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Die Facebook-Aktie fliegt zu hoch

Das soziale Netzwerk ist an der Börse sehr optimistisch bewertet

Facebook-Chef Mark Zuckerberg. ENLARGE
Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Getty Images

Facebook FB 1.08 % ist eine fulminante Online-Werbemaschine. Aber das wissen wohl die meisten Investoren längst. Der kniffligere Teil ist, herauszufinden, wie weit das die Aktie noch treiben kann.

Das soziale Netzwerk befindet sich im dritten Lebensjahr als börsennotiertes Unternehmen. Die Wall Street sollte inzwischen herausgefunden haben, wie das Potenzial des Konzerns einzuschätzen ist. Damit dürfte klarer werden, was die Aktien tatsächlich wert sind und zu welchem Vielfachen des Gewinns sie handeln sollten. Die Frage ist besonders relevant bei einer Aktie, die in einem Jahr um über als 84 Prozent gestiegen ist, auch durch große Wetten auf Technologien wie den Kurznachrichtendienst Whatsapp.

Das starke operative Geschäft von Facebook hat neben dem Kurs auch die Erwartungen hochgeschraubt. Je größer der Konzern wird, desto langsamer wird jedoch as Wachstum bei Umsätzen, Nutzeraktivität und Mitgliederzahlen ausfallen.

Die Kombination aus einer hohen Bewertung und langsamerem, wenn auch immer noch hohem Wachstum, macht es unwahrscheinlich, dass es nach den nächsten Quartalszahlen große Kurssprünge gibt. Und wenn die Erwartungen nur leicht verfehlt werden oder Anzeichen von Schwäche sichtbar sind, dürfte das eine unverhältnismäßige negative Reaktion auslösen.

Die Gefahr wird schon durch die Tatsache verstärkt, dass viele begeisterte Investoren nicht korrekt bewerten. Der Marktwert nach verwässerter Aktienzahl beträgt etwa 200 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 150 Milliarden Euro. Das schließt Papiere mit ein, die im Juli ausgegeben wurden, um den Kauf von Oculus VR abzuschließen. Auf dieser Basis handelt Facebook zu etwa dem Zwölffachen des für 2015 erwarteten Umsatzes.

Neue Optionen benötigen noch Zeit

Aber selbst diese berauschende Bewertung enthält nicht die rund 184 Millionen Aktien und die 46 Millionen Belegschaftsaktien, die Facebook ausgeben wird, wenn die Whatsapp-Übernahme abgeschlossen wird. Das Unternehmen erwartet, dass dies noch in diesem Jahr geschehen wird. Wenn man diese Papiere zur Gesamtzahl der Aktien hinzurechnet, kommt man zum aktuellen Kurs auf eine Bewertung von fast 217 Milliarden Dollar – mehr als das 13-Fache des Umsatzes 2015.

Das Umsatzwachstum bei Facebook dürfte sich im zweiten Quartal 2015 auf 35 Prozent verlangsamen. In diesem Jahr waren es noch 61 Prozent. Das ist immer noch eine Wachstumsrate, für die viele Unternehmen einen Mord begehen würden.

Aber die Bewertungen von Internetfirmen sind meist eng an das Umsatzwachstum geknüpft, schreiben die Analysten von Janney Capital Markets. Ein Beispiel ist Google, GOOGL 1.01 % das 2004 an die Börse ging. Die Investoren senkten in den ersten drei Quartalen die Bewertung im Verhältnis zum erwarteten Umsatz, weil sich das Wachstum verlangsamte. Dadurch verharrte der Kurs der Aktie in diesem Zeitraum bei rund 200 Dollar.

In einem ähnlichen Fall sank zwischen Anfang 2010 und Mitte 2012 das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei Google. Die Aktie blieb bei etwa 300 Dollar stecken, weil der Umsatz nicht wieder auf das Niveau vor der Rezession zu klettern schien. Erst ein satter Wachstumsschub im zweiten Quartal 2012 beflügelte die Aktie wieder.

Zugegeben: Facebook könnte bald anfangen, mit Instagram und Whatsapp Geld zu verdienen. Zudem könnte ein neuer Bezahldienst das Wachstum wieder in Schwung bringen. Aber auf einer Telefonkonferenz im Juli anlässlich der Quartalszahlen sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass beide Optionen noch Zeit benötigten.

Nichts davon ändert etwas an Facebooks Stärke auf dem mobilen Werbemarkt. Doch die hohe Bewertung der Aktie spiegelt das bereits mehr als deutlich wider. Und wenn das Wachstum zurückgeht, dann sollten sich Investoren auch auf eine Atempause der Aktie einstellen.

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