Als Reaktion auf die jüngsten demokratischen Reformen in Myanmar hat US-Außenministerin Hillary Clinton am Mittwoch angekündigt, dass Washington zum ersten Mal seit 1990 wieder einen Botschafter für das Land ernennt. Die Verhandlungen mit der Regierung Myanmars würden in den nächsten Tagen abgeschlossen.

So funktioniert Banking zurzeit noch in Myanmar. Doch schon bald sollen EC-Karten eingeführt werden. Reuters

Zudem sollen Mitglieder der Regierung wieder in die USA einreisen dürfen und ein Büro der amerikanischen Behörde für Entwicklungszusammenarbeit in Myanmar eröffnet werden. „Der Reformprozess hat noch einen langen Weg vor sich", sagte Clinton. „Aber wir werden die Entwicklungen genau beobachten und auf Fortschritte reagieren".

Nachdem Myanmar in dieser Woche bereits ein neues Wechselkurssystem gestartet hatte, plant die Führung des Landes den Aufbau eines Aktienmarkts, die Einführung von EC-Karten und eine größere Unabhängigkeit der Zentralbank, erklärte deren stellvertretender Präsident.

In einem Interview mit dem Wall Street Journal in Rangun sagte Maung Maung Win, die Regierung erwäge, ausländischen Banken in die bisher weitgehend abgeschottete Wirtschaft des Landes zu lassen. Zunächst müssten aber Myanmars eigene Institute für den Wettbewerb fit gemacht werden.

"Frühe Phase der Reformen"

Er sei bereit, die Landeswährung Kyat mit Marktinterventionen zu verteidigen, wenn es zu Spekulation komme. Bis 2015 sollten weitreichende Reformen der Märkte umgesetzt werden. „Wir machen Fortschritte", sagte er. „Für uns gibt es keinen Weg zurück".

Das Interview fand in der ehemaligen Zentralbank statt, einem weitgehend leerstehenden Gebäude in Rangun, das mit Stacheldraht umzäunt ist. Die Regierung hat 2005 ihren Sitz in die neu angelegte Hauptstadt Naypyitaw verlegt.

Die Aussagen von Maung Maung Win sind die jüngsten Anzeichen dafür, dass sich die Führung nach Jahrzehnten der Militärherrschaft stärker dem Ausland öffnen will. In der Vergangenheit sprachen hochrangige Beamte so gut wie nie mit Journalisten. Für Anleger war es fast unmöglich zu erfahren, was auf den Finanzmärkten Myanmars vor sich ging.

Doch seit die neue Regierung im vergangenen Jahr ins Amt kam, ändert sich die Lage Schritt für Schritt. So will das Land den Sanktionen des Auslands entkommen, die wegen Menschenrechtsverstößen verhängt wurden.

„Wir befinden uns in einer frühen Phase der Wirtschaftsreform. Wie müssen erst unsere staatseigenen und privaten Banken verbessern. Erst danach können wir ausländische Banken zulassen", sagte Maung Maung Win. Das werde „nicht mehr viele Jahre" dauern.

Zentralbank als Geldquelle

Auch durch den überragenden Sieg der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi und ihrer Bewegung bei den Wahlen am Sonntag wächst der Druck auf den Westen, die Sanktionen zu erleichtern. Bei ihrem Treffen in Phnom Penh forderten die Regierungschefs der ASEAN-Staaten die EU und die USA auf, die Beschränkungen sofort aufzuheben.

Doch ein solcher schneller Schritt könnte die Wirtschaft Myanmars aus dem Gleichgewicht bringen. Es droht ein massiver Zustrom ausländischen Geldes, der zumindest die Inflation treiben würde, sagte Maung Maung Win. Die Regierung könne diesem Problem aber mit genauer Kontrolle entgegentreten.

Maung Maung Win: „Wir brauchen ausländische Banken wegen ihres Knowhows, ihrer Investitionskraft und ihren Erfahrungen". Associated Press

Doch ein Ende der Sanktionen würde auch die schwachen Kreditinstitute des Landes belasten, einschließlich der wenig entwickelten Kapitalmärkte und der Zentralbank. Bisher nutzte die Führung die Zentralbank eher als Geldquelle für Infrastrukturprojekte und heizte so die Inflation an.

