Man hätte das Minus an der Wall Street am Montag auf den Superbowl schieben können. Gewinnmitnahmen im Zuge wieder aufkeimender Sorgen über die Eurokrise und schwacher Konjunkturdaten aus den USA hielten Marktbeobachter aber als Erklärung für angebrachter. Mit den Baltimore Ravens sicherte sich eine Mannschaft aus der AFC die US-Footballmeisterschaft. An den Börsen aufwärts ging es in der Vergangenheit meist nur dann, wenn der Meister von der NFC gestellt wurde - allerdings in den vergangenen Jahren mit immer geringerer Treffsicherheit.

Die Marke von 14.000 Punkten, die der Dow-Jones-Index am Freitagabend erstmals seit Oktober 2007 wieder erreicht hatte, war mit den Sorgen aus Europa nicht zu halten. "Mit dem Rückschlag heute wurden die Schlagzeilen aus Europa verarbeitet", erklärte Marktstratege Bill Stone von PNC Asset Management. Der Dow-Jones-Index verbuchte seinen bisher größten Tagesverlust 2013 und gab 0,9 Prozent auf 13.880 Punkte ab. Der S&P-500 sank um 1,2 Prozent und der Nasdaq-Composite um 1,5 Prozent.

Mit Blick auf Italien ging die Angst um, eine neue Regierung könnte vom soliden Kurs des amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti abweichen. Der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat für den Fall einer Rückkehr an die Macht Steuererstattungen versprochen. In Spanien sieht sich die Volkspartei von Premier Mariano Rajoy mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen zogen daraufhin wieder an.

Einen Dämpfer erhielt das Sentiment zudem durch schwache Auftragseingänge der US-Wirtschaft. Diese waren am Jahresende weniger stark gestiegen als erwartet. Des Weiteren lief es im November etwas schlechter als zunächst berichtet.

Vor allem die Schlagzeilen aus Europa steigerten die Attraktivität des vermeintlich sicheren Hafens der US-Staatsanleihen. Deren Notierungen legten deutlich zu, in der Folge sanken die Renditen auf breiter Front. Zehnjährige US-Anleihen rentierten mit 1,96 Prozent. "Die Entwicklungen in Europa werfen einen Schatten auf die Rally bei Risikopapieren", sagte Rentenstratege Richard Gilhooly von TD Securities auch mit Blick auf die steigende Arbeitslosigkeit in Spanien.

Der Euro fiel mit den schlechten Nachrichten aus Italien und Spanien deutlich unter die Marke von 1,36 Dollar und kostete im späten US-Handel 1,3514 Dollar. Auch am Ölmarkt wurden Gewinne eingestrichen. Ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 1,6 Prozent auf 96,17 Dollar. Der Preis der europäischen Referenzsorte Brent fiel um ein Prozent auf 115,60 Dollar. Beim Ölpreis belastete zudem der steigende Dollar, der Öl für Anleger außerhalb des Dollarraums teurer macht. Der Goldpreis stieg trotz Dollarstärke auf 1.674 Dollar die Feinunze, am Freitag war das Edelmetall noch für 1.668 Dollar zu haben.

Aktien von Oracle fielen, nachdem das Unternehmen den Kauf des Datenverkehrsspezialisten Acme Packet bekanntgegeben hatte. Der SAP-Wettbewerber lässt sich die Akquisition 2,1 Milliarden Dollar kosten. Die Titel von Acme schnellten dafür kräftig empor. Ansonsten machten Analystenkommentare Kurse. Unter anderem hatte J.P. Morgan Wal-Mart -Titel auf "Neutral" abgestuft. Merck&Co wurden von Morgan Stanley auf "Underweight" zurückgestuft.

Bei Dell deutet sich das Ende einer Ära ab. Der Computerhersteller steht kurz davor, seinen 23 Milliarden US-Dollar schweren Abschied von der Börse abzuschließen. Mit dem Vorgang vertraute Personen sprachen von einem Aktienkurs zwischen 13,50 und 13,75 Dollar, zu dem die Transaktion vollzogen werden soll. Es wäre die größte Transaktion dieser Art seit der Finanzkris. Die noch gehandelte Aktie gab nach und fiel unter diese Spanne.

In der zweiten Reihe hat der Krankenversicherer Humana Zahlen zum vierten Geschäftsquartal veröffentlicht, die besser als erwartet ausgefallen sind. Der Ratingagentur Standard & Poor's drohen laut Berichten in den USA Klagen wegen fehlerhafter Bonitätsbewertungen. Die Aktien des Mutterkonzerns McGraw-Hill brachen daraufhin ein.

Gut aufgenommen wurden die Geschäftszahlen von Clorox. Dank der Grippesaison und einem damit einhergehenden höheren Hygienebedürfnis hat das Unternehmen in den USA mehr Reinigungsmittel abgesetzt.

Kontakt zum Autor: florian.faust@dowjones.com