Mittwoch, 2. Oktober 2013, 13:55 Uhr

Vom Freimaurertempel zur Luxuswohnung

In den USA verkaufen immer mehr Freimaurerlogen ihre geheimnisumwitterten Tempel, Immobilienentwickler wandeln sie zu Luxuswohnungen um. Aufregend: wer Glück hat, findet sogar Geheimfächer.

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Die Bruderschaft der Freimaurer war einst eine Großmacht in der amerikanischen Gesellschaft, zu ihren Mitgliedern gehörten unter anderem die Gründerväter der USA George Washington und Benjamin Franklin. Zwischen 1870 bis in die späten 1930er entstanden im ganzen Land Tempel und Logen - doch heute zählen die Freimaurer in den USA nur noch rund eine Million Mitglieder. Zum Vergleich: 1950 waren es noch rund vier Millionen Mitglieder. Der Unterhalt der vielen Gebäude ist zu teuer - deshalb werden Tempel wie dieser hier in Columbus, Ohio, verkauft. Andy Snow for The Wall Street Journal

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Der "York Temple" wurde 1914 gebaut, weil die lokale Loge innerhalb von 20 Jahren auf über 1.000 Mitglieder wuchs. 2003 sind es nur noch weniger als 800 - und das Gebäude verschlang rund 30.000 Dollar Unterhalt im Jahr. Der Geheimbund verkaufte das Haus für 250.000 Dollar an Joe Armeni, der es für rund 4,5 Millionen Dollar saniert hat. Andy Snow for The Wall Street Journal

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Heute gibt es hier keine geheimnisvollen Versammlungen mehr, sondern 25 Wohneinheiten zwischen 65 und 167 Quadratmeter, die er für 149.000 bis 400.000 Dollar verkauft hat. Hier zu sehen: eine Dreizimmer-Wohnung mit zwei Bädern. Gekauft hat sie Craig Boardman, ein Professor für Politikwissenschaft, für 300.000 Dollar. Andy Snow for The Wall Street Journal

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Der Kamin ist noch original, ebenso wie die vorsichtig renovierten Buntglasfenster. Er liebe auch die für die Versammlungsorte von Freimaurern typischen hohen Decken, sagt Boardman. Seine ist rund 12 Meter hoch. Richtig aufregend wurde es, als er beim Streichen seiner Wohnung ein Geheimfach hinter den Wandleisten entdeckte. "Das war ganz schön cool", sagt Boardman. Doch leider war das Vesperbox große Fach leer. Andy Snow for The Wall Street Journal

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Wie in den meisten Freimaurer-Tempeln sind die typischen Symbole in die Architektur eingefügt: Wie hier eines der wohl bekanntesten, Winkeleisen und Zirkel. Das Winkelmaß steht für die Treue zu Recht und Gesetz, der Zirkel für den Kreis und das immerwährende Geistliche. Der Buchstabe G steht wohl für Geometrie und Gott. Andy Snow for The Wall Street Journal

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Dieser ehemalige Tempel in Bath im Bundesstaat New York wurde von Chip Klugo (hier zu sehen) in vier Luxuswohnungen umgewandelt. Im vergangenen Jahr war er damit fertig. Claudio Papapietro for The Wall Street Journal

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Auch hier zu finden: Das Freimaurer-Erkennungszeichen mit Zirkel, Winkelmaß und dem Buchstaben G. Claudio Papapietro for The Wall Street Journal

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In diesem Apartment ist die ehemalige Bühne integriert. In der Wohnung selbst wohnen Frederick und Michele Alvarez. Als sie zum ersten Mal die Räume betreten habe, habe sie sich sofort heimisch gefühlt, sagt Alvarez. "Man kann sich fast in die aktive Zeit des Tempels zurückversetzen", sagt sie. Claudio Papapietro for The Wall Street Journal

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Weil die Logen normalerweise extrem hohe Decken, Säulen und große Räume haben, konnten die Entwickler hier eine zweite Ebene für eine Galerie einziehen. Claudio Papapietro for The Wall Street Journal

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Architektin Elise Johnson-Schmidt hat die Wohnung entworfen. Sie habe den Charakter des Tempels erhalten wollen, sagt sie. Hier zu sehen: Ein weiteres Apartment in dem Gebäude - ohne Bühne. Claudio Papapietro for The Wall Street Journal