Die gegenwärtige Struktur der Bank reiche nicht aus, um Geldpolitik zu betreiben", sagte Maung Maung Win. Um etwa die Leitzinsen zu verändern, müsse sie einen Antrag beim Finanzministerium stellen. Die Zentralbank habe zudem nur 1.200 Mitarbeiter, nötig seien mindestens 2.000.

Analysten bezweifeln, dass die Regierung den Finanzsektor so schnell wie nötig umbauen kann. Seitdem das Militär im vergangenen Jahr die Macht an eine zivile Regierung abgegeben hat, wurden politische Gefangene entlassen und die Beschränkungen des Internets aufgehoben. Doch in der Wirtschaftspolitik hat sich wenig bewegt.

Wechselkurse werden zur Bewährungsprobe

Einige Analysten befürchten, dass sich konservative Kräfte gegen eine Öffnung der Märkte für ausländische Konkurrenz wehren könnten. In den 1990er Jahren scheiterten Reformbemühungen immer wieder am Widerstand des Militärs.

Video auf WSJ.com

After a year of unexpected reforms in Myanmar, the U.S. announced that it's easing economic sanctions against Myanmar. In an exclusive interview, Michael Moe Myint, CEO of one of Myanmar's largest oil and gas companies, talks about the opportunities and risks ahead.

Die nächste Bewährungsprobe für die Zentralbank wird das neue Wechselkurssystem sein. Bisher gab es in Myanmar zwei Kurse. Trotz einer offiziell festgelegten Umtauschrate wurde auf den Straßen munter gehandelt. Jetzt gibt es nur noch einen Kurs, der zwischen eng gesetzten Grenzen pendelt und von der Zentralbank in Zusammenarbeit mit örtlichen Instituten täglich berechnet wird.

Anleger haben das System gelobt, da es Geschäfte in Myanmar vereinfache. Ökonomen fragen sich jedoch, ob die Regierung über die nötige Fachkompetenz und genug ausländische Devisen verfügt, um Spekulation abzuwehren. Maung Maung Win gab zu, dass der ausländische Einfluss über die Landeswährung zum Problem werden könnte. Das Land grenze an viele Nachbarstaaten, so dass es schwierig sei, Kapitalflüsse zu kontrollieren. Seine Bank arbeite aber mit dem Internationalen Währungsfonds zusammen, um die Arbeitsabläufe zu verbessern. Seine Mitarbeiter sammelten täglich Berichte von allen örtlichen Banken.

„Wir werden eingreifen, wenn die Wechselkursschwankungen zu stark werden", sagte er. Das Land besitze genug Devisen, um mehr als neun Monate alle Importe decken zu können. Einen Dollarwert wollte er nicht nennen.

EC-Karten komnmen

Maung Maung Win erklärte, die Regierung prüfe Pläne, nachdem ausländische Banken aggressiver auf den Markt drängen könnten. Bisher haben 16 Institute Vertretungen in Myanmar, aber ihr Handlungsspielraum ist stark eingeschränkt.

Künftig könnten die Banken Joint-Ventures mit einheimischen Instituten eingehen oder eigenen Filialen eröffnen. „Wir brauchen ausländische Banken wegen ihres Knowhows, ihrer Investitionskraft und ihren Erfahrungen", sagte Maung Maung Win.

Die örtlichen Institute hätten elektronische Bezahlsysteme eingeführt, so dass Myanmar nicht mehr nur von Bargeld abhänge. Noch in diesem Monat solle ein Datenzentrum die Arbeit aufnehmen, das den Einsatz von EC-Karten erlaubt. Schon in wenigen Monaten könnten die Banken dann solche Karten an ihre Kunden ausgeben.

Das Parlament diskutiere zudem darüber, der Zentralbank mehr Unabhängigkeit zu verschaffen. Eine Stärkung der Kapitalmärkte könnte es den Staatsbetrieben erlauben, selbst Kredite aufzunehmen. Sie wären dann nicht mehr von der Zentralbank abhängig.

„Etwa 2015" solle dann auch ein neuer Aktienmarkt an den Start gehen. Schon jetzt gibt es eine improvisierte Börse in Myanmar. Dort werden aber nur zwei Unternehmen gehandelt.

—Mitarbeit: Celine Fernandez

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