DOW JONES, A NEWS CORP COMPANY
Sections
  • Today's Paper
  • SHOW ALL SECTIONS HIDE ALL SECTIONS
    HIDE ALL SECTIONS
Aim higher, reach further.
Get the Wall Street Journal $12 for 12 weeks. Subscribe Now

Rockets Foodpanda: „Über die nächsten Monate werden die ersten Länder profitabel"

BERLIN—Die Essens-Bestellplattform Foodpanda gehört zu den derzeit größten Wetten des Berliner Start-up-Inkubators Rocket Internet. Vergangene Woche wurde die Plattform für Essensbestellungen von Wagniskapitalinvestoren mit weiteren 60 Millionen US-Dollar ausgestattet, auch Rocket beteiligte sich an der jüngsten Kapitalrunde. Das aggressiv expandierende Unternehmen ist weniger als drei Jahre nach der Gründung bereits in 45 Ländern aktiv.

Foodpanda-CEO Ralf Wenzel
Foodpanda-CEO Ralf Wenzel Foodpanda

Mit dem neuen Geld will das Unternehmen zunächst nicht in weitere Länder expandieren, erklärte Foodpanda-CEO Ralf Wenzel im Gespräch mit dem Wall Street Journal Deutschland. „Wir wollen nicht unbedingt in mehr Länder, sondern in existierenden Ländern in mehr Städte gehen", sagte Wenzel – allen voran Indien, Russland und Indonesien. In Russland hatte sich Foodpanda im Juni durch die Übernahme des Konkurrenten Delivery Club die Marktführerschaft gesichert.

Die Plattform für Essensbestellungen, deren größter Anteilseigner auch nach der jüngsten Finanzierungsrunde noch immer Rocket Internet ist, wird zentral in Berlin entwickelt, von wo auch das Marketing gesteuert wird. Rocket sieht die Online-Bestellung von Essen als sehr stark standardisierbares Geschäft an, das an die Märkten vor Ort nur leicht angepasst werden muss – mit entsprechendem Potenzial für schnelles und großes Wachstum.

„Es ist für uns wie ein Facebook oder ein Google – es ist ein Service", sagte Foodpanda-Chef Wenzel. „Die Art und Weise wie Leute Essen bestellen, ist sehr ähnlich. Was muss ich dem Kunden anzeigen, wie stellt er sein Checkout zusammen, wie kauft er? Das ist so ähnlich wie Kunden heutzutage bei Google auf der ganzen Welt gleich suchen oder Facebook gleich updaten", sagte der CEO. Anpassungen gäbe es neben der Sprache und der Art des Essens noch bei der Frage, warum Kunden Essen bestellten. Russen beispielsweise bestellten vor allem Sushi und sähen die Lieferung von Essen als Luxus an – in Indien dagegen handle es sich um ein Massengeschäft und es sind günstige Preise angesagt.

Foodpanda geht dahin, wo die Großen nicht sind

Foodpanda, das in einigen Ländern unter der Marke Hellofood aktiv ist, konzentriert sich wie die meisten Unternehmen von Rocket Internet ausschließlich auf Entwicklungs- und Schwellenländer, darunter einige Märkte, die von den Marktführern in westlichen Ländern wie Grubhub Seamless, Just Eat und Delivery Hero links liegengelassen werden. In anderen Märkten stößt Foodpanda auf erbitterte Konkurrenz von entweder großen lokalen Marken, wie iFood in Brasilien, oder internationalen Unternehmen, wie dem Berliner Lieferdienst-Netzwerk Delivery Hero in Polen.

Ziel von Foodpanda ist es, in sämtlichen Schwellenländern Marktführer zu werden. Die Vermittlung von Essensbestellungen online lohnt nur als Massengeschäft: Hohen Initialkosten stehen sehr geringe variable Kosten gegenüber, die mit der Skalierung des Geschäfts nur wenig mitwachsen.

Bei der aggressiven Expansion in Schwellenländer schreckt Foodpanda auch vor Ländern mit politischen Risiken wie Saudi-Arabien oder Vietnam nicht zurück. Das politische Risiko werde dadurch minimiert, dass nur wenig Kapital in den Ländern steckt, sagte der CEO. „Diese Länder sind komplexer als der deutsche Markt", sagte Wenzel. Das gebe Foodpanda aber auch einen Wettbewerbsvorteil, „weil wir es geschafft haben, diese Komplexität zu überwinden."

Das Unternehmen werde beispielsweise durch eine hohe Marge belohnt, sagte der CEO. Restaurantbetreiber zahlten dem Unternehmen Provisionen von bis zu 50 Prozent. Dafür muss das Unternehmen allerdings teilweise die Logistik der Essensauslieferung gleich mitübernehmen. Lieber sei es Foodpanda aber, wenn das die Restaurantbetreiber selbst machen, räumte Wenzel ein – denn dann sei das Geschäftsmodell leichter skalierbar.

Foodpanda gehört mit dem sehr skalierbaren Geschäftsmodell und großen Finanzierungsrunden zu den derzeit größten Wetten von Rocket Internet – Anleger werden sich die Rocket-Tochter beim geplanten Börsengang des Start-up-Inkubators daher sehr genau ansehen.

"Vor allem anderen steht das Ziel Marktführerschaft"

Foodpanda will aber noch lange nicht von Wachstum auf Profitabilität umstellen. „Wir werden so lange den Fokus auf Expansion haben, wie der Markt das hergibt", sagte Wenzel. „Vor allem anderen steht das Ziel Marktführerschaft in jedem einzelnen Land und Marktanteile." Derzeit wachse Foodpanda in jedem aktiven Markt im zweistelligen Prozentbereich.

Noch verrät Foodpanda keinerlei konkrete Zahlen zur Umsatzentwicklung. „Über die nächsten Monate werden die ersten Länder profitabel werden", sagte der CEO aber mit Bezug auf die Märkte in Südostasien, die Rocket zuerst angegangen ist. Ob Foodpanda im Zuge des Rocket-Börsengangs auch der breiteren Öffentlichkeit als potenzielle Kleinanleger Zahlen zugänglich machen will, „muss man dann sehen, sollte es dazu kommen", sagte Wenzel.

Selbst in der westlichen Welt wird Essen immer noch ganz überwiegend per Telefon bestellt. Auch weil Investoren davon ausgehen, dass das sich ändert, haben die Konkurrenten Just Eat aus Großbritannien und Grubhub Seamless aus den USA seit ihren Börsengängen bei Anlegern für viel Phantasie gesorgt. Der Foodpanda-Chef hält das für eine Generationenfrage. Der Fokus von Foodpanda liegt in der Weiterentwicklung der mobilen Apps, die in Schwellenländern besonders wichtig sind. „Wir wollen sicherstellen, dass wir den Kampf gegen die Offline-Welt gewinnen", sagte Wenzel.

Kontakt zum Autor: stephan.doerner@wsj.com

Advertisement

Popular on WSJ