Aktien der Banco Espírito Santo haben sich seit der Kapitalerhöhung im Mai spektakulär schlecht entwickelt. Doch die portugiesische Bank ist kein Einzelfall. Reuters

Die portugiesische Banco Espírito Santo BES.LB -40,30% Banco Espirito Santo S/A Portugal: Lisbon 0,12 -0,08 -40,30% 01 Aug. 2014 00:00 Volumen : 251,96 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 675,00 Millionen € Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 478.927 € hat sich seit ihrer Kapitalerhöhung um 1 Milliarde Euro im Mai spektakulär schlecht entwickelt. Der Kurs ihrer schwach gehandelten Aktien ist inzwischen 50 Prozent unter den ohnehin schon heftig rabattierten Ausgabepreis gestürzt.

Finanzprobleme haben der Bank zu schaffen gemacht, ebenso Unregelmäßigkeiten bei der Buchhaltung im Firmengeflecht um ihren Mehrheitsaktionär. Das hat Anleger auf dem portugiesischen Aktienmarkt verschreckt. Aber das Papier von Banco Espírito Santo ist nicht das einzige unter den frisch ausgegebenen europäischen Finanzwerten, das schlecht abgeschnitten hat. Die ganze Bankenbranche geriet am Donnerstag an der Börse ins Taumeln, nachdem die Aktien der portugiesischen Bank vom Handel ausgesetzt worden waren.

Was Bankenaktien für solche plötzlichen Kursstürze so anfällig macht, ist unter anderem, dass gerade eine ganze Riege von Investoren das Weite sucht.

Das Schlussquartal 2013 und das erste Quartal dieses Jahres zog eine Welle kauflustiger Investoren aus dem außereuropäischen Ausland an, vor allem aus den USA. Sie folgten einer simplen makroökonomischen Wette, dass die Politik in der Eurozone schon eine Erholung anstoßen würde. Außerdem waren Bankenaktien extrem billig.

Eine Reihe von Kapitalerhöhungen und sogar Börsengängen bei Banken lieferte diesen Anlegern die perfekte Chance, um ein paar schnelle Gewinne einzufahren: Sie kauften die Aktien unter Wert und verkauften sie ein paar Wochen oder Monate später, als das Vertrauen in die Bankenbranche zurückkehrte und ihre Börsenbewertungen stiegen.

Bei den Aktienemissionen stellten US-Anleger mindestens die Hälfte der Käufer, sagen Banker, die die Geschäfte damals begleiteten. Aber sie sagen auch, dass das Interesse der Amerikaner Anfang Mai seinen Höhepunkt erreichte und seitdem abgeflaut ist. Der europäische Bankenindex MSCI ist im Juni um Prozent gesunken.

Bei allen sechs großen Kapitalerhöhungen, die Banken dieses Jahr in Europa unternommen haben, sind die Aktienkurse inzwischen gefallen. Die Aktien von zwei dieser Banken – Espírito Santo und die österreichische Raiffeisen Bank International, RBI.VI -0,66% Raiffeisen Bank International AG Austria: Vienna 17,22 -0,12 -0,66% 30 Sept. 2014 17:45 Volumen (​15 Min. verzögert) : 578.625 KGV 8,16 Marktkapitalisierung 5,08 Milliarden € Dividendenrendite 5,92% Umsatz/Mitarbeiter 151.497 € die sich Kredite in ausländischer Währung aus Osteuropa aufgehalst hat – handeln an der Börse unter dem Emissionspreis.

In Italien sind die Börsenkurse der Banco Popolare und der Banco Monte dei Paschi di Sienna steil gesunken. Bei der Banco Popolare di Milano stieg der Aktienkurs zunächst zwei Wochen lang heftig, um dann wieder auf sein Ausgangsniveau zurückzufallen. Selbst bei der Deutschen Bank, die ihre Kapitalerhöhung wegen großer Nachfrage sogar noch erweitert hat, rutschte der Aktienkurs seit der Platzierung um 10 Prozent ab.

Börsengänge von Unternehmen, die größere Banken aufgeräumt und unter heftigen Rabatten gegenüber dem Buchwert abgespalten haben, sind ebenfalls nicht brillant gelaufen. So entwickelten sich die Aktien der TSB Banking Group TSB.LN -0,71% TSB Banking Group PLC U.K.: London £278,00 -2,00 -0,71% 30 Sept. 2014 16:35 Volumen (​15 Min. verzögert) : 620.172 KGV N/A Marktkapitalisierung 1,40 Milliarden £ Dividendenrendite N/A Umsatz/Mitarbeiter 233.247 £ in Großbritannien und der NN Group in den Niederlanden in den ersten Tagen gut, dann aber nahmen Anleger lieber Gewinne mit und verkauften. Die Fineco Bank der Unicredit UCG.MI +2,79% UniCredit S.p.A. Italy: Milan 6,26 +0,17 +2,79% 30 Sept. 2014 17:34 Volumen (​15 Min. verzögert) : 68,16 Mio. KGV N/A Marktkapitalisierung 35,73 Milliarden € Dividendenrendite 1,42% Umsatz/Mitarbeiter 175.817 € ist zwar erst seit einer Woche an der Börse, aber auch sie zeigt ähnliche Symptome.

Die Erholung Europas bleibt blutleer und die Europäische Zentralbank kann mit ihrem ausgereizten Handlungsspielraum kaum noch neue Stimuli setzen. Banken spiegeln letztlich immer im erhöhten Maße wider, wie gesund die zugrundeliegende Realwirtschaft ist. Nicht alle Investoren glauben an die Theorie des heißen Geldes, wie sie US-Anleger vormachen. Aber mit den immer neuen schlechten Nachrichten, die am Donnerstag über die Banco Espírito Santo ans Licht kamen, brauchen Anleger wirklich keine großen Entschuldigungen, um europäische Banken abermals zu meiden.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de