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Aktualisiert Freitag, 7. Dezember 2012, 12:31 Uhr

Die Baustellen der Deutschen Bank

Anshu Jain und Jürgen Fitschen haben eine global gut aufgestellte Bank übernommen. Doch die Finanz- und Schuldenkrise und hausgemachte Probleme fordern die beiden seit ihrem Amtsantritt im Juni 2012. Die Aufgaben der Bankspitze - und wo die größten Risiken lauern.

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Dünne Kapitaldecke
Die Kapitalanforderungen steigen und steigen. Viele Analysten monieren daher, die Kapitaldecke der Bank sei zu dünn. Die Bank will dennoch alle Kräfte mobilisieren, um die strengeren Regulierungskriterien von Basel III schon 2013 zu erfüllen. Der alte Vorstandschef Josef Ackermann erklärte wiederholt, die Märkte erwarteten eine viel schnellere Umsetzung als die Aufseher selbst. Zum Ende des dritten Quartals betrug das harte Kernkapital der Bank 10,7 Prozent. Damit ist der deutsche Branchenprimus aber nicht aus dem Schneider, denn die Anforderungen nach Basel III sind deutlich schärfer.

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Eigenkapitalrendite schmilzt
Von dem Ziel einer Eigenkapitalrendite in Höhe von 25 Prozent hat sich die Bank bereits unter Josef Ackermann distanziert. Kürzlich stimmte der neue Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen darauf ein, dass nunmehr für Banken eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent realistisch ist. dapd

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Ehemaliges Zugpferd hinkt
Zu den größten Problemen der Bank gehört der Kollaps der Eigenkapitalrendite im Investmentbanking. Diese Kennziffer, die den jährlichen Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital setzt, ist deutlich gefallen. dapd

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Teure Stellenstreichungen im Investmentbanking
Von den 1.900 Stellen, die die Bank streichen will, fallen 1.500 auf das Investmentbanking. Das bedeutet für die Bank in erster Linie hohe Abfindungen für die Top-Verdiener im Investmentbanking. Analysten rechnen daher mit hohen Zahlungen, die auf die Bank zukommen. Auch bei Sal. Oppenheim will die Bank Stellen streichen. Noch gibt es keine offizielle Zahl. Beobachter rechnen mit 400 bis 500 Stellen, die bei der Traditionsbank wegfallen. Agence France-Presse/Getty Images

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Imageproblem, Teil 1
Die Bank kämpft um ein besseres Bild bei den Kunden. Viele haben den Banken das Vertrauen entzogen. Eine neue Kultur soll aus diesem Grund bei der Deutschen Bank Einzug halten. Ausgerechnet der Investmentbanker Anshu Jain will seinen ehemaligen direkten Mitarbeitern die in der Kritik stehenden Boni streitig machen und das Gehaltsmodell kräftig umkrempeln. Positiver Nebeneffekt: Die Bank spart dabei viel Geld. dapd

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Imageproblem, Teil 2
Das Imageproblem wurde mit der Großrazzia im Dezember noch größer, als mehrere hundert Polizisten die Bank wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung durchsuchten. Bilder von bewaffneten Polzisten, die sich vor der Zentrale in Frankfurt aufstellten, gingen um die Welt. Der Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen fand das unverhältnismäßig und rief beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier an. Prompt wurde er dafür kritisiert, Macht über Recht stellen zu wollen. dapd

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CO2-Skandal
Schwere Vorwürfe stehen auch im Skandal um Steuerhinterziehung bei Umweltzertifikaten im Raum. Der Steuerbetrug im CO2-Skandal sah so aus: Eine Gesellschaft erwarb zu Anfang der Kette das Wertpapier aus dem Ausland. Hierfür zahlte sie keine Umsatzsteuer, wies aber eine solche beim Verkauf des Papiers aus. Der nächste Käufer hatte dann die Möglichkeit, eine so genannte Vorsteuer abzusetzen. Solche Geschäfte fanden dann mehrfach statt. Am Ende der Kette saß nicht selten eine Gesellschaft, die die Papiere ins Ausland verkaufte und sich unberechtigterweise vom Finanzamt die Vorsteuer erstatten ließ.
Die Generalstaatsanwaltschaft glaubt, dass auch bei der Deutschen Bank kräftig mitgemischt wurde. Sie ermittelt auch gegen den Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, der die strittige Steuererklärung unterschrieben hat. Auch gegen Finanzvorstand Stefan Krause laufen Untersuchungen. Die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Bank lauten: Steuerbetrug, Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung. dapd

