Twitter-Logo auf einem Smartphone. Die Mehrzahl der Nutzer greift übers Handy auf den Nachrichtendienst zu. Ihnen will Twitter jetzt maßgeschneiderte Werbung unterjubeln. dapd

Unternehmen sollen künftig passgenauere Anzeigen über den Kurznachrichtendienst Twitter schalten können. Wie Twitter am Donnerstag über ein Blog mitteilte, sollen Werbekunden stärkeren Zugriff auf die Nutzerprofile bei Twitter bekommen, um daran ihre Anzeigen auszurichten. Einige Unternehmen fordern das schon lange.

Ein Hersteller von Sportgetränken könnte dann seine bezahlten Anzeigen über Twitter nur Fußballfans zeigen. Die Unternehmen könnten anhand der Kontakte eines Twitter-Nutzers erkennen, ob jemand ein besonderes Interesse an Fußball hat – etwa, weil die Person vielen Fußballspielern oder Sportkommentatoren „folgt" oder entsprechende Nachrichten weiterverbreitet. Twitter betonte, Unternehmen würden nicht den Inhalt der Kurznachrichten lesen, um ihre Werbungen maßzuschneidern.

Werbekunden wollen an die Zielgruppe

Momentan tappen viele Anzeigenkunden noch im Dunkeln, ob ihre Werbungen über Twitter tatsächlich die gewünschte Zielgruppe erreichen. Unternehmen schalten Anzeigen zurzeit dort, wo jemand Nachrichten über ihre Marke verfolgt. Computer können auch eine Zufallsmenge anderer Twitter-Nutzer bilden, die der Marken-Gefolgschaft ähnlich sind. Dann schaltet ein Unternehmen auch dort seine Werbung.

Mehrfach hätten Unternehmen aber schon darum gebeten, die Interessen der Twitter-Nutzer besser ausloten zu dürfen, sagt Kevin Weil, Produktdirektor für Twitters Werbegeschäft. „Sie können dann genau das richtige Publikum auf Twitter erreichen", sagt er.

Dass der Nachrichtendienst dem Drängen der Werbekunden jetzt nachgibt, zeigt, wie wichtig die Anzeigenerlöse für Twitters Zukunft sind. Das Unternehmen aus San Francisco hat mehr als 140 Millionen aktive monatliche Nutzer. Es konnte aber bisher noch weniger als Facebook beweisen, dass es mit seinen vielen Mitgliedern auch Werbegeld verdienen kann.

Auf den Spuren von Facebook

Mit der neuen Transparenz geht Twitter einen ähnlichen Weg wie Facebook, das seine Werbekunden schon seit langem Anzeigen schalten lässt, die sich genau an den Vorlieben und Interessen der Netzwerkmitglieder orientieren.

„Das ist eines der interessantesten Dinge, die Facebook Anzeigenkunden bietet", sagt Jonathan Strauss, Vorstandschef der Social-Media-Marketingfirma Awesm. „Es hat Sinn, dass Twitter jetzt eine eigene Version bringt."

Facebook dürfte aber in dem Werbesegment die Nase vorn haben, weil seine Mitglieder wesentlich mehr über ihre Hobbies und Interessen preisgeben als der normale Twitter-Nutzer. Twitter-Nutzer müssen von vornherein weniger persönliche Daten angeben, um ein Nachrichtenkonto zu erröffnen. Dem Dienst muss deshalb anhand des Kontaktnetzwerks einer Person ergründen, welche Vorlieben ein Nutzer hat.

Die neue Werbestrategie ist Teil einer Reihe von Umwälzungen bei Twitter. Im Winter startete das Unternehmen sein Anzeigenangebot über Mobiltelefone, über die sich die meisten Nutzer anmelden. Außerdem öffnete sich Twitter kleineren Werbekunden und ermöglichte es Unternehmen, ein lokaleres Marketing zu betreiben.

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