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Ebola-Epidemie würgt den Afrika-Tourismus ab

Vertreter der kenianischen Gesundheitsbehörde nehmen Reisenden am Flughafen in Nairobi die Temperatur ab, um sie auf Ebola zu testen. ENLARGE
Vertreter der kenianischen Gesundheitsbehörde nehmen Reisenden am Flughafen in Nairobi die Temperatur ab, um sie auf Ebola zu testen. Agence France-Presse/Getty Images

Die Ebola-Epidemie in Westafrika droht, den Tourismus auf dem Kontinent abzuwürgen. Reiseveranstalter sprechen von sinkenden Buchungszahlen, plötzlichen Stornierungen und besorgten Anrufen – selbst für Länder wie Kenia oder Südafrika, die weit weg den betroffenen Gebieten liegen.

Eine thailändische Versicherung hatte eine Reise ins südafrikanische Kapstadt gebucht, um ihre 1.500 besten Verkäufer zu belohnen. Doch kürzlich wurde die Reise abgesagt, wie Barry Hurter, Chef des südafrikanischen Reiseveranstalters ERM Tours, sagt. Hurter erklärte dem Kunden, dass es kein Ebola in Südafrika gibt, und Kapstadt von den betroffenen Staaten in Westafrika weit weg ist. Doch das Unternehmen sagte die Reise trotzdem ab. „Ebola ist in Afrika, sagen sie", so Hurter.

Damit trifft die Epidemie Afrikas Volkswirtschaften genau da, wo es besonders weh tut. Viele Touristen übertreiben die Risiken, die mit einem Besuch des Kontinents verbunden sind. Diese Sorgen haben afrikanische Regierungen noch verstärkt, indem sie scharfe Maßnahmen ergriffen haben, damit das Virus die Landesgrenzen nicht überschreitet. So hat die Regierung des ostafrikanischen Staats Kenia etwa angekündigt, niemanden mehr aus Sierra Leone, Guinea oder Liberia einreisen zu lassen – nur noch Kenianer und Mediziner, die gegen die Krankheit kämpfen. Sambia hat das gleiche erklärt. Viele weitere afrikanische Staaten regulieren den Flugverkehr zum Westen des Kontinents streng.

Justin Grammaticas ist Marketingleiter von Governor's Camp, einem Tourismusunternehmen, das Safari-Lodges in Kenia und Ruanda betreibt. Die Fluglinie Korean Air Lines 003490 1.48 % habe alle Flüge nach Kenia abgesagt, so Grammaticas – das schade auch seiner Firma. Korea sei „einer unserer neuen Märkte", sagt er.

Auch Rundreisen durch Tansania wurden abgesagt, wie die Tourismusbehörde des Landes erklärte. Wie Kenia liegt Tansania im Osten des Kontinents und ist damit Tausende Kilometer von der Epidemie entfernt.

So versuchen Branchenverbände, die Panik mit Aufklärung zu vertreiben. Die britische Gruppe South Africa Tour Operators Association erklärte auf ihrer Website, Afrika sei „groß – wirklich, wirklich groß". Einige Karten veranschaulichten, dass der Kontinent größer als Westeuropa, die USA, China und Indien zusammen ist.

Allein vom 14. bis einschließlich 16. August starben 84 weitere Menschen an dem tödlichen Erreger, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag in Genf mitteilte. Damit stieg die Opferzahl in Liberia, Sierra Leone, Guinea und Nigeria auf insgesamt 1.229. Derweil bestätigte sich ein Ebola-Verdachtsfall in Berlin zunächst nicht.

Am schwersten von der Ebola-Epidemie betroffen ist laut WHO Liberia mit 53 weiteren Toten und 48 neuen Infizierten. Insgesamt starben in dem Land demnach bislang 466 Menschen, doch gehen die Experten davon aus, dass die WHO-Zahlen niedriger sind als die tatsächlichen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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