NEW YORK--Der Internetkonzern Google reagiert mit einem Aktiensplit auf den hohen Kurs der Anteilsscheine und auf Forderungen von Aktionären nach einer Dividende. Mit dem Schritt sichern sich die Gründer Larry Page und Sergey Brin auch die Kontrolle bei dem Internetkonzern. Gleichzeitig werden die riesigen Barreserven im Unternehmen gehalten.

Ein Google-Mitarbeiter im Büro in Chicago. dapd

Bei Vorlage der Erstquartalszahlen kündigten die beiden Google-Gründer in einem Brief an, die bisherigen Aktieninhaber sollten für jede gehaltene Aktie ein neues Papier als Dividende erhalten. Dies sei "faktisch ein Aktiensplit im Verhältnis zwei zu eins".

Da die neuen Anteilsscheine nicht stimmberechtigt sind, behalten die beiden Gründer die Kontrolle über ihre Schöpfung. Page, Brin und Chairman Eric Schmidt kontrollieren gemeinsam 70 Prozent der Stimmrechte, da sie Aktien der "B"-Kategorie halten, die mit zehn Mal so vielen Stimmrechten ausgestattet sind wie Aktien der Kategorie "A", die die meisten Investoren besitzen. Jetzt kommt eine dritte Aktienkategorie hinzu.

Die Investoren bekommen somit keine Bardividende ausgezahlt, sondern müssen sich mit Aktien begnügen. Das erlaubt es Google, den riesigen Bargeldbestand von 49 Milliarden US-Dollar im Unternehmen zu halten. Damit macht Google es anders als Apple. Der Technologiekonzern hatte sich erstmals dazu durchgerungen, eine Dividende zu zahlen. Apples Barreserven sind etwa doppelt so hoch wie die von Google.

"Wir beschützen Google vor dem Druck von außen und der Versuchung, zukünftige Chancen dem kurzfristigen Erfolg zu opfern", schrieb Page weiter. Es sei trotz des vielen Geldes allerdings keine größere Akquisition geplant, "nur falls Sie sich das fragen".

Er räumte ein, dass einige Investoren diesen Schritt nicht gutheißen würden. Der Board habe aber mehr als ein Jahr über diese Maßnahme nachgedacht und sei zu dem Schluss gekommen, dass eine Führung durch die Gründer des Unternehmens im besten Interesse von Google, den Aktionären und den Nutzern sei.

Die Kritik von Aktionären an dem Aktiensplit ließ nicht lange auf sich warten. Als einer der ersten äußerte Ryan Jacob, der in seinem Jacob Internet Fonds auch Google-Aktien hält, seinen Unmut. Er räumte aber ein, dass Google beim Börsengang 2004 unmissverständlich klar gemacht habe, dass die Gründer langfristig die Kontrolle behalten würden. So lange es dem Unternehmen gutgehe, sei dieses akzeptabel.

Dass es Google gut geht, bewies der Internet-Konzern bei Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstagabend. Ein starker Umsatz im ersten Quartal verschaffte dem Suchmaschinen-Betreiber einen satten Gewinnsprung. Einen Überschuss von 2,89 Milliarden Dollar meldete das Unternehmen, während es im Jahr zuvor noch 1,8 Milliarden waren. Je Aktie stieg der Gewinn auf 8,75 von zuvor 5,51 Dollar.

Der Umsatz kletterte um rund ein Viertel auf 10,65 Milliarden Dollar. Nach Abzug der an die Werbepartner weitergeleiteten Einnahmen und an Marketingpartner bezahlten Provisionen belief sich der Nettoumsatz auf 8,14 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn pro Aktie lag bei 10,08 Dollar.

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Search giant Google releases its quarterly earnings and also outlines a new class of nonvoting stock, which its founders called an effective stock split, WSJ's Amir Efrati tells Lauren Rudser. (Photo: AP)

Die Analysten lagen laut FactSet Research mit ihrer Konsensprognose eines bereinigten Umsatzes von 8,1 Milliarden Dollar recht gut, während sie beim Gewinn je Aktie mit 9,64 Dollar zu tief geschätzt hatten.

Das starke Wachstum verdankt Google vor allem der gestiegenen Anzahl bezahlter Klicks: In den USA legten diese um 39 Prozent zu, ein stärkeres Plus als noch im vorangegangenen Quartal. Diese Klicks messen, wie oft die Konsumenten auf Werbeanzeigen klicken. Der Anstieg ist vor allem dem mobilen Internet zu verdanken, denn die Nutzer von Smartphones und Tablets klicken immer häufiger Werbeanzeigen auf ihren mobilen Endgeräten an. Daran verdient Google aber derzeit noch weniger als mit den anderen Anzeigen.

Dies trägt zu den in jüngster Zeit eher unbeständigen Ergebnissen des Suchmaschinen-Riesen bei. Doch Analysten sind sich sicher, dass sich dies bald ändern dürfte. Die Experten von J.P. Morgan erwarten etwa, dass der durchschnittliche Preis für mobile Werbeanzeigen angesichts der zunehmenden Verbreitung von mobilen Endgeräten mit der Zeit zulegen dürfte.

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