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Und auch in New York ziehen die Freimaurer aus ihren monumentalen Gebäuden aus. Der Level Club, ehemals ein Versammlungsort der Logenbrüder und Hotel in der West 73rd Street in Manhattan. Die Räume wurden in Wohnungen umgewandelt. Dorothy Hong for The Wall Street Journal

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Erbaut wurde der Level Club von 1925 bis 1927. Wie hier zu lesen ist, war die Grundsteinlegung im Beisein vom Großmeister der Freimaurer William A. Rowan am 17. Oktober 1925. Dorothy Hong for The Wall Street Journal

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Und das haben die Architekten nach dem Kauf aus den Logen- und Hotelräumen gemacht: In diesem 260 Quadratmeter großen Apartment ist Larry Schier, Makler bei der Immobilienfirma Corcoran Group, zu Hause. Er mochte die fast 4,30 Meter hohen Decken und die geschwungenen Fensterbögen. 1984 kaufte er die erste Wohnung für 287.000 Dollar. Im Jahr 2000 kaufte er das Nachbar-Apartment für 610.000 Dollar und ließ die beiden Wohnungen zusammenlegen. Dorothy Hong for The Wall Street Journal

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Die Fassade des Hauses zeigt mannigfaltige Freimauerer-Symbolik: Figuren von König Salomon, zwei beleuchtete Globen, eine Wasserwaage, ein Zirkel, eine Sanduhr und das allwissende Auge können entdeckt werden. Wer alte Freimauerertempel renoviert, trifft oft auf veraltete und schlecht gewartete Gebäude. Die Umgestaltung der Räume, zu denen immer auch ein großer Versammlungssaal gehört, ist eine Herausforderung. Doch zugleich - weil die Mauer- und Steinmetzarbeit eine zentrale Komponente in der Tradition der Freimaurer spielen - sind die Bausubstanzen und Strukturen extrem gut. Dorothy Hong for The Wall Street Journal

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Makler Schier hat im Level Club mehr als 130 Apartments verkauft. Dazu gehört auch eine Vierzimmer-Wohnung mit zwei Bädern, die für 2,7 Millionen Dollar verkauft werden soll. Sie ist bereits reserviert. Hier zu sehen: Das Schlafzimmer von Schier. Dorothy Hong for The Wall Street Journal

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In der Hauptlobby - hier während der Restaurierung - finden sich noch etliche Überbleibsel aus der Logenzeit. So zum Beispiel Kronleuchter aus Bronze, Wandleuchter aus Messing und eine große Uhr. Schnitzereien mit Blättern, Blumen, mythischen Figuren, Tieren und geometrische Formen sind in der ganzen Lobby zu finden. Die Decke formt ein geometrisches Muster. Dorothy Hong for The Wall Street Journal

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In der Innenstadt von Champaign im US-Bundesstaat Illinois hat Entwickler Robert Grossman diesen 1914 erbauten Freimaurer-Tempel 2008 für 800.000 Dollar gekauft. Die Terrazzofußböden und filigranen Schnitzereien des gut 3.000 Quadratmeter umfassenden Gebäudes ließ Grossman erhalten. Taylor Glascock for The Wall Street Journal

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"Das Gebäude war in einer schrecklichen Verfassung. Aber ich hab es angeschaut und habe mich sofort verliebt", erzählt er. Er wandelte den Tempel in 19 Wohnungen um, die er für 900 bis 2.000 Dollar im Monat vermietet. Architekt Neil Strack erzählt, dass es ein Stockwerk gab, das über zwei Ebenen reichte. Sogar im Keller seien die Decken rund drei Meter hoch gewesen. Taylor Glascock for The Wall Street Journal

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Laut Grossman waren die Drei- und Vierzimmerwohnungen vermietet, bevor die zweijährige Renovierungsphase beendet war. Obwohl er ein 510 Quadratmeter großes Haus ganz in der Nähe besitzt, behält er das beste Apartment im Haus für sich selbst: Eine rund 330 Quadratmeter große Wohnung über zwei Stockwerke und mit einem Dachgarten. Taylor Glascock for The Wall Street Journal

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Die Küche in Grossmans Wohnung. Taylor Glascock for The Wall Street Journal

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Und die Dachterrasse. Taylor Glascock for The Wall Street Journal

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