Google lässt sich von seinem kurzen misslungenen Ausflug in die Welt der Smartphone-Anbieter nicht abschrecken. Unverdrossen startet der Suchmaschinen-Anbieter jetzt einen neuen Versuch: Dieses Mal will Google dem iPad Marktanteile abluchsen.

Google will künftig Tablets unter einer gemeinsamen Marke via Online-Store direkt an die Kunden verkaufen - ganz wie die Rivalen Apple und Amazon. Das sagen mit der Sache vertraute Personen. Mit diesem Schachzug will der Suchmaschinen-Riese den schleppenden Verkauf von Tablet-Computern ankurbeln, die mit der von Google entwickelten Software Android laufen.

Das Samsung Galaxy Note 10.1, ein Tablet mit Android-Betriebssystem, soll in diesem Jahr in den Verkauf kommen. Agence France-Presse/Getty Images

Die Geräte will Google nicht selbst herstellen, sie sollen laut den Insidern von verschiedenen Firmen kommen. Bisherige Partner wie Samsung Electronics und Asus sind demnach für die Hardware verantwortlich. Die Android-Tablets sollen ein Google-Branding bekommen.

Eine ganz ähnliche Strategie hatte Google schon einmal verfolgt. 2010 bot der Internet-Gigant ein von HTC produziertes Android-Smartphone namens Nexus One an, ebenfalls mit Google-Branding. Doch der Angriff auf die Smartphone-Hersteller wurde bald abgeblasen: Etliche Android-Modelle der Konkurrenz verkauften sich besser.

Das erste Google-Tablet soll laut einer mit der Sache vertrauten Person von Asus geliefert werden und könnte noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Weitere Details wurden noch nicht genannt, auch nicht, wann Google den Online-Shop eröffnen will. Mitte dieses Jahres wird Google laut Insidern erst einmal die nächste Version der Android-Software namens Jelly Bean veröffentlichen.

Bald dürfte auch die Übernahme des Mobilfunkherstellers Motorola Mobility abgeschlossen sein, für den Google im August 12,5 Milliarden US-Dollar hingeblättert hatte. In den USA und Europa stimmten die Behörden bereits zu, in China muss die Übernahme noch genehmigt werden. Mit den Plänen von Google vertraute Personen sagten, dass Motorola-Tablets in dem Online-Shop angeboten werden würden. Die Sprecher von Google und Asus wollten sich nicht zu dem Thema äußern.

Direkte Kampfansage an Apple

Der direkte Verkauf an die Kunden ist eine Kampfansage an Apple, das mit seinem iPad vor zwei Jahren an den Markt gegangen ist. Andere Tablets mit dem Betriebssystem Android – wie beispielsweise von Samsung oder anderen Herstellern – haben sich bislang vergleichsweise schwach verkauft. Im vergangenen Herbst schätzten die Marktforscher von Gartner , dass Apple 73 Prozent des Tablet-Marktes beherrscht – für Android bleiben demnach nur 17 Prozent Marktanteil.

Gegenwind bekommt Google auch von Internethändler Amazon, der im vergangenen Jahr sein Kindle Fire zum Kampfpreis von 199 Dollar auf den Markt gebracht hat. Google muss aber versuchen, den Marktanteil seiner Android-Software zu steigern, um den wichtigen Werbemarkt für mobile Geräte nicht aus den Augen zu verlieren.

Zwar sind die Umsätze mit Werbung auf Mobilgeräten im Vergleich zu denen für herkömmliche Webseiten gering, doch ist es für Google ein Wachstumsmarkt. Hinzu kommt, dass man auf Tablets größere Anzeigen einblenden kann als auf Smartphones. Google-Chef Larry Page verkündete zuletzt, dass sein Unternehmen auf einem guten Weg sei, um mit mobilen Geräten Umsätze von 2,5 Milliarden Dollar zu generieren – den größten Anteil daran haben Smartphones.

Google halte das derzeitige Verkaufsmodell für Tablets für gescheitert, sagen Insider. Der Internetriese hat gesehen, wie Mobilfunkbetreiber, die Android zur Nummer Eins unter den mobilen Betriebssystemen gemacht haben, diesen Erfolg mit Android-Tablets nicht wiederholen können.

Einige Beobachter behaupten, das Google-Telefon sei damals ein Fehlschlag gewesen. Andy Rubin, hauptverantwortlicher Manager für Android bei Google, hält dagegen, in drei Monaten mehr als 100.000 Nexus One verkauft und keinen Verlust gemacht zu haben.

Rubin sagte, man habe das eigene Handy eingestellt, als andere Hersteller gleich gute oder bessere Telefone auf den Markt gebracht hatten. Auch hielt es Google für zu aufwändig, einen eigenen weltweiten Vertrieb für das Nexus One aufzubauen.

Google-Tablet soll preislich mit Kindle Fire konkurrieren

Im Falle der Tablets muss sich Google weniger Sorgen um Mobilfunk-Partner machen, da diese Geräte zumeist über WLAN im Heimnetzwerk betrieben werden. Um die Aussichten für den neuen Online-Shop zu verbessern, erwägt Google den Preis für das neue Tablet zu subventionieren, um mit dem Kindle Fire konkurrieren zu können, berichten eingeweihte Personen.

Zudem soll eine riesige Kampagne den Online-Shop, in dem das Tablet bestellt werden kann, bekannt machen. Seit dem Google-Handy hat der Internetkonzern seine Marketing-Macht erheblich ausgebaut und gibt inzwischen große Summen für TV-Kampagnen aus.

Das erste Tablet mit dem Android-Betriebssystem war das Motorola Xoom, das etwa elf Monate nach dem ersten iPad auf den Markt kam. Laut Motorola wurde es 2011 ungefähr eine Million mal verkauft. Das ist weniger als erwartet. Viele andere Android-Tablets, darunter auch zwei von Dell, wurden inzwischen wieder vom Markt genommen.

Anderen Herstellern sind die schwachen Verkaufszahlen nicht entgangen: „Ehrlich gesagt tun wir uns auf dem Tablet-Markt schwer", sagte Hankil Yoon, Produktstratege bei Samsung auf einer Branchenkonferenz in diesem Jahr.

Händler wünschen sich Konkurrenz zum iPad

Aber auch richtige Geschäfte werden neben dem Webshop ein wichtiger Absatzkanal sein. Einige US-Einzelhändler wünschen sich dringend einen ernsthaften Konkurrenten für Apple, berichten Insider. Sie litten unter den schärferen Regeln des iPad-Herstellers, die sie unter anderem dazu zwingen, Apple-Produkte prominenter zu präsentieren, heißt es. Zudem bleibe den Händlern beim Verkauf von Apple-Produkten weniger Geld in der eigenen Kasse als bei anderen Geräten.

Google unternimmt auch andere Schritte, um sich weiter zur Marke für Konsumelektronik zu entwickeln. Derzeit steuert der Konzern direkt die Entwicklung eines Musik- und Videospielers für zu Hause unter der Marke Google. Damit vertraute Personen sagen, das Gerät solle Ende des Jahres in den Verkauf kommen. Ob auch dieses Gerät in dem neuen Online-Shop angeboten werden soll, ist noch unklar.

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