Ganz in den Händen von René Benko: Karstadt. AFP

Die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko übernimmt die angeschlagene Kaufhauskette Karstadt. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen ziehe sich kommende Woche komplett aus dem Unternehmen zurück, teilte Signa am Freitag mit.

Signa hatte bereits im vergangenen September 75,1 Prozent an der Karstadt Premium Group und Karstadt Sports für 1 Euro übernommen. Dafür sagte das Unternehmen Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro zu. Laut der Berggruen Holding sind davon bereits 200 Millionen Euro in die Modernisierung der Warenhäuser geflossen. Zur Karstadt Premium Group gehören das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und das Kaufhaus Oberpollinger in München. Das Bundeskartellamt muss der kompletten Übernahme der Warenhauskette noch zustimmen.

"Wir haben Karstadt im Jahr 2010 aus der Insolvenz geführt und konnten den Fortbestand des Unternehmens ohne massive Einschnitte bei der Belegschaft bis 2012 gewährleisten", sagte Berggruen. "Aber trotz unserer Bemühungen schreibt Karstadt noch keine schwarzen Zahlen." Deshalb wolle er den Weg für einen Neuanfang mit einem neuen Eigentümer freimachen.

Die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft Verdi begrüßte den Eigentümerwechsel. "Nicolas Berggruen und seine Beauftragten sind an einer Rettung von Karstadt in den letzten Jahren willentlich gescheitert", heißt es in einer Mitteilung. Nun erhoffe man sich eine neue Strategie. "Jetzt muss Herr Benko umgehend zeigen, wie sein tragfähiges und nachhaltiges Zukunftskonzept für Karstadt aussieht und dass er gewillt ist, in Karstadt umgehend und ausreichend zu investieren."

René Benko ist in Deutschland kein Unbekannter: Vor einigen Jahren interessierte er sich bereits für den Konkurrenten Kaufhof, doch die Muttergesellschaft Metro MEO.XE -0,93% Metro AG Germany: Xetra 26,72 -0,25 -0,93% 15 Sept. 2014 11:14 Volumen (​15 Min. verzögert) : 110.439 KGV 57,44 Marktkapitalisierung 8,84 Milliarden € Dividendenrendite 3,74% Umsatz/Mitarbeiter 221.689 € blies den geplanten Verkauf schließlich ab. Ihr fehlten ein schlüssiges Konzept für die künftige Strategie sowie die Finanzierung.

Auch die Regierung meldet sich zu Wort: Das Bundesarbeitsministerium verfolge die Lage „ganz sensibel und aufmerksam und auch durchaus mit Besorgnis", erklärte ein Sprecher. Dies gelte auch für die Bundesagentur für Arbeit. Das Unternehmen brauche Perspektiven. Die Mitarbeiter, „die sehr lange schon ihren Beitrag geleistet haben, Karstadt voranzubringen", bräuchten Sicherheit und Perspektiven. „Insofern kann unser Appell im Moment nur sein, auch an den neuen Investor, die Arbeitnehmerseite intensiv zu beteiligen bei den neuen Sondierungen." Wichtig sei, „dass die Arbeitnehmerinteressen einbezogen werden bei allen Entscheidungen, die jetzt anstehen." Einen Anlass für ein „operatives Handeln" sehe das Ministerium nicht.

Auf die Frage, ob es ein Fehler gewesen sei, dass das Ministerium in der Zeit unter Ursula von der Leyen Berggruen den Weg geebnet habe, sagte der Sprecher: Die Entscheidungen, die zur Übernahme durch Berggruen geführt hätten, seien keine politischen Entscheidungen gewesen. „Das haben andere Gremien, und zwar die im Unternehmen und die damit befassten, selbstständig entschieden. Wir bewerten das nicht im Nachhinein."

—Mitarbeit: Natali Schwab und Stefan Lange

Kontakt zum Autor: jenny.busche@wsj.com