Von Ian Talley

WASHINGTON--Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den Wachstumsausblick für die USA im kommenden Jahr gesenkt. Zugleich griff der IWF in die heiße Debatte über den Ausstieg der Federal Reserve aus ihren Anleihenkaufprogramm ein und empfahl, dass die Notenbank ihre großangelegten Käufe zumindest bis Ende 2013 fortführen sollte. Obwohl mit der Geldflut der Fed das Risiko neuer finanzieller Probleme einhergeht, erklärte der IWF, dass der Nutzen des Programms für die Wirtschaft höher sei als die Kosten.

Für das laufende Jahr bestätigten die IWF-Konjunkturexperten ihre Prognose, wonach sich das Wachstum in den USA auf 1,9 von 2,2 Prozent im vorigen Jahr abschwächen wird. Die Schätzung für das nächste Jahr wurde jedoch deutlich auf 2,7 von 3,0 Prozent zurückgestutzt. Zudem rechnet der IWF in seinem Jahresbericht zu den USA mit einer relativ gedämpften Inflation.

Trotz des Gegenwindes scheine sich die Natur der Erholung in den USA zu ändern, stellte die Sonderorganisation der UNO fest. Die Häuserpreise und die Bautätigkeit hätten den Umschwung geschafft, die Finanzkraft der Privathaushalte lege zu und die Lage am Arbeitsmarkt verbessere sich.

Die Unsicherheit über den Zeitpunkt und die Zügigkeit, mit der die Fed ihr Anleihenkaufprogramm zurückfahren wird, hat in den letzten Wochen und Tagen zu massiven Marktbewegungen geführt, weil die Geldanleger Portfolios umbauen, um bei einem Ausstieg richtig positioniert zu sein.

Der IWF, der Notkredite vergibt und als wirtschaftlicher Berater fungiert, empfahl der Fed, klare Signale an die Märkte zu senden. "Eine effektive Kommunikation über die Ausstiegsstrategie und eine sorgsame Wahl des Zeitpunkts wird entscheidend sein, um die Risiken von abrupten Bewegungen bei den langfristigen Zinsen zu vermindern."

Harte Kritik äußerte der IWF erneut über die Haushaltspolitik der USA. Die Regierung und der Kongress unternähmen nicht genug, um die langfristigen Budgetlöcher zu schließen. Zugleich nahm der IWF die automatischen Spareinschnitte aufs Korn, die die Wirtschaft zu schwer belasteten. Kurzfristig seien die Haushaltskürzungen zu stark und langfristig nicht ausreichend, resümierte der IWF.

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