LONDON - Anleger laufen Sturm gegen einen mehrere Millionen Pfund schweren Bonus für den Chef der britischen Bank Barclays, Bob Diamond.

Bob Diamond, CEO von Barclays. Agence France-Presse/Getty Images

Die mächtige Association of British Insurers (ABI), welche die Interessen von mehr als 300 Versicherungen in Großbritannien vertritt und sich für die Rechte ihrer Anleger stark macht, hat schwere Bedenken angemeldet an der Höhe des Lohnpakets für Barclays-CEO Diamond.

Dieser hatte im vergangenen Jahr ein Gesamtgehalt von knapp 15 Millionen Pfund kassiert – umgerechnet mehr als 18 Millionen Euro.

Für besonders pikant hält die ABI, dass die Barclays-Bank für ihren Chef eine offene Steuerrechnung von 5,7 Millionen Pfund (rund 7 Millionen Euro) beglichen hat. Der Verband schickte deshalb eine eilige Warnmitteilung an seine Anleger, die am 27. April bei der Jahreshauptversammlung der Bank über Diamonds Gehalt abstimmen werden.

Barclays erwiderte auf den Brandbrief des Versicherungsverbands, die Bank habe in den vergangenen Wochen ausgiebige Gespräche mit Investoren geführt, darunter auch mit der ABI und ihren Mitgliedern. „ABI hat einen sorgfältigen und bedachten Bericht geschrieben. Wir haben die darin aufgeworfenen Bedenken und Fragen zur Kenntnis genommen", teilte Barclays mit. Die Bank freue sich darauf, die Zusammenarbeit mit ABI fortzusetzen.

Im vergangenen Monat hatte Barclays bekanntgegeben, dass ihr Chef Bob Diamond für das Jahr 2011 ein Gesamtpaket von 6,3 Millionen Pfund (rund 7,6 Millionen Euro) aus Gehalt und Bonus erhalten habe. Diese Entlohnung aber war noch einmal gestiegen, weil Barclays zusätzlich Diamonds Steuern gezahlt hatte.

Die Steuerrechnung in Millionenhöhe war angefallen, weil der Vorstandsvorsitzende teils in den USA, teils in England gearbeitet hatte. Dazu kamen Zuschüsse von 474.000 Pfund (rund 575.000 Euro) und finanzielle Extras, die Diamond im Rahmen eines Langzeit-Plans zustehen, was sein Gesamtgehalt am Ende auf 14,8 Millionen Pfund steigerte.

Für Schieflage mitverantwortlich

Damit zählt Diamond zu den best bezahlten Bankern im Vereinigten Königreich – selbst die Vorstandsgrößen der Royal Bank of Scotland (RBS) und der Lloyds -Bankengruppe hatten auf im letzten Jahr auf ihre Bonuszahlungen verzichtet. Die britische Regierung hält Anteile an RBS und Lloyds.

Auch andere Investorengruppen haben inzwischen offen die Frage gestellt, ob Diamond einen derart großzügigen Bonus verdient, hatte doch die Bank im vergangenen Jahr einen 8 Prozent niedrigeren Nettogewinn erwirtschaftet. Zudem musste sie Extrakosten schultern, nachdem aufgeflogen war, dass sie Versicherungen an Kunden verkauft hatte, die diese Policen gar nicht brauchten. Der Aktienkurs der Bank war daraufhin um rund ein Drittel eingebrochen.

Anfang der Woche meldete sich die institutionelle Anlegerberatung Pensions Investment Research Consultants (Pirc) zu Wort und empfahl Investoren, gegen das Gehaltspaket des Barclays-Chefs zu stimmen. „Vor der Tatsache, dass Barclays' Aktien zurzeit weit unter dem Nettovermögenswert des Unternehmens gehandelt werden, wissen wir nicht, unter welchen Umständen ein Vorstandsvorsitzender überhaupt einen Bonus bekommen sollte", monierte die Beratergruppe in einem Bericht. Diamond sei für die aktuelle Schieflage in der Bank eindeutig mitverantwortlich, sagte Pirc.

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