Von Michael Denzin

Etwas erholt vom Vortagseinbruch haben sich Europas Aktienmärkte am Freitag aus dem Handel verabschiedet. Nach dem Donnerstagsabsturz des Nikkei hatte sich der japanische Index kräftig erholt und damit auch für Europa die Signale auf grün gestellt. Vor allem trieb die Hoffnung, dass die lockere Geldpolitik der US-Notenbank doch nicht so bald endet wie von Anlegern befürchtet.

Dazu passend wurden die Daten zur Produktion und Kapazitätsauslastung der US-Industrie aufgenommen. Sie lagen unter den Markterwartungen - ebenso das US-Verbrauchervertrauen. Damit unterstrichen die Daten das Bild einer schleichenden Wirtschaftserholung, die weiter von der US-Notenbank abhängt. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 0,2 Prozent auf 2.667 Punkte. Der Stoxx-50 inklusive britischer und schweizerischer Aktien notierte jedoch knapp im Minus. Der DAX legte um 0,4 Prozent auf 8.128 Zähler zu.

Für Verstimmung sorgte die deutlich gesenkte Wachstumsprognose des Währungsfonds IWF für die USA. Das verhinderte höhere Kursgewinne. Der IWF senkte den US-Wachstumsausblick für 2014 auf nun plus 2,7 Prozent nach zuletzt 3,0 Prozent. Zudem kritisierte er die US-Staatsfinanzen; sie seien langfristig "auf dem abschüssigen Weg", hieß es. Der Dollar kam daraufhin gegen alle Haupthandelswährungen zurück und trieb den Euro wieder auf fast 1,3350 Dollar nach oben.

Der Blick richtete sich bereits auf die wichtige Sitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche. Ihr Präsident Ben Bernanke dürfte dann hervorheben, dass die Drosselung des Anleihekaufprogramms nur allmählich und nicht auf einen Schlag erfolgen werde. Es werde eine "geraume" Zeit zwischen dem Ende des Kaufprogramms und einer ersten Zinserhöhung liegen, kommentierte dazu Jon Hilsenrath, Fed-Beobachter des Wall Street Journals.

In DAX und Euro-Stoxx erholten sich hauptsächlich die Verlierer des Vortages - angeführt von Rohstoff- und Automobilwerten. Beide Sektoren zählten am Vortag zu den Hauptverlierern. Mit plus 1,5 Prozent lag der Roh- und Grundstoffsektor an der Spitze, nachdem ihn die Citigroup gleich um zwei Stufen auf "Übergewichten" erhöht hatte. Darauf zogen Aktien von Thyssenkrupp um 3 Prozent und von AngloAmerican um 3,2 Prozent an.

Im Automobilsektor ging es im Schnitt um 1,4 Prozent nach oben. Gesucht waren vor allem deutsche Zulieferwerte: Continental-Papiere stiegen um 1,9 Prozent, Leoni gar um 6,3 Prozent. Die französische Valeo-Aktie stieg um 1,2 Prozent. Daimler- und BMW-Titel legten bis zu 1,3 Prozent zu.

Lanxess-Werte profitierten von einer Kaufempfehlung durch Kepler Cheuvreux und stiegen um 2,5 Prozent. Siemens-Anteilsscheine drehten ins Plus und schlossen 0,2 Prozent fester. Hier stützte die Meldung, die Netzwerktochter NSN könne an einen Finanzinvestor verkauft werden. Hochtief sprangen um 5,9 Prozent in die Höhe. Der Baukonzern will eigene Aktien zurückkaufen.

Europäische Schlussstände von Freitag, den 14. Juni 2013:

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             Index               Schluss-  Entwicklung  Entwicklung   Entwicklung 
                                    stand      absolut         in %          seit 
                                                                     Jahresbeginn 
Europa       Euro-Stoxx-50       2.667,32         5,61        +0,2%           1,2 
             Stoxx-50            2.645,62        -1,59        -0,1%           2,6 
             Stoxx-600             291,13         0,62        +0,2%           4,1 
Frankfurt    XETRA-DAX           8.127,96        32,57        +0,4%           6,8 
London       FTSE-100            6.308,26         3,63        +0,1%           7,0 
Paris        CAC-40              3.805,16         7,18        +0,2%           4,5 
Amsterdam    AEX                   347,98         0,75        +0,2%           1,5 
Athen        ATHEX-20              309,97         7,00        +2,3%           0,1 
Brüssel      BEL-20              2.599,33        21,33        +0,8%           5,0 
Budapest     BUX                19.535,21       121,14        +0,6%           7,5 
Helsinki     OMXH-25             2.293,94        27,76        +1,2%           3,8 
Istanbul     ISE NAT. 30        98.243,58      4524,28        +4,8%           0,5 
Kopenhagen   OMXC-20               526,84         0,70        +0,1%           6,2 
Lissabon     PSI 20              5.731,84        37,67        +0,7%           2,0 
Madrid       IBEX-35             8.071,70        -0,80        -0,0%          -1,2 
Mailand      FTSE-MIB           16.152,91        36,57        +0,2%          -0,7 
Moskau       RTS                 1.293,88        32,25        +2,6%         -15,3 
Oslo         OBX                   436,29         0,56        +0,1%           6,3 
Prag         PX                    927,42        -0,56        -0,1%         -10,7 
Stockholm    OMXS-30             1.177,59         4,02        +0,3%           6,6 
Warschau     WIG-20              2.478,43         5,68        +0,2%          -4,3 
Wien         ATX                 2.369,76        19,53        +0,8%          -1,3 
Zürich       SMI                 7.635,96         8,43        +0,1%          11,9 
 
DEVISEN   zuletzt  '+/- %  Fr, 8.30 Uhr  Do, 17.42 Uhr 
EUR/USD    1,3318  -0,25%        1,3351         1,3324 
EUR/JPY  125,4671  -1,01%      126,7468       125,7545 
EUR/CHF    1,2291  -0,23%        1,2320         1,2294 
USD/JPY   94,2100  -0,75%       94,9255        94,4480 
GBP/USD    1,5682  -0,20%        1,5713         1,5700 
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DJG/mod/flf