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Produktdopplungen
Die Bank hat durch die Übernahme der Postbank viele Produktdopplungen. Diese kosten Geld und Arbeitskraft. Hier muss die Bank deutlich straffen, um ihren selbst gesteckten Effizienz-Zielen gerecht zu werden. dapd

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Bauchlandung beim Guggenheim-Deal und anderen Verkäufen
Die Deutsche Bank kommt bei den Verkäufen nicht voran: Sämtliche Versuche, ihr amerikanisches Asset-Management-Geschäft zu verkaufen, sind gescheitert. Auch die BHF konnte sie bislang nicht losschlagen. Immerhin gibt es hier mit der belgischen RHJI eine Interessentin. Ein bei der Finanzaufsicht BaFin vorgelegtes Konzept zur Finanzierung der Transaktion wurde von den Kontrolleuren aber bislang als unzureichend gewertet. Damit ist weiterhin unklar, ob und wann die Transaktion stattfindet. Wenigstens läuft die formelle Prüfung der Transaktion. Das heißt: Ob der Verkauf gelingt oder nicht steht im Frühjahr fest.

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Libor-Skandal
Gegen die Deutsche Bank wird wegen ihrer Rolle im Manipulationsskandal um den Libor-Zinssatz ermittelt. Aufsichtsratschef Paul Achleitner betont, dass kein ehemaliges und aktuelles Vorstandsmitglied involviert sei. Allerdings könne er dies momentan nicht bei allen Mitarbeitern der Deutschen Bank ausschließen. Jedenfalls hat das Institut laut informierten Personen in diesem Zusammenhang den Kronzeugenstatus in der EU und in der Schweiz erhalten. Das ist zwar nicht mit einem Schuldeingeständnis gleichzusetzen, aber die Deutsche Bank wird sich nicht darauf eingelassen haben, ohne im Gegenzug dafür etwas zu erwarten.

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Milliardenklagen
Vor allem in den USA hängen der Deutschen Bank viele Klagen an, weil sich die Kunden über Risiken zum Beispiel bei Wohnbaudarlehen falsch beraten fühlen. Teilweise wird der Bank sogar Betrug vorgeworfen. Ihr drohen auch in Zukunft hohe Zahlungen für Entschädigungen oder Vergleiche.

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Kirch-Prozess
Der inzwischen verstorbene Medienmogul Leo Kirch hatte zu Lebzeiten die Deutsche Bank mit Klagen überzogen. Auch nach seinem Tod geht die Saga weiter. Hintergrund ist ein Interview mit dem ehemaligen Bankchef Rolf E. Breuer, in dem dieser die Kreditwürdigkeit des Kirch-Imperiums in Frage stellte. Ein Vergleich der Bank mit den Erben über 800 Millionen Euro scheiterte. Die Investoren der Bank sahen nicht ein, warum sie für den Patzer des ehemaligen Deutsche-Bank-Vorstands zahlen sollten. Doch eine Einigung wird dringender denn je, nachdem die Richter ein Urteil zugunsten Kirch gesprochen haben. Die Deutsche Bank plant auch dagegen gerichtlich vorzugehen. Eine nicht enden wollene Geschichte.

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Iran
Und noch ein Rechtsstreit: In den USA kämpft die Bank mit laufenden Untersuchungen wegen vermeintlich verbotener Geschäfte mit dem Iran.

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Kasino
Längst nicht ausgestanden ist auch das Abenteuer Kasino in Las Vegas. Eigentlich wollte die Deutsche Bank nur den Bau des Kasinos finanzieren. Als der Bauherr pleite ging, beschloss die Bank aber, das Projekt selber zu Ende zu führen. Inzwischen ist sie Eigentümer des größten Kasinos der Stadt. Momentan suchen die Frankfurter einen Käufer für den Spielpalast. dapd