FRANKFURT — Eine hohe Dividende war jahrelang das Hauptargument, mit dem die Deutsche Telekom ihre Aktionäre bei Laune gehalten hat. Doch der Druck auf das Bonner Unternehmen, die Ausschüttung zu senken, wächst. Große Investoren stehen einem solchen Schritt grundsätzlich offen gegenüber. Allerdings würden sie eine niedrigere Dividende nur akzeptieren, wenn Deutschlands führender Telekom-Konzern im Gegenzug überzeugende Investitionspläne vorlegt.

Die Deutsche Telekom gehört zu den fleißigsten Dividenenzahlern in Deutschland. dapd

In den vergangenen Monaten haben einige europäische Telekom-Konzerne, darunter Telefonica aus Spanien und France Telecom, Dividendenkürzungen angekündigt. Die Telekom dagegen hält an ihrer Ausschüttungspolitik fest, die sie vor rund zwei Jahren formuliert hatte. Diese sieht für 2010 bis 2012 eine Gesamtausschüttung von 3,4 Milliarden Euro pro Jahr vor. Wie es danach weitergeht, ist unklar.

Die Telekom steht vor immer größeren Herausforderungen: In den USA muss sie dringend in ihre Mobilfunktochter investieren, nachdem der Plan, T-Mobile USA an AT&T zu verkaufen, im Dezember platzte. Und in Deutschland müsste der Konzern viel Geld für den Ausbau seiner Netze ausgeben, um dem wachsenden Wettbewerb durch Kabelnetzbetreiber etwas entgegenzuhalten.

"Wichtiger als eine üppige Dividende der Deutschen Telekom wäre mir aktuell, dass notwendige Investitionen, etwa ins deutsche Glasfasernetz oder den Ausbau der Mobilnetze, getätigt werden", sagt ein Fondsmanager, der für eine der größten deutschen Investmentfirmen arbeitet, die auch Aktien der Telekom hält.

Drei Milliarden Euro Ausschüttung im Jahr

Unter dem aktuellen Ausschüttungsplan zahlt die Telekom jährlich mindestens 70 Cent je Aktie bzw. insgesamt rund drei Milliarden Euro an Dividenden. Der Rest der Gesamtsumme von 3,4 Milliarden Euro stammt aus Aktienrückkäufen. Im Jahr 2010 hatte das Unternehmen eigene Aktien im Wert von 400 Millionen Euro eingesammelt, seither gab es keine weiteren Rückkäufe in Zusammenhang mit dem Programm.

Für 2010 zahlte die Deutsche Telekom die Mindest-Dividende von 70 Cent, für 2011 wird sie den Aktionären auf der Hauptversammlung im Mai den gleichen Betrag vorschlagen. Die Ausschüttungen liegen für beide Jahre über dem jeweils erwirtschafteten Nettogewinn. Allerdings richtet der Konzern seine Dividendenpolitik bereits seit Jahren am freien Cash-Flow aus. Besonderer Nutznießer der Dividenden aus dem Rheinland ist der Bund, der noch immer 32 Prozent an dem Ex-Staatsmonopolisten hält und somit einen Großteil der Ausschüttungen einstreicht.

Die Dividenden der Dax-Konzerne

Wie andere Konkurrenten in Europa leidet auch die Telekom unter einem harten Wettbewerb und starker Regulierung, die die Umsätze und Gewinne drücken. Verschärft wird die Situation dadurch, dass das Unternehmen über seine 40-prozentige Beteiligung an der griechischen Hellenic Telecom den wirtschaftlichen Niedergang in Südosteuropa direkt zu spüren bekommt.

"Eine Anpassung der Ausschüttungspolitik zur Stärkung der Wachstumsinitiativen wäre nachvollziehbar", sagt Andreas Mark, Fondsmanager bei Union Investment in Frankfurt. Möglichen Investitionsbedarf sieht er etwa bei Netzen oder im Vertrieb. Die Union ist ebenfalls an der Telekom beteiligt.

T-Mobile USA hinkt der Konkurrenz hinterher

Die Deutsche Telekom erwartet im laufenden Jahr einen freien Cash-Flow in Höhe von etwa sechs Milliarden Euro, nach - bereinigt um diverse Effekte - 6,4 Milliarden Euro im Jahr 2011. Die Investitionen sollen grob auf dem Niveau des Vorjahres von 8,4 Milliarden Euro liegen, obwohl das Unternehmen in den USA ein schnelles Mobilfunknetz der vierten Generation ausrollen will – basierend auf der so genannten LTE-Technologie.

T-Mobile USA, die Nummer Vier am US-amerikanischen Mobilfunkmarkt, war schon beim Ausbau seines 3G-Netzes spät dran und hinkt der Konkurrenz mit seinen Plänen für LTE abermals hinterher. Die Sparte ist der einzige nationale Carrier, der das beliebte iPhone von Apple nicht anbietet. Im vergangenen Jahr verlor T-Mobile USA auch deswegen 1,65 Millionen Vertragskunden.

Wie viel die Telekom künftig ausschüttet, wird zu großen Teilen davon abhängen, wie sie die kritische Situation in Amerika zu lösen gedenkt, meint Fondsmanager Mark von Union Investment.

Telekom bremst beim Glasfasernetz-Ausbau

Ein Verkauf des US-Geschäfts an AT&T hätte der Telekom den Weg frei gemacht, um sich auf ihren Investitionsbedarf in Europa und insbesondere in Deutschland zu konzentrieren. Hier wird der Ex-Monopolist vor allem von den Kabelnetzbetreibern herausgefordert. Deren Netze sind schneller und geben ihnen die Möglichkeit, Kunden mit günstigen Telefon- und Internetangeboten zu locken.

Die Telekom beantwortet die Herausforderung mit einem Ausbau ihres superschnellen Glasfasernetzes. Eine flächendeckende Versorgung würde allerdings viele Milliarden Euro verschlingen. Das Unternehmen hat daher frühere, aggressive Ausbaupläne beerdigt. Offizielle Begründung: Die gegenwärtige Nachfrage nach hyperschnellen Verbindungen würde einen weiträumigen Ausbau nicht rechtfertigen.

Einige sehen in diesem Ansatz aber Gefahren. "Die Bereitschaft der Deutschen, für eine schnellere Internetverbindung mehr zu bezahlen, ist noch etwas gedämpft" sagt Hannes Wittig, Telekom-Analyst bei JP Morgan. "Aber Konsumgewohnheiten ändern sich. Es ist riskant für die Deutsche Telekom, darauf nicht vorbereitet zu sein."

Kontakt zum Autor: philipp.grontzki@dowjones.com