Russland hat vor dem Absturz des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 am Donnerstag nach eigenen Angaben ein weiteres Flugzeug in der Nähe der Verkehrsmaschine gesichtet. Radarvorrichtungen hätten die Bilder von dem Flugzeug aufgefangen, erklärte das russische Verteidigungsministerium am Montag bei der Präsentation eines detaillierten Berichts zu dem Vorfall.

Zudem hätten Satellitenbilder gezeigt, dass die Ukraine zuvor Raketenabschusssysteme in die Region geschafft hätte. Die Beteiligung prorussischer Rebellen bestreitet das Verteidigungsministerium damit.

Luftwaffenchef Igor Makuschew sprach auf einer Pressekonferenz zwar nicht eindeutig aus, wen er für den Verantwortlichen des Abschusses hält. Seine Version stimmt aber mit der Linie überein, die das russische Staatsfernsehen seit Tagen verbreitet: Dort wird die Ukraine beschuldigt, die Maschine abgeschossen zu haben, möglicherweise mit einem Kampfflugzeug.

Russland drängt auf eine unabhängige internationale Untersuchung zu dem Fall und beschuldigt die Ukraine, mit dem Flugzeugabsturz die Rechtfertigung für eine internationale militärische Operation gegen die Rebellen legen zu wollen.

Trümmer der abgestürzten Maschine der Malaysia Airlines in der Ukraine. Russland sieht die Regierung in Kiew in der Verantwortung. Agence France-Presse/Getty Images

Ukrainische und westliche Vertreter haben hingegen erklärt, sie hätten Beweise, die in Richtung einer Schuld der prorussischen Rebellen in der Ostukraine deuteten. Die Separatisten sollen MH17 danach mit einem Raketensystem abgeschossen haben, das Russland geliefert hat. Moskau hat dies dementiert.

In seiner Präsentation, zu der auch Radar- und Satellitenbilder gehörten, sagte Luftwaffenchef Makuschew, die zweite Maschine sei wahrscheinlich ein ukrainischer Kampfjet gewesen. Zwei russische Radarstationen in Grenznähe hätten die Maschine über vier Minuten beobachtet. Sie hätten das Flugzeug nicht identifizieren können, "sehr wahrscheinlich" weil es kein System zur sekundären Identifizierung gehabt habe. "Dies ist charakteristisch für Kampfflugzeuge", sagte der Generalleutnant.

Makuschew sagte, die russischen Radarsysteme hätten das Flugzeug nur zum Zeitpunkt des Aufstiegs wahrgenommen, weil sie nur auf Flugobjekte ausgerichtet seien, die höher als 5.000 Meter flögen. Das Radar habe das nicht identifizierte Flugzeug in der Nähe von MH17 registriert, "um die Entwicklung der Situation zu kontrollieren."

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist der Kampfjet des Typs Su-25 in der Nähe verschiedener Zivilmaschinen gesichtet worden, darunter auch MH17.

Ein weiterer Top-Militär, Generalleutnant Andrej Kartapolow, sagte auf der Pressekonferenz, der Kampfjet sei bis auf drei oder fünf Kilometer an MH17 herangekommen. Er war damit gut in dem Radius von 12 Kilometern, für die seine übliche Raketenbewaffnung ausreichend ist.

Luftwaffenchef Makuschew zeigte überdies Satellitenfotos, die mehrere Boden-Luft-Raketensysteme des Typs Buk zeigen sollen, und zwar in der Region um die Absturzstelle. Die Systeme, sagte er, könnten nur dem ukrainischen Militär gehören. Die Buk-Raketen seien von russischer Seite in Lugansk und Donezk gesichtet worden, hatte die Russische Luftwaffe schon vor Tagen erklärt.

Die Ukraine wiederum hatte Russland beschuldigt, den Rebellen ein Buk-System zur Verfügung gestellt zu haben, mit dem die Maschine abgeschossen worden sei.

Makuschew sagte, die Passagiermaschine sei 14 Kilometer weit von ihrem Kurs abgekommen, habe dann jedoch versucht, auf den alten Kurs zurückzukommen, ehe sie kurz darauf abstürzte. Russland sei bereit, alle Informationen an europäische Behörden weiterzugeben, darunter Satellitenbilder und Daten der Radarsysteme.

Im Verlauf der Pressekonferenz legten die russischen Militärs keinerlei Bilder vor, die die Flugbahn einer Rakete nachgezeichnet hätten.

Der russische Präsident Wladimir Putin war in den vergangenen Tagen vom Westen hart kritisiert worden. Die USA und andere Staaten geben ihm eine Mitschuld an der Eskalation. Putin beantwortete diese mit eigenen Beschuldigungen in Richtung Ukraine. Sie sei verantwortlich für die Instabilität in der Region, die den Absturz letztlich verursacht habe.

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