New Yorks neuer Bürgermeister heißt wie erwartet Bill de Blasio. Der Demokrat gewann am Dienstag die Bürgermeisterwahl in der amerikanischen Ostküstenmetropole mit immensem Vorsprung. Damit ist de Blasio nach 24 Jahren der erste Demokrat, der den städtischen Spitzenposten übernimmt. Zuvor hatte der parteilose Milliardär Michael Bloomberg drei Amtszeiten lang die Stadt regiert. Er hatte per Gesetz nicht mehr antreten dürfen.

Bill de Blasio, ein Politiker der Demokratischen Partei, ist der neue Bürgermeister von New York. Associated Press

Laut vorläufigem amtlichen Ergebnis nach Auszählung von 59 Prozent aller Stimmbezirke holte de Blasio 73 Prozent aller Stimmen. Sein Rivale Joe Lhota kam demnach auf 25 Prozent der Stimmen. So eindeutig ist in New York im vergangenen Jahrhundert selten eine Bürgermeisterwahl ausgefallen.

Schon kurz nach Schließung der Wahllokale verkündete de Blasios Wahlkampfteam über den Kurznachrichtendienst Twitter die Jubelnachricht: „Danke, New York City!". Später stand der Politiker mit den deutsch-italienischen Wurzeln umringt von seiner Familie auf einer Bühne und rief seinen Anhängern zu: „New Yorks Bürger haben laut und deutlich für einen neuen Kurs in unserer Stadt gestimmt." Am 1. Januar 2014 wird der 52-jährige offiziell sein Amt antreten.

Die Mehrheit der Menschen in New York vertritt eher linksliberale Ansichten, sechs Mal so viele New Yorker sind als Stammwähler bei den Demokraten wie bei den Republikanern eingetragen. De Blasio galt bereits in den Wochen vor der Wahl als klarer Favorit und hatte in den letzten Umfragen mehr als 40 Prozentpunkte vor seinem republikanischen Rivalen Joe Lhota gelegen.

Sympathien bei ethnischen Minderheiten

De Blasio schaut seit 2010 als gewählter Bürgerbeauftragter der Stadtverwaltung auf die Finger. Scharfe Kritik äußerte er an der umstrittenen Praxis willkürlicher Polizeikontrollen, die Kritikern zufolge vor allem Schwarze und Hispanics trifft. Die Sympathien ethnischer Minderheiten sicherte sich de Blasio auch, indem er seiner Frau und den beiden Kindern im Wahlkampf einen prominenten Platz einräumte. Gemeinsam präsentierten sie sich als moderne Familie, in der Hautfarbe und Herkunft keine Rolle spielen.

Diese Botschaft verfing in einer Stadt, in der drei der mehr als acht Millionen Einwohner im Ausland geboren sind und geschätzte 200 Sprachen gesprochen werden. Überhaupt ist de Blasio politisch das Gegenstück des nach zwölf Jahren scheidenden Amtsinhabers Bloomberg, da er eine für US-Verhältnisse ausgesprochen linke Agenda mit Steuererhöhungen für Spitzenverdiener vertritt.

Bei seiner Stimmabgabe im Stadtteil Brooklyn sagte der Kandidat, der die wachsende Ungleichheit zwischen Armen und Reichen in der Metropole seit langem anprangert: „Ich denke, die Leute in dieser Stadt wissen, dass so viele New Yorker nur schwer über die Runden kommen." Mit zusätzlichen Steuereinnahmen will de Blasio die Nachmittagsbetreuung an Schulen ausbauen, eine umfassende Versorgung mit Kindergartenplätzen finanzieren und mehr Sozialwohnungen schaffen.

Sein Rivale Lhota war Ende der 1990er Jahre einer der Stellvertreter des republikanischen Bürgermeisters Rudy Giuliani und leitete später die Verkehrsbetriebe der Stadt. Der 59-jährige Republikaner lehnt höhere Steuern ab und warnte vor steigender Kriminalität im Fall eines Wahlsiegs der Demokraten. Außerdem warf er de Blasio mangelnde Führungserfahrung vor.

—mit Material von AFP

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de