Die 52-jährige Mary Barra leitet seit gut einer Woche den Autokonzern General Motors. Reuters

Die neue starke Frau bei General Motors, GM +0,35% General Motors Co. U.S.: NYSE $34,80 +0,12 +0,35% 29 Aug. 2014 16:02 Volumen (​15 Min. verzögert) : 5,41 Mio. NACHBÖRSLICH $34,80 0,00 % 29 Aug. 2014 18:29 Volumen (​15 Min. verzögert) : 150.937 KGV 13,40 Marktkapitalisierung 55,84 Milliarden $ Dividendenrendite 3,45% Umsatz/Mitarbeiter 714.726 $ Mary Barra, setzt auf den Weltmarkt. Die Vorstandschefin will den globalen Marktanteil von derzeit 11,5 Prozent noch kräftig ausbauen. An bestehenden Marketing- und Vertriebsstrategien will sie gleichzeitig nicht rütteln. In Nordamerika sollen die Margen erheblich gesteigert werden. „Wir haben viel Schwung", machte Barra bei einem Treffen mit Journalisten am Donnerstag deutlich. „Es gibt die Möglichkeit, unsere Aktivitäten zu beschleunigen, da eine ganze Reihe guter Dinge laufen. Tauschen wir unsere Informationen schnell aus, lassen sich die Regionen stärken und die Marken global führen."

Mit ihrem Interview bot Barra erstmals seit ihrem Amtsantritt einen ersten Einblick, wie sie sich den anstehenden Herausforderungen stellen will. Die 52-Jährige lobte den Zusammenhalt des Führungsteams und die gut funktionierende Kooperation mit dem neuen Präsidenten Dan Ammann. Sie skizzierte Pläne, wie sie für innovative Ideen beim oft als schwer lenkbar geltenden Großkonzern sorgen will. „Wir müssen Neues erfinden – sowohl aus der Geschäftsperspektive als auch von der Produktsichtweise her", bekräftigte Barra. Diese Woche habe sie sich mit den 300 Top-Managern ihres Unternehmens getroffen.

Barra will die Regionalmanager stärker in die Pflicht nehmen. Sie sollen ein besseres Verständnis für lukrative Geschäftschancen entwickeln. Zugleich vertraut sie auf Ammann. Er soll bewirken, dass die Regionalsparten von GM an einem Strang ziehen. Sie beide hätten sich zusammengesetzt und teilten die gleiche Vision für ihre Geschäftsfelder. Ammann lag nicht auf der faulen Haut und war zuletzt äußerst präsent in den Medien. Dazu zählte eine einstündige Interviewrunde, bei der er während des Automotive News World Congress vergangene Woche Rede und Antwort stand. "Dan wird sich sehr stark auf die Möglichkeiten in den verschiedenen Weltregionen konzentrieren und unsere Marken aufbauen", kündigte Barra an.

Ihre erste Auslandsreise wird Barra nach Rüsselsheim zur Tochter Opel führen. Dort wird sie am Montag ein Statement für die Medien geben, wie das Unternehmen mitteilte. Auch Ammann, der als einer der Favoriten auf den Posten als Aufsichtsratschef von Opel gilt, wird mit an Bord sein. Zudem wird Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sprechen. Erwartet wird, dass die neue GM-Spitze das Bekenntnis zu Opel bekräftigt. Die krisengebeutelte Marke hatte 2013 erstmals seit fast anderthalb Jahrzehnten auf dem Kernmarkt Europa keine Marktanteile verloren. Spätestens 2016 sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.

Die Wall Street wartet derweil auf Hinweise, wie Barra GM profitabler machen, die Identifizierung mit dem Autobauer fördern und die Ergebnisse in Nordamerika verbessern kann. Der Traditionskonzern peilt für Nordamerika bis zur Mitte dieses Jahrzehnts eine operative Vorsteuermarge von 10 Prozent an. GM will im Vergleich zum Rivalen Ford wieder Boden gut machen. Die bereinigte operative Vorsteuermarge betrug im dritten Quartal 9,3 Prozent.

GM ist auf der Suche nach sich selbst

Ob GM angesichts der enormen Konkurrenz von Ford das ehrgeizige Margenziel packt, erscheint Analyst Brian Johnson von Barclays fraglich. Die GM-Spitze müsse generell auch nicht nur Zahlen, sondern ebenso eine glaubwürdige Story liefern. Barra sieht sich auf gutem Weg hin zur 10-Prozent-Marge. In ihrem Unternehmen laufe es momentan rund. „Ich glaube, die Leute sehen die wichtige Rolle, die GM auch in Zukunft spielen wird. Aber am Ende des Tages bekommen auch wir keine Freifahrtscheine. Es zählt, wie stark unsere Produkte und Margen sind."

In gewisser Weise ist die GM, bei der Barra das Steuer übernimmt, noch auf der Suche nach sich selbst. Das Unternehmen muss auf aggressives Wachstum hochschalten. Im Jahresvergleich dürften sich die Gewinne nur moderat verbessern. Dem stotternden Gewinnmotor kann auch nicht auf die Sprünge helfen, dass GM während der Insolvenz des Jahres 2009 millionenschwere Schulden von den Schultern genommen wurden. Selbst die starke Autonachfrage in den USA greift noch nicht in erhoffter Art und Weise auf GM über. Die Verkäufe der US-Autobranche dürften dieses Jahr mehr als 16 Millionen Fahrzeuge betragen, rund 400.000 mehr als 2013.

Zum Teil will GM mit Zugewinnen in den USA und China Probleme andernorts wettmachen. Dieses Jahr sind für Restrukturierungskosten rund 1,1 Milliarden US-Dollar vorgesehen, um die Scharte in den schwächelnden europäischen und asiatischen Sparten auszuwetzen. „Erfolg beruht nicht nur auf einem Faktor. Er geht auf eine Kombination zurück", philosophierte Barra. „Wir müssen sicherstellen, dass wir das richtige Produkt haben und die richtige Distribution."

Barra muss sich mit dem schwachen Start des neuesten Chevrolet Silverado und der GMC Sierra-Pickups herumschlagen. Außerdem wachsen die unverkauften Lagerbestände in den USA. Den Umschwung hin zu sportlichen Geländewagen (SUV) hat GM in China nach eigenen Aussagen verpasst. An Barra werden hohe Erwartungen gestellt. Die Aufregung um ihr Geschlecht als erste Frau an der Spitze eines Welt-Autokonzerns schiebt sie beiseite. „Ich bin meine Arbeit nie unter der Prämisse angegangen, dass ich eine Frau bin. Ich will nach den Ergebnissen, die ich und mein Team liefern, beurteilt werden."

—Mitarbeit: Nico Schmidt

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de