450 Milliarden Dollar weitere rund 4,5 Milliarden Dollar pro Jahr kosten.

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Wenn ein Konzern wie Apple noch deutlich mehr Kapital ausschütten möchte, etwa mit hohen Sonderdividenden oder Aktienrückkäufen, könnte das Problem aufkommen, Unternehmensgelder im Ausland anzapfen zu müssen, schrieb Einhorn am vergangenen Donnerstag in seinem öffentlichen Brief an Apple.

Apple hat im Ausland zuletzt hohe Gewinne angehäuft. Stand Dezember hielt der Technologiekonzern in seinen Auslandstöchtern 94,2 Milliarden Dollar an Cash und kurzfristigen Anlagen. Insgesamt belaufen sich diese Reserven laut dem jüngsten Quartalsbericht auf 137,1 Milliarden Dollar.

Auslandsgewinne nach Hause zu holen zieht aber Steuerzahlungen nach sich, und das US-Steuerrecht betrachtet einen Aktienrückkauf oder die Auszahlung einer Dividende als eine Form von Kapitalrückführung.

Viele Firmen wie Apple – die derzeit wenig oder gar keine ausstehenden Schulden haben – versuchen um das Steuerproblem herumzukommen, indem sie Anleihen ausgeben und die Erlöse daraus für Dividendenzahlungen oder Aktienrückkäufe nutzen. Mit diesem Ansatz greift man die Barreserven nicht an, nutzt sie aber als Beweis für eine starke Bilanz. Damit wiederum kann man sich am Markt hohe Summen zu niedrigen Zinsen beschaffen.

Vorzugsaktien kommen Apple günstiger

Aber Einhorns Vorschlag bietet noch eine weitere Alternative. Einhorn sagt, dass Apple mit Vorzugsaktien eine weitere Aktienklasse auflegen könne, die sich an Investoren wendet, die vor allem an regelmäßigen Einnahmen interessiert sind und nicht so sehr auf möglicherweise exorbitante Kurssteigerungen setzen. Während Apple fast 20 Milliarden Dollar aufbringen müsste, um auf die Stammaktien eine Dividende von vier Prozent zu zahlen, würde die gleiche Dividende gerade mal zwei Milliarden Dollar kosten, wenn es Vorzugsaktien für 50 Milliarden Dollar ausgeben würde.

Das ist eine Summe, bei der Apple überlegen müsste, was es mit seinem Auslandsvermögen machen will. Die Dividendenzahlungen wären zwar wie oft bei Stammaktien auf Dauer ausgerichtet, aber die Gesamtaufwendungen würden die finanziellen Optionen des iPhone-Herstellers für künftige Übernahmen, Investitionen in neue Produkte oder Vorsorge für eine mögliche Kreditklemme nicht beschränken, meint Einhorn.

Laut Craig Orchant von EA Markets, der früher Kunden von Barclays dabei geholfen hat, Angebote für Vorzugsaktien zu strukturieren, geben die meisten US-Unternehmen deshalb keine Vorzugsaktien aus, weil sie solche Dividenden anders als Zahlungen für Anleihen nicht von der Steuer absetzen können.

Aber einige Anleger – und zu denen gehört Einhorn – würden selbst dann profitieren, wenn Apple seine Steuerzahlungen nicht optimieren würde. Das liegt daran, dass Inhaber von Vorzugsaktien die Ausschüttungen dafür oft mit einem niedrigeren Satz versteuern müssen als normale Einkommen, weil sie als eingeschränkte Dividenden gelten. Zu dieser Steuerkategorie gehören auch Anleihezahlungen und andere Dividendenformen.